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Giuseppe Conte: Italy First - wie viel Trump steckt im neuen Italien-Chef?

Giuseppe Conte ist kein Politiker, soll seinen Lebenslauf geschönt haben - und jetzt die populistische Regierung in Italien führen. Ist der Trumpismus in Europa angekommen?

Giuseppe Conte, designierter Regierungschef Italiens

Giuseppe Conte, designierter Regierungschef Italiens

DPA

Ein Mann, der noch nie ein politisches Amt bekleidet hat und als Aufschneider gilt, wird Chef einer nationalistisch-populistischen Regierung in einer der größten Volkswirtschaften der Welt. Das kommt uns doch irgendwie bekannt vor. Die Rede ist aber nicht von Donald Trump, sondern von . Der 53-jährige parteilose Jura-Professor soll die neue italienische Regierungskoalition aus der populistischen Fünf-Sterne-Bewegung und der nationalistischen Lega Nord als Premierminister führen. Am Mittwochabend erhielt Conte von Italiens Staatspräsident Sergio Mattarella offiziell den Regierungsauftrag.

Fünf Sterne und Lega haben angekündigt, den wirtschaftspolitischen Kurs radikal zu ändern - weg von einer europafreundlichen Politik hin zu einer Art "Italy First". Das Regierungsprogramm sieht vor, sich von den europäischen Sparvorgaben zu verabschieden, die Steuern zu senken und jede Menge Geld auszugeben (unter anderem für ein Grundeinkommen und früheren Renteneintritt). Als prominenter Fan der neuen Regierung gilt Trumps Ex-Berater Steve Bannon, der sich laut "Bloomberg" bereits mit Lega-Chef Matteo Salvini zu einem kurzfristigen Treffen verabredet hat.

Wirbel um geschönten Lebenslauf

Der designierte Conte sorgte nach seiner Nominierung gleich mal mit einem Thema für Aufregung, das auch gut zum Selbstdarsteller Trump gepasst hätte. So soll Conte seinen Lebenslauf etwas zu sehr geschönt haben. Der ist nämlich mit der Pariser Sorbonne, Cambridge, Yale und der New York University nur so gespickt mit den besten internationalen akademischen Adressen. Die NYU erklärte dazu allerdings, Conte sei niemals Student oder Mitglied einer Fakultät der Uni gewesen. Er habe lediglich die Erlaubnis gehabt, die Bibliothek zu Forschungszwecken zu nutzen. Die öffentliche Reputation des Polit-Quereinsteigers ist damit vom Start weg beschädigt. Conte sei ein Mann, der "alle Charakteristika eines Betrügers in sich vereint", schreibt etwa die französische Zeitung "Le Télégramme".

Und dennoch ist Conte kein europäischer Trump: Zum einen ist er als Jura-Professor - trotz aufgehübschtem Lebenslauf - ein Mann des Rechts und des Intellekts. Zwei Eigenschaften, die auf Trump definitiv nicht zutreffen. Außerdem wird Conte im Gegensatz zu Trump keine One-Man-Show liefern können. Er ist lediglich der Kompromisskandidat der Linkspopulisten und der Rechtsextremen, die trotz großer inhaltlicher Gegensätze eine gemeinsame Regierung formen. Ob Conte als "Marionette" der beiden mächtigen Parteichefs und Luigi Di Maio dienen wird, wie die italienische Zeitung "Corriere della Sera" prophezeit, oder eigene Akzente setzen kann, bleibt abzuwarten. Die Zeitung "La Repubblica" spricht etwa zurückhaltender von einem "unbekannten Gesicht", dessen Stimme und Ideen niemand kenne.

Zum Start schlug Conte jedenfalls erst einmal erstaunlich versöhnliche Töne an. Italien habe seinen Platz in der Europäischen Union und werde mit seinen internationalen Verbündeten zusammenarbeiten, kündigte Conte an. Das wäre schon mal mehr, als man derzeit von Trump behaupten kann.