Integrierter Autokonzern Porsche-Aufsichtsräte billigen Einstieg von VW

Das Ende von Porsches Unabhängigkeit ist fast besiegelt: Nach dem VW-Aufsichtsrat hat nun auch der Aufsichtsrat von Porsche den Plänen für einen gemeinsamen Autokonzern zugestimmt. Wenn jetzt noch die Gläubiger des Sportwagenbauers Ja sagen, ist der Deal perfekt.

Der traditionsreiche Sportwagenbauer Porsche wird voraussichtlich binnen zwei Jahren als zehnte Marke im Volkswagen-Konzern aufgehen. Der Aufsichtsrat von Porsche stimmte in Wolfsburg einer entsprechenden Grundlagenvereinbarung mit VW zu. Die noch unter dem Vorbehalt der Porsche-Gläubiger stehende Vereinbarung sieht unter anderem vor, dass VW sich zunächst an dem in der Porsche AG gebündelten Porsche-Sportwagengeschäft mit 42 Prozent beteiligt.

Damit ist der von Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking 2005 eingefädelte Plan zur Machtübernahme bei Volkswagen endgültig gescheitert. Porsche hatte sich seitdem in Trippelschritten an VW beteiligt und hält 51 Prozent der Stimmrechte an VW. Mit der überwiegend kreditfinanzierten Übernahme manövrierte Wiedeking Porsche aber in eine Schuldenfalle, zudem scheiterte der Plan zur Beherrschung von VW am VW-Gesetz, das Niedersachsen als zweitgrößtem VW-Aktionär ein Vetorecht einräumt. Diese im Gegensatz zum deutschen Aktienrecht stehenden und von Porsche lange bekämpften Sonderrechte sollen nun in der VW-Satzung fixiert werden, um sie gegen mögliche Einsprüche der EU-Kommission zu schützen. Niedersachsen soll zudem auf Dauer zwei Aufsichtsräte bei VW stellen dürfen.

Aktionäre müssen tief in die Tasche greifen

Im ersten Schritt der Verschmelzung der Konzerne beteiligt sich VW über eine Barkapitalerhöhung um bis zu 3,3 Milliarden Euro an der Porsche AG. Mit der Kapitalspritze will VW-Finanzchef Hans Dieter Pötsch die Bonitätsnote von VW verteidigen. Bis zum Jahr 2020 soll es keinen Gewinnabführungs- und Beherrschungsvertrag zwischen der Porsche und VW geben. Dies sichere die Eigenständigkeit von Porsche mit Sitz in Stuttgart-Zuffenhausen, teilte VW mit. VW-Chef Martin Winterkorn übernimmt auch die Leitung der Porsche Holding. Porsche-Chef Michael Macht bekommt einen Sitz im VW-Vorstand.

Um die bei mehr als zehn Milliarden Euro liegende Verschuldung nach dem VW-Einstieg weiter abzubauen, sollen auch die Porsche-Eigner tief in die Tasche greifen und spätestens im ersten Halbjahr 2011 neue Aktien zeichnen. Die Kapitalerhöhung solle sowohl von den Familienaktionären Porsche und Piech, die alle Porsche-Stammaktien halten, als auch den Vorzugsaktionären gezeichnet werden.

"Die Porsche-Arbeitsplätze sind sicher"

Die Details der komplexen Transaktionen, die zum Teil auch noch von den Aktionären absegnet werden müssen, würden in den kommenden Wochen ausgearbeitet, teilte VW mit. VW-Chef Martin Winterkorn sagte, alle Beteiligten trügen die Entscheidung mit und trieben die Integration "konstruktiv voran". Durch die Zusammenlegung der beiden Autobauer ergäben sich Synergiepotenziale in Höhe von insgesamt rund 700 Millionen Euro jährlich. "Die Porsche-Standorte und Arbeitsplätze sind sicher", sagte er. Als drittgrößter VW-Aktionär werde noch das Emirat Katar hinzustoßen.

Als vierte größere VW-Aktionärsgruppe sollen künftig die Arbeitnehmer agieren. Der Chef der bei VW mächtigen Gewerkschaft IG Metall, Berthold Huber zeigte sich "optimistisch", dass die Beschäftigten eine Kapitalbeteiligung erhielten. Über Details müsse aber noch verhandelt werden.

Reuters/AP AP Reuters

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