Großer Preis von Frankreich Ferraris Kaffeefahrt an die Spitze


In der Einöde der französischen Provinz hat Ferrari völlig ungefährdet den dritten Doppelerfolg der Saison feiern können. Das Duell Rot gegen Silber fiel aus. Lewis Hamilton kassierte wieder eine Strafe und schaffte es nicht einmal in die Punkteränge - und auch BMW blieb chancenlos.
Von Elmar Brümmer, Magny-Cours

Wenn es überhaupt noch eines Grundes bedarf, dass die Formel 1 endlich Magny-Cours aus ihrem Kalender streicht, dann wäre dieser Große Preis von Frankreich bestens dafür geeignet. Die Reise vom pulsierenden Montreal in die verschlafene Provinz brachte Ferrari zwar den dritten Doppelerfolg der Saison und die erstmalige Tabellenführung für Felipe Massa, aber nicht mal der aufkommende Landregen bequemte sich, die 70 Runden ein bisschen aufzumischen. Bonjour Tristesse in so ziemlich jeder Hinsicht.

In Zeiten der Deutschland-Fähnchen an allem, was vier Räder hat, muss der Patriotismus einfach auch in der Formel 1 gepflegt werden, auch wenn es kein Pilot mit deutschem Pass in die Punkte schaffte, was inzwischen Seltensheitwert in diesem Sport besitzt. Aber Toyota ist bekanntlich ein zutiefst deutscher Rennstall, gegründet und ansässig in Köln-Marsdorf, kurz vor der Autobahnausfahrt Kerpen. Platz drei für Jarno Trulli beim Großen Preis von Frankreich ist das beste Resultat der Toyoten in dieser Saison, und es ist Balsam für die Seele, nachdem es vor ein paar Tagen den Tod der Teamchef-Legende Jan Ove Andersson zu betrauern gab. In der vorletzten Runde, als sich Trulli mit dem angreifenden Heikki Kovalainen berührte, darf Toyota auch noch die spannendste Rennszene gutgeschrieben werden. Der Odenwälder im Team, Timo Glock ist als Elfter auch noch der "beste " Renn-Teutone. Dahinter Schwarz-Rot-Grau: Sebastian Vettel Zwölfter, Nick Heidfeld auf 13, Nico Rosberg mit Position 16 ebenso indiskutabel wie Arian Sutil als Neunzehnter und Letzter.

Formel 1 legte Schongang ein

Nach dem Kracher von Montreal einen Rennbericht mit Toyota anzufangen, das erscheint unmöglich. Aber die Einöde rund um Magny-Cours hat offenbar abgefärbt auf die Formel 1, die im entlegenen Departement zur vorgezogenen Sommerfrische gestartet ist. Dass es mit Jenson Button überhaupt nur einen Ausfall im Zwanziger-Feld gab, dokumentiert den allgemeinen Schongang (Bremsen und Reifen mal ausgenommen). Die Aufregung um BMW hat sich diesmal schon nach der Qualifikation erübrigt, Robert Kubica fand keinen Grip und verlor als Fünfter in einem passablen persönlichen Rennen auch noch die WM-Führung, Nick Heidfeld steuert jenseits von Gut und Böse im Mittelfeld Das Duell Rot gegen Silber fiel zu allem Unglück auch noch aus. Lewis Hamilton nahm seine Rückstufung um zehn Plätze wegen des Auffahrunfalls in Montreal zwar als Herausforderung zum bedingungslosen Angriff, von Startrang 13 kämpfte er sich schnell in Richtung Punkte, ehe ihm ein Überholmanöver gegen Sebastian Vettel angekreidet wurde. Der Brite hatte zwar eine Schikane abgekürzt, aber keinen wirklichen Vorteil dadurch erlangt. Trotzdem: Die Rennleitung hat alles, was Silber ist, auf dem Kieker: Boxendurchfahrtsstrafe und Verlust aller Hoffnungen. In der Qualifikation war Kollege Heikki Kovalainen um fünf Ränge zurückgestuft worden, weil er andere Fahrzeuge behindert haben soll. McLaren-Mercedes und die Fia - das ist eine unendliche Geschichte. Aber keine besonders glückliche…

Charakter einer Kaffefahrt

Wäre nicht zur Rennhälfte der Auspuff von Kimi Räikkönen gebrochen, hätten die 70 Runden von Magny-Cours endgültig den Charakter einer roten Kaffeefahrt bekommen. Aber der Titelverteidiger, in der Qualifikation so überlegen, dass er sich die letzte Runde schenken konnte, bleibt der Pechvogel: Die erhöhte Temperatur im angekokelten Heck führte zu reichlich Leistungsverlust, er musste mit dem angegriffenen Chassis seinen brasilianischen Teamkollegen Felipe Massa schließlich vorbei- und ziehen lassen. Erst als sich das abgebrochene Teil ganz vom Ferrari löste, konnte der Paarlauf weiter gehen, aber in umgekehrter Reihenfolge. Der einzige Trost: Haupt-Rivale Hamilton blieb als Zehnter ganz punktlos. Ferrari hat damit seine Führungsposition ausgebaut. Nach so einem Renne bleibt nur eines: Rot sehen.


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