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Illegale Preisabsprachen: Weitere Ermittlungen gegen Kaffeekartell

Erst kürzlich verhängte das Bundeskartellamt eine 160-Millionen-Euro-Strafe gegen drei der größten deutschen Kaffeeröster. Nun sind neue Beweise aufgetaucht. Der Lebensmittelkonzern Kraft Foods zeigte sich selbst an. Das Kartellamt ermittelt jetzt wegen neuer Verdachtsfälle gegen Melitta.

Auch nach der Geldbuße von knapp 160 Millionen Euro gegen drei große Kaffeeröster wegen illegaler Preisabsprachen laufen die Ermittlungen des Bundeskartellamts weiter. Eine Melitta-Sprecherin bestätigte dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel", gegen ihr Unternehmen werde zusätzlich wegen Preisabsprachen unter Gastronomiezulieferern ermittelt. Laut "Spiegel" sind von diesen Ermittlungen zehn Unternehmen betroffen. Die Untersuchung laufe seit Januar 2009.

Die großen Kaffee-Anbieter Tchibo, Melitta und Dallmayr haben nach Ansicht der Wettbewerbshüter jahrelang ihre Preise auf Kosten der Verbraucher künstlich hoch gehalten. Auch die Melitta Kaffee GmbH will die Geldbuße nicht akzeptieren und Rechtsmittel einlegen. Dallmayr kritisierte die Geldbuße als völlig überzogen, ließ das weitere Vorgehen aber offen. Seit mindestens Anfang 2000 bis zu einer Durchsuchung der Unternehmen im Juli 2008 seien mehrfach Preiserhöhungen abgesprochen worden - zulasten der Endverbraucher, hatte das Kartellamt am Montag mitgeteilt. Dadurch kletterten die Preise wichtiger Produkte wie Filterkaffee, Espresso, Kaffeepads und Kaffeebohnen teilweise drastisch.

Kraft erstattete Selbstanzeige

An dem Kaffeekartell soll dem Magazin zufolge neben den nun bestraften Anbietern auch der Lebensmittelkonzern Kraft Foods mit seiner Marke Jacobs Kaffee beteiligt gewesen sein. Ausgangspunkt für die Aufdeckung der Preisabsprachen zum Nachteil der Verbraucher war demnach offenbar eine Durchsuchung in der Deutschland-Zentrale von Kraft Foods im Februar 2008.

Damals hätten die Kartellwächter eigentlich nach Beweisen für ein Schokoladenkartell unter Süßwarenproduzenten gefahndet, schreibt der "Spiegel". Dies habe Kraft allem Anschein nach so aufgeschreckt, dass Manager der Firma wenig später Selbstanzeige beim Bundeskartellamt erstatteten. Als Kronzeuge in dem jetzigen Verfahren gehe der Lebensmittelkonzern straffrei aus. Kraft Foods wollte sich dazu nicht äußern.

DPA/dis / DPA