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Konsumgüter: Melitta hat Probleme

Melitta steht am Scheideweg: Einerseits peilt Deutschlands viertgrößter Kaffeeröster und Hersteller von Haushaltsprodukten für das laufende Jahr einen weiter steigenden Umsatz an. Andererseits bricht Melitta vor allem der Heimmarkt weg.

Das hauptsächlich durch seine Filtertüten bekannte Unternehmen ist in Deutschland und Europa stark unter Druck geraten, während die Gesellschaften in Nordamerika und Brasilien mit zweistelligen Zuwachsraten boomen. Gleichzeitig bleiben die Erträge hinter den Erwartungen zurück. Melitta als familiengeführtes Unternehmen äußert sich zwar nicht zu Gewinnen. Aber schon 2004 sei der Ertrag nicht zufriedenstellend ausgefallen, sagt der persönlich haftende Gesellschafter Thomas Bentz. Also ist Sparen angesagt - und das Gespenst des Stellenabbaus schwebt unsichtbar über dem Unternehmen.

Sparte Haushaltsprodukte schwächelt

Dabei sind nach Angaben von Bentz noch keine Entscheidungen gefallen. Fest steht nur, dass für die unter Druck geratenen Sparte Haushaltsprodukte (Staubsaugerbeutel, Kaffeefilter, Frischhalte- und Müllbeutel) ein Rationalisierungs- und Sparprogramm in Arbeit ist - alle Tochtergesellschaften und Standorte in Europa stehen auf dem Prüfstand. Zu Personalabbau und möglichen Kündigungen will sich Bentz nicht äußern. Aber: "Ich kann überhaupt nichts ausschließen", sagt er. Denn "Sparen allein reicht natürlich nicht".

Melitta ist gleich an mehreren Fronten in die Defensive geraten: 2005 war der Umsatz der Sparte Haushaltsprodukte um drei Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf rund 445 Millionen Euro gesunken, im Geschäftsfeld Sauberkeit, wo unter anderem die Staubsaugerbeutel angesiedelt sind, gab es sogar einen Rückgang um etwa 14 Prozent auf 95 Millionen Euro. Der Grund: Der Trend zu beutellosen Staubsaugern. Gleichzeitig verlor Melitta im vergangenen Jahr auch beim Kaffee Umsatz und Marktanteile - die Erlöse gaben um vier Prozent auf 307 Millionen Euro nach, der Marktanteil verringerte sich um 2,9 Prozentpunkte auf 12 Prozent.

Handelsmarken knabbern am Kaffemarkt-Anteil

Als Grund gibt Melitta etwa die preiswerten so genannten Handelsmarken an, die sich auf einem schrumpfenden Inlandsmarkt als Gewinner erwiesen. Denn die Kaffeebranche hatte 2005 gleich zwei Preiserhöhungen durchgesetzt, mit der Folge, dass der Preisabstand zu den Handelsmarken wuchs. "Dies führte zu einer Verdoppelung der Marktanteile der letzteren in Deutschland", beschreibt Bentz. Damit liegen deren Anteile bei mehr als 30 Prozent. Nun setzt Melitta erneut auf eine Preiserhöhung. Einen Zuschlag von 0,50 Euro für das Pfund Kaffee hofft das Unternehmen beim Handel durchsetzen zu können. "Eine Weitergabe der steigenden Kosten an den Verbraucher ist äußerst schwierig, aber notwendig", betont Bentz. Ob der Handel mitziehe, sei offen.

Immerhin: Die angesichts des Trends zu Einzeltassenmaschinen und Kaffeevollautomaten vielfach schon abgeschriebenen Filterkaffeemaschinen hätten um 16 Prozent zugelegt. Gleichzeitig bleibt die Gruppe auf ihren Überseemärkten unangefochtener Marktführer. Anfang 2006 hatte Melitta in Brasilien den lokalen Kaffeeröster Bom Jesus übernommen. In Deutschland sollen neue Kaffeesorten und neue Geräte die Wende bringen. Und noch wächst Melitta - 2005 legten die Erlöse um zwei Prozent auf 1,113 Milliarden Euro zu. Geplant war allerdings ein Anstieg um sechs Prozent.

Thomas Strünkelnberg/DPA / DPA