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Finanzmarkt: Ausverkauf an den Börsen

Wieder ein Schwarzer Freitag: Was die Aktienmärkte in Asien und Europa vorgegeben hatten, setzte sich auch an der Wall Street fort. Immer neue Hinweise auf eine nachhaltige Rezession ließen die Kurse in die Tiefe rauschen. Der Dax schloss auf einem Dreijahrstief, der Down Jones bei 3,59 Prozent im Minus.

Der freie Fall der Börsenkurse in Europa und Asien hat auch an den amerikanischen Börsen einen Ausverkauf ausgelöst. Anzeichen für einen stärkeren Abschwung als bislang erwartet trieben die Kurse in New York tief in die roten Zahlen. Die Börsen von Tokio bis London hatten zuvor mit zeitweisen Verlusten von mehr als zehn Prozent auf eine beispiellose Welle von Gewinnwarnungen internationaler Konzerne wie Sony und Renault reagiert.

Die Nachrichten bestärkten aus Sicht der Händler die schlimmsten Erwartungen an die konjunkturellen Folgen der Finanzkrise. Wegen zu starker Verluste musste auch der vorbörsliche US-Aktienhandel vorübergehend eingefroren werden.

Dax: Wochenverlust bei zehn Prozent

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte notierte am Nachmittag knapp fünf Prozent im Minus bei 8266 Punkten, brach zeitweise um 400 Punkte ein. Bei Handelsschluss an der Wall Street landete der Index schließlich bei einem Minus von 3,59 Prozent auf 8378,95 Zählern - im Verlauf der Woche hat der Dow jones damit 5,34 Prozent verloren. Der breiter gefasste S&P-500 verlor 3,45 Prozent auf 876,77 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq erreichte ein Minus um 3,23 Prozent auf 1552,03 Punkte. In Frankfurt schloss der Dax fünf Prozent tiefer bei 4295 Punkten und damit so niedrig wie seit gut drei Jahren nicht mehr. Auf Wochensicht verlor der Leitindex rund zehn Prozent.

Die Verluste wurden Händlern zufolge durch die Kapitalnöte von Hedge-Fonds und Investmentfonds vergrößert. Die Großanleger stoßen demnach derzeit massenweise Aktien ab, um Kunden auszahlen zu können, die wegen der Finanzkrise aussteigen. "Die größte Frage ist: Wie groß ist das Beben, das diese erzwungenen Verkäufe auslösen, und wann und wo tritt es an die Oberfläche", sagte Jim Dunigan von einem Anlagenfonds aus Philadelphia.

AIG schließt weiteren Kapitalbedarf nicht aus

Wie in Europa zählten auch in den USA Finanz- und Autotitel zu den großen Verlieren. Die Aktien der Bank of America verbilligten sich um 7,7 Prozent. Die Papiere der Citigroup fielen um 6,8 Prozent und die Titel von Goldman-Sachs lagen knapp zehn Prozent im Minus.

Auch die Aktie des Versicherungskonzerns AIG verlor mehr als 14 Prozent, nachdem das mit staatlicher Hilfe vor der Pleite gerettete Unternehmen einen weiteren Kapitalbedarf nicht ausgeschlossen hatte. AIG hat von der US-Regierung Mitte September zunächst Nothilfen in Höhe von 85 Milliarden Dollar erhalten, später stellte die Fed dem Versicherer weitere Milliarden-Sicherheiten in Aussicht.

Politik fordert weitere Hilfen für Autobranche

Die Anteile des US-Autobauers General Motors gaben um 14,6 Prozent nach. Analysten bezeichneten den geplanten Zusammenschluss mit der früheren Daimler-Tochter Chrysler als Akt der Verzweiflung. Chrysler kündigte zudem an, wegen der beispiellos schwierigen Marktbedingungen 5000 Mitarbeiter zu entlassen. Politiker beider großer US-Parteien forderten weitere Staatshilfen für die kriselnde Branche. Die Regierung müsse sowohl einen Einstieg bei den Herstellern als auch den Aufkauf fauler Kredite zur Finanzierung von Autos erwägen, forderte eine Delegation aus dem Bundesstaat Michigan, in dem auch die Autostadt Detroit liegt.

Aktien des weltgrößten Softwarekonzerns Microsoft gaben 1,5 Prozent ab. Das Unternehmen machte im abgelaufenen Quartal mehr Gewinn als im Vorjahr, senkte aber seine Prognosen für 2008 und kündigte Sparmaßnahmen an.