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Ermittlungen: Infineon-Vorstand Zitzewitz tritt zurück

Der für das Speicherchip-Geschäft zuständige Infineon-Vorstand Andreas von Zitzewitz ist mit sofortiger Wirkung zurückgetreten. Hintergrund ist eine spektakuläre Korruptionsaffäre.

Der ins Visier der Staatsanwaltschaft geratene Infineon-Vorstand Andreas von Zitzewitz ist zurückgetreten. Die Münchener Ermittler gehen dem Vorwurf nach, dass der 45-jährige Manager Provisionen in sechsstelliger Höhe für die Vermittlung von Werbeverträgen für Motorsport-Veranstaltungen erhalten hat.

"Dr. von Zitzewitz erklärte seinen Rücktritt, um das Unternehmen nicht mit den laufenden Untersuchungen zu belasten und sich voll auf das sich abzeichnende Verfahren zu konzentrieren", teilte Infineon am Samstagabend mit. Infineon selbst sei nicht Gegenstand der Ermittlung. Die Zentrale des Konzerns in München war am Freitag im Rahmen der Ermittlungen durchsucht worden. Das Magazin "Focus" berichtete unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft, die Behörde ermittle gegen Zitzewitz und einen weiteren, 2004 bei Infineon ausgeschiedenen Manager wegen des Verdachts der Untreue, der Steuerhinterziehung und der Bestechlichkeit. "Wir sind ebenso an einer vollständigen Aufklärung interessiert", sagte Infineon-Chef Wolfgang Ziebart. Er erwarte, dass der Aufsichtsrat den Rücktritt annehmen werde.

Provisionen aus Werbeeinnahmen

Nach Angaben von Infineon geht es um den Vorwurf, dass von Zitzewitz im Zusammenhang mit Sponsoringverträgen im Motorsport Geld von der Schweizer Beratungsfirma BF Consulting bekommen hat. Der "Focus" beziffert die Summe auf 259.000 Euro. Berichten von "Focus" und "Spiegel" zufolge hat von Zitzewitz zusammen mit anderen Managern die Lieferanten des Chip-Konzerns dazu gedrängt, Motorsport-Veranstaltungen zu sponsern. Aus den daraus geflossenen Werbeeinnahmen habe er Provisionen erhalten, die er angeblich überdies nicht versteuert habe.

Die Zentrale von Infineon in München, Büros und Wohnungen mehrerer Manager waren am Freitag von der Staatsanwaltschaft und Polizeibeamten durchsucht worden, wie die Ermittlungsbehörde und das Unternehmen bestätigten. Laut "Spiegel" waren daran rund 100 Beamte beteiligt. Auslöser der Ermittlungen waren Aussagen des Geschäftsführers von BF Consulting. "Der Spiegel" berichtete, Infineon-Aufsichtsratschef Max-Dietrich Kley habe bereits vor eineinhalb Jahren Informationen über so genannte Kickback-Zahlungen an Zitzewitz erhalten, aber keine Belege dafür gefunden.

Großer Motorsport-Fan

Von Zitzewitz war seit der Ausgliederung von Infineon aus dem Siemens-Konzern 1999 im Vorstand, zunächst als Verantwortlicher für das operative Geschäft (COO), seit Anfang des Jahres als Chef der lange defizitären Speicherchip-Sparte. Bereits bei Siemens, wo er seit 1986 tätig war, hatte er das Speicherchip-Geschäft geleitet. Infineon erwägt nach Angaben aus Branchenkreisen die Abspaltung der Sparte und deren Börsengang.

Wie der ehemalige Infineon-Vorstandschef Ulrich Schumacher, der im Frühjahr 2004 zurücktreten musste, gilt von Zitzewitz als großer Anhänger des Motorsports. So hatte Infineon unter anderem das Formel-1-Team von Jordan-Honda gesponsert. Nach dem Rückzug Schumachers habe Infineon seine Engagements im Motorsport sofort so weit wie möglich beendet, betonte das Unternehmen.

Reuters / Reuters