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Ex-GEZ-Gebühr: Der ARD-Chef will höheren Rundfunkbeitrag - so rechtfertigt er den Preisanstieg

Der ARD-Chef Ulrich Wilhelm fordert einen höheren Rundfunkbeitrag ab 2021. Seinen Plänen nach könnte die ehemalige GEZ-Gebühr an den Inflationsausgleich gekoppelt sein - und rechtfertigt die Ausgaben. 

Rundfunkbeitrag

Der Rundfunkbeitrag soll steigen, wenn es nach dem ARD-Chef Ulrich Wilhelm geht.

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Was darf der öffentlich-rechtliche Rundfunk monatlich kosten - diese Frage ist immer wieder Streitpunkt. Derzeit zahlen alle Haushalte eine Abgabe von 17,50 Euro pro Monat. Zu wenig, findet der neue ARD-Chef Ulrich Wilhelm. Er fordert eine Erhöhung. "Wenn wir den heutigen Leistungsstand mit qualitätsvollen Programmen in den Jahren 2021 bis 2024 halten wollen, brauchen wir dann einen Ausgleich der Teuerung - orientiert am Verbraucherpreisindex", sagte Wilhelm der Funke Mediengruppe.

Demnach will der Vorsitzende der ARD, der seit dem 1. Januar 2018 im Amt ist, den Rundfunkbeitrag an die Inflation koppeln. Die Teuerungsrate variiert von Jahr zu Jahr, zuletzt lag sie bei knapp zwei Prozent. Unterstützung bekommt Wilhelm vom bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder. Der hatte im Interview mit dem "Spiegel" auch einen Inflationsausgleich beim Rundfunkbeitrag ins Spiel gebracht. Er glaube an einen Beitrag, der "automatisch in gleicher Höhe wie die Verbraucherpreise steigt und damit die Inflation ausgleicht." Ob es dazu kommt? "Das entscheiden die Bundesländer im kommenden Jahr auf der Basis einer Empfehlung der KEF, der unabhängigen Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten", so Wilhelm im Interview mit der Funke Mediengruppe. 

Die Höhe des ehemaligen GEZ-Beitrags ist umstritten. Ein Kritikpunkt: Die Öffentlich-Rechtlichen mit ARD, ZDF und den dritten Programmen würden teure Doppelstrukturen unterhalten. Gerade bei kostenintensiven Sportübertragungen fordern Kritiker mehr Kooperation.  "Das tun wir schon längst", kontert Wilhelm im Interview. "Zuletzt auch wieder bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang oder bei der Fußball-WM in Russland, wo wir jeweils ein gemeinsames nationales Sendezentrum in Leipzig beziehungsweise Baden-Baden hatten. Auch den Großteil des Technik- und Produktionspersonals haben ARD und ZDF gemeinsam genutzt. Diese enge Kooperation bei Sport-Großereignissen werden wir künftig noch ausbauen."

Neben der Kritik an sehr teuren Sport-Übertragungen haben die öffentlich-rechtlichen Sender aber noch weitere Probleme. Acht Milliarden Euro stehen den gebührenfinanzierten Sendern zur Verfügung - doch ein satter Anteil davon muss für Pensionsansprüche ehemaliger Mitarbeiter zur Seite gelegt werden. Und wie hoch die Altersbezüge sind, hat die "Bild-Zeitung" vor einigen Jahren ausgerechnet. Demnach wird der "WDR"-Intendant Tom Buhrow auch im Rentenalter kaum finanzielle Einbußen hinnehmen müssen. Aktuell verdient er rund 359.000 Euro pro Jahr.

Klar ist: Jahr für Jahr steigt der Betrag, den ARD, ZDF und Co. auf die hohe Kante legen müssen, um die üppigen Pensionszahlungen zu gewährleisten. Rund 13,50 Euro von den jährlichen 210 Euro, die jeder Haushalt entrichten muss, landen im Pensionstopf - Tendenz steigend. Doch damit erklärt sich ein weiterer Schritt: Um die Pensionslast zu stemmen, muss gespart werden - am Programm oder dem Personal, also an dem, was Zuschauer für ihr Geld eigentlich zu sehen bekommen sollten. Oder aber man erhöht den Beitrag.

Im vergangenen Jahr hatte Wilhelm den Finanzbedarf der Öffentlich-Rechtlichen mit einem Plus von drei Milliarden Euro jährlich beziffert. 

Änderungen im Mai 2018
kg