Finanzdienstleister Weiterer Rücktritt bei Bankgesellschaft Berlin


Nach Verstößen gegen das Kreditwesengesetz soll Landesbank-Chef Decken angeblich noch diese Woche sein Amt niederlegen.

Der Berliner Bankgesellschaft drohen nach einem Vorabbericht der »Berliner Zeitung« offenbar weitere personelle Konsequenzen: sie muß mit dem Rücktritt des zweiten Vorstandsmitglieds innerhalb weniger Tage rechnen. Die Rücktritte sind die Folge von Unregelmäßigkeiten bei der Immobilientochter IBG. Diesmal soll Landesbank-Chef Ulf Wilhelm Decken, voraussichtlich noch in dieser Woche, sein Amt niederlegen. Decken soll mit Freistellungserklärungen für die Landesbank Haftungsrisiken übernommen haben, ohne dass dies gegenüber Wirtschaftsprüfern oder Bankenaufsicht offen gelegt wurde. Die Bankgesellschaft wollte den Bericht »weder bestätigen noch dementieren«. Am Donnerstag wird es eine Sitzung des Aufsichtsrates geben, sagte ein Sprecher. Die Bank hatte zuvor einen Bericht der »FAZ« über einen möglicherweise drohenden Korrekturbedarf der Bilanzen als Folge von Prüfungen im Immobiliengeschäft zurückgewiesen.

Freistellungserklärung nicht weitergemeldet

Grund für die Ablösung von Landesbank-Chef Decken sind offenbar Freistellungserklärungen, welche die Landesbank von 1994 bis 1997 bei Immobilienfonds ausgestellt hatte. Dabei handelt es sich um Haftungsfreistellungen für Personen, die eigentlich mit ihrem Privatvermögen für die von der IBG aufgelegte Fonds haften sollten. Mindestens eine dieser Erklärungen wurde von Decken und seinem Landesbank-Vorstandskollegen Jochem Zeelen unterzeichnet, heißt es in dem Zeitungsbericht. Diese wurden jedoch nicht den Wirtschaftsprüfern oder der Bankenaufsicht gemeldet.

Konzerninterne Kredite verschleiert

Über diese Personen wurden dann millionenschwere Kredite bei der Bankgesellschaft aufgenaommen, ohne dass die IBG selbst als Kreditnehmer in Erscheinung treten musste. Mit dieser Konstruktion wurde die tatsächliche Größenordnung der von der IBG bei der Bankgesellschaft aufgenommenen Darlehen verschleiert und ebenso die Tatsache, dass es sich bei den Darlehen faktisch um konzerninterne Kredite handelte. Konzernchef Wolfgang Rupf bestätigte der Zeitung, dass die Bankgesellschaft Berlin damit »sehr wahrscheinlich« gegen das Kreditwesengesetz verstoßen hat, weil die vorgeschriebene Grenze für Großkredite überschritten wurde. Das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen und die Bankgesellschaft prüfen die Vorgänge derzeit. Nach Einschätzung der Berliner Finanzverwaltung steht der Verdacht der Bilanzmanipulation im Raum.

Kein Ende der Schlagzeilen

Die Bank ist in jüngster Zeit auch in Verbindung mit der Spendenaffäre in der Berliner CDU in die Schlagzeilen gekommen. Der Chef ihrer Hypothekentochter Berlin Hyp, Klaus Landowsky, war vor wenigen Tagen von seinem Posten zurückgetreten. Landowsky, der Chef der CDU-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus ist, hatte bestätigt, dass er Spenden der Immobiliengruppe Aubis an seine Partei entgegengenommen hatte, mit der die Berliner Hyp etwa zur gleichen Zeit umfangreiche Kreditgeschäfte abgewickelt hatte.


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