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Hamburger Airbuswerk: Politiker warnen EADS vor Jobverlagerung

Die Airbus-Krise ruft nun auch Politiker auf den Plan: Sie warnen vor einer Verlagerung der A380-Produktion nach Frankreich - und drohen mit Konsequenzen.

Wirtschaftspolitiker der Koalition haben den EADS-Konzern davor gewarnt, Produktionskapazitäten für den Super-Jumbo A380 aus Deutschland nach Frankreich zu verlegen. "Eine solche Verlegung könnte die deutsche Politik nicht widerstandslos hinnehmen", sagte der CDU-Wirtschaftsexperte Laurenz Meyer der "Bild"-Zeitung. Der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Rainer Wend, erklärte: "Wir müssen Airbus sehr offensiv klarmachen, wie es von Deutschland profitiert - und dass das nicht gottgegeben ist." Auch die Grünen forderten, die Probleme nicht auf den Produktionsstandort Hamburg abzuwälzen.

EADS muss die Auslieferung des A380 um ein weiteres Jahr nach hinten verschieben und dafür Milliardeneinbußen hinnehmen. Über ein Sparprogramm will der EADS-Konzern die Kosten um zwei Milliarden Euro senken. Der Chef der EADS-Tochter Airbus, Christian Streiff, kündigte an, die Entwicklungszeiten drastisch zu verkürzen und die Produktivität um ein Fünftel steigern zu wollen. Die Fertigung werde komplett unter die Lupe genommen. Airbus hat 16 Fertigungsstandorte in mehreren europäischen Ländern, darunter die beiden Hauptmontagelinien in Toulouse und Hamburg. Nach Zeitungsberichten überlegt der Konzern, die A380-Produktion aus Hamburg abzuziehen und ganz nach Toulouse zu verlagern. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos will sich am Donnerstag mit Streiff treffen, um über die Lage zu sprechen.

Grünen-Politiker: "Vorleistungen in Rechnung stellen"

Der Grünen-Wirtschaftsexperte Matthias Berninger drohte laut "Bild" sogar mit der Rückforderung staatlicher Finanzhilfen: "Das Unternehmen sollte bei fairer Arbeitsteilung bleiben, statt Probleme durch Missmanagement beim A 380 auf Hamburg abzuwälzen. Ansonsten sollte die Stadt prüfen, ob sie EADS ihre erheblichen Vorleistungen in Rechnung stellen kann."

Der EADS-Konzern hatte am Dienstagabend von den Milliarden-Einbußen berichtet. Demnach wird sich der Verlust beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) auf 2,8 Milliarden Euro belaufen. Insgesamt werde das EBIT wegen der Verzögerungen bei der Airbus-Auslieferung sogar um 4,8 Milliarden Euro niedriger ausfallen, als ursprünglich für 2006 bis 2010 geplant. Die Auslieferung des Superjumbos verzögere sich um ein weiteres Jahr.

Van Beust unter Druck

Angesichts der Airbus-Krise wird der Hamburger Bürgermeister Ole von Beust (CDU) von der Landesopposition angegriffen. Der Hamburger SPD-Landeschef Mathias Petersen warf Beust Untätigkeit vor. "Was tut eigentlich der Bürgermeister?", fragte Petersen und verwies darauf, dass "in der größten Krise für den Luftfahrtstandort Hamburg" mehrere hundert Arbeitsplätze bedroht seien. "Es reicht nicht, dass Bürgermeister von Beust seinen Wirtschaftssenator vorschickt, der sich darauf beschränkt, seiner Hoffnung für einen guten Ausgang Ausdruck zu verleihen."

Umstrukturierung soll 2 Milliarden Euro bringen

Mit dem Programm namens "Power 8" sollen jährlich mindestens 2 Milliarden Euro Kosten ab 2010 eingespart werden. Die Wettbewerbsfähigkeit solle wieder hergestellt und den finanziellen Folgen der Verzögerung bei A380 entgegengewirkt werden. Der Vorstand unterstütze das von Airbus-Chef Christian Streiff vorgelegte "Power 8"-Programm "in vollem Umfang". Details nannte EADS zunächst nicht. Französische Zeitungen hatten bereits am Dienstag von einem drastischen Umstrukturierungsprogramm berichtet.

"La Tribune" zufolge soll Hamburg im Zuge der Reorganisation die Kabineneinrichtung, den Flugzeuganstrich sowie die Auslieferung an Kunden in Europa und im Nahen Osten verlieren. Der Superjumbo werde künftig fast vollständig in Toulouse gebaut. Im Gegenzug werde die Fertigung des A320 zu großen Teilen in die Hansestadt verlagert. 2.500 Beschäftigte arbeiten dort direkt für den A380. Der größte A380-Kunde, die Fluggesellschaft Emirates, erklärte, die weitere Verzögerung sei "eine sehr ernste Angelegenheit für Emirates und wir prüfen nun alle Optionen". Die Deutsche Lufthansa erklärte hingegen, die ersten bestellten Jumbos sollten nun im Sommer 2009 ausgeliefert werden. "Wir sind weiter überzeugt, dass der A380 ein Erfolg sein wird", sagte eine Sprecherin.

Der Singapur Airlines wird EADS nach Angaben der Fluggesellschaft eine Entschädigung für die verzögerte Auslieferung des A380 zahlen. Die Einzelheiten seien vertraulich, teilte SIA mit. Erwartet werde eine erste Lieferung des Superjumbos jetzt im Oktober 2007. Die am Vortag von Airbus angekündigte weitere Verzögerung sei "enttäuschend", hieß es in einer Erklärung. Die Auslieferung des A380 hat sich inzwischen um insgesamt zwei Jahre verzögert.

Reuters/AP / AP / Reuters