HOME

HANDEL: SSV-Rabatte regten die Kauflust an

Kaufrausch im Hochsommer: Mit einem wahren Sturm auf die Geschäfte hat am Montag der SSV begonnen. Ob der Einzelhandel trotzdem seine Verluste wettmachen kann, bleibt offen.

Mit Rabatten von bis zu 80 Prozent lockte der Handel die Käufer, die vielerorts schon lange vor Öffnung der Ladentüren in Schlangen auf Einlass in die Schnäppchenparadiese warteten. Die erste Bilanz vieler Läden fiel angesichts der seit Jahresbeginn eher flauen Geschäfte geradezu euphorisch aus. Die Lust am günstigen Shoppen dämpften auch vereinzelte Streiks des Einzelhandelspersonals für mehr Geld in Rheinland-Pfalz und Hessen kaum. Und nach dem Willen der Bundesregierung sollen Deutschlands Verbraucher - außer im Schlussverkauf - noch viel öfter in den Genuss von Billigaktionen kommen. Die Regierung plant ein Gesetz, um die strengen Auflagen für Sonderangebote zu lockern.

Verband spricht von Traumstart

»Das ist ja wie in alten Zeiten«, sagte der Geschäftsführer eines Nürnberger Kaufhauses angesichts der Kundenmassen. »Der Schlussverkauf liegt bei den Verbrauchern nach wie vor hoch im Kurs«, sagte der Sprecher des Handelsverbands HDE, Hubertus Pellengahr, in Berlin. Er sprach von einem »Traumstart«. Die meisten Geschäftsleute zwischen München und Kiel erwarteten vom SSV ein Umsatzplus im Vergleich zum Vorjahr.

Lager müssen geräumt werden

Bei hochsommerlichen Hitze gingen an den belagerten Wühltischen vor allem leichte Sommerkleidung wie T-Shirts, Röcke und Badehosen rasant schnell weg. Die nach Monaten andauernder Kaufzurückhaltung prall gefüllten Lager sollen bis zum 10. August für die neue Winterware geräumt werden.

»Billigster Schlussverkauf seit Kriegsende«

Auch in Großstädten wie Berlin, Frankfurt am Main oder Stuttgart stürmten Menschenmassen vom frühen Morgen an die Kaufhäuser. In das Magdeburger Allee-Center strömten in den ersten Stunden nach Angaben des Kaufzentrums rund 15.000 Menschen. »Gleich nach Öffnung hatten wir exorbitante Schlangen an den Kassen«, sagte der Geschäftsführer der Galeria Kaufhof in Cottbus, Kai Dierks. Er sprach vom »billigsten Schlussverkauf seit Kriegsende«. Erst am Nachmittag zog es viele Kunden bei Temperaturen um 30 Grad von den Einkaufsmeilen in die Freibäder.

Trotz des vielversprechenden SSV-Auftakts bezweifelten die meisten Händler, ihre Verluste seit der Euro-Einführung in den kommenden zwei Wochen wettmachen zu können. »Hier geht es jetzt nur noch um Schadensbegrenzung«, sagte die Sprecherin des Einzelhandelsverbands Niedersachsen, Karin Schindler-Abbes. »Außerdem hatten viele Geschäfte ihre Preise vorab schon gesenkt«, sagte Jan Holzweißig vom Berliner Einzelhandelsverband.

Regierungsinitiative zu mehr Flexibilität

Unterdessen begrüßten die Händler Pläne der rot-grünen Bundesregierung für eine deutliche Lockerung der Einschränkung von Rabattaktionen. »Der Vorstoß liegt auf der Linie dessen, was wir uns vorstellen«, sagte HDE-Sprecher Pellengahr. Der traditionelle Schlussverkauf müsse aber erhalten bleiben. Er begrüßte auch, dass in der Gesetzesinitiative von Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin zur Streichung des Paragrafen 7 des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) der Wettbewerbsschutz der kleinen und mittleren Unternehmen erhalten bleiben soll.

Nicht alle Beschränkungen sollen fallen

Die Wettbewerbszentrale in Bad Homburg sprach sich gegen die Abschaffung sämtlicher Beschränkungen bei Sonderverkäufen aus. »Bei Räumungsverkäufen gibt es zu viel Missbrauch, es können daher nicht alle Regeln in Bausch und Bogen abgeschafft werden«, sagte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs, Hans-Frieder Schönheit.