HOME

Miese Verkaufstricks: Wie auf Kaffeefahrten abgezockt wird

Ein geselliger Ausflug und sagenhafte Gewinne dazu - das versprechen Kaffeefahrten. Sie locken vor allem Rentner mit einer Fahrt ins Grüne. Doch dahinter verbirgt sich dreiste Abzocke, wie eine Recherche zeigt.

Kaffefahrt in der Kritik: Kundenabzocke durch miese Verkaufstricks

Kaffefahrt in der Kritik: Kundenabzocke durch miese Verkaufstricks

Sie locken in Prospekten mit tollen Gewinnen: schicken Kaffeemaschinen, hochwertigen Matratzen, teuren Fahrrädern. Mit blumigen Namen wie "Frühlingsfahrt" ködern die Veranstalter potentielle Gäste, die auch noch einen Präsentkorb mit Lebensmitteln bekommen, wenn sie mitfahren. Doch das ist noch lange nicht alles: Einen elektrischen Rasenmäher sollen die Kunden bekommen, ein Eau de Toilette für Männer und einen Tischgrill. Und das alles bei einem Ausflug ins Grüne oder einer netten Schippertour auf dem Fluss - das klingt doch verlockend. Doch der Kurztrip entpuppt sich schnell als dreiste Verkaufsveranstaltung. 

500 Millionen Jahresumsatz 

"In abgelegenen Landgasthöfen wird den Gästen Ramsch zu Wucherpreisen" angedreht, so die Reporter von "ZDFzoom", die Kaffeefahrten genauer unter die Lupe genommen haben. Rund fünf Millionen Deutsche nehmen jährlich an solchen Ausflügen teil. Der geschätzte Umsatz der Veranstalter: 500 Millionen Euro pro Jahr. Die Reporter hängen sich an Berndhard Stitz, der seit mehr als 20 Jahren Jagd auf Kaffeefahrt-Betrüger macht. Gemeinsam schicken sie ein Lockvogel-Paar auf die Reise.

Dieser Herr erobert mit seiner romantischen Begrüßung das Netz!

Das Ziel der Fahrt ist unbekannt - berichtet das "ZDF". Die Reporter folgen dem Bus, in dem alte Menschen einsteigen. Nach drei Stunden erreichen die Gäste ihr Ziel: Einen einsamen Gasthof in der niedersächsischen Pampa. Das hat Methode, denn so können die Senioren nicht einfach verschwinden, wenn ihnen danach ist. "Da braucht man den Saal gar nicht abzuschließen", sagt Stitz, der früher als Kommissar gearbeitet hat. Den Senioren wird das angekündigte "reichhaltige Frühstück" serviert: Käsebrötchen und dünner Kaffee. Ein Moderator begrüßt die Gäste, hinter ihm stehen unzählige Produkte, die er den Senioren vorstellt. Bietet der Mann etwas zum Kauf an, kann Stitz die Behörden alarmieren, denn die Veranstalter müssen die Touren beim zuständigen Gewerbeamt anmelden. Tun sie das nicht, ist das Event illegal. Als Polizeibeamte die Veranstaltung auflösen, ist der Moderator nicht mehr so auskunftsfreudig und will mit dem "ZDF" nicht über die Reise sprechen.

Bloß keine jungen Leute auf Kaffeefahrt

Die Veranstalter kommen aus Cloppenburg, einer Hochburg der Kaffeefahrt-Anbieter. Nur selten kann gegen die Verkäufer ermittelt werden, denn das Ordnungsamt und die Behörden kontrollieren und überprüfen nicht regelmäßig.

Bernhard Stitz wagt einen zweiten Versuch. In Berlin schleust er seine Lockvogel-Seniorin auf einer Kaffeefahrt ein, bei der sie 1000 Euro gewinnen kann. Und noch viel mehr: Eine Mercedes B-Klasse, eine Traumreise für zwei Personen oder ein LCD-TV sollen die Reisenden gewinnen können. Außerdem soll für jeden Gewinner ein E-Bike bereitstehen. Schon im Bus beginnt der Ärger, als eine Journalistin, als Nichte getarnt, nicht mitreisen darf. "Nur für Senioren", wiederholt der Bus-Fahrer stoisch. Die junge Frau muss aussteigen. Doch der Busfahrer scheint verunsichert, telefoniert - und stoppt dann die Reise. Die Senioren müssen aussteigen - die Fahrt wird abgesagt. Die Veranstalter würden immer vorsichtiger werden, so die Reporter von "ZDFzoom". Das Personal der Betrüger sei wachsam: Vom Busfahrer bis zum Wirt der Landgasthöfe würde genau darauf achten, wer mitfährt. Junge Leute seien bei der Masche nicht vorgesehen. 

Das "ZDF" macht ein Renterpaar ausfindig, dass auf die Verkaufsmasche auf einer Kaffeefahrt reingefallen ist. Für zwei Matratzen, Bettdecken und zwei Kissen zahlte die Rentnerin 3600 Euro. Ein Sachverständiger schätzt später den Wert. "Für diese Qualität würde ich 250 Euro bezahlen, vermutlich aber weniger", so der Fachmann.

Kaffeefahrten dürfen nicht mit Gewinnen beworben werden

Kaffeefahrten sind, wenn sie angemeldet sind, legal. Doch Verbraucher sind geschützt, es gibt klare gesetzliche Regeln - die werden allerdings gerne umgangen. So darf beispielsweise nicht mit Gewinnen oder Geschenken geworben werden. "Nach meiner Erfahrung sind 100 Prozent der Kaffeefahrten unseriös und 95 Prozent illegal", so Stitz. Bei knapp 90 Prozent dieser Touren würden sich die Veranstalter strafbar machen. 

Widerrufsrecht auch bei Kaffeefahrten

Die Politik geht bislang nur zögerlich gegen die Abzocke vor. Seit einem Jahr hängt ein Gesetzesentwurf der CDU-/CSU-Fraktion fest, der die Regeln für Anbieter verschärfen will. Reisende Senioren bleibt bislang nur: "Sie können in der Regel innerhalb von 14 Tagen nach Vertragsschluss widerrufen", zitiert die "Bild-Zeitung" die Verbraucherschützerin Julia Schmitz. Denn auch bei Kaffeefahrten gilt das Widerrufsrecht.

Warnt vor Abzocke: Das ist der wohl ehrlichste Touri-Guide der Welt


kg
Themen in diesem Artikel
Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.