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Loewe AG: Die fränkische Revolution

Der Fernseherproduzent war so gut wie pleite. Wie einst Grundig und Schneider. Doch bei der Loewe AG gelang, was kaum einer für möglich hielt: die Wiedergeburt eines TV-Herstellers am Hochlohn, Standort Deutschland. Ein Lehrstück aus der Provinz.

Von Rolf-Herbert Peters

Frühschicht im Frankenwald. Im Werk der Loewe AG rollen Flachbildschirme über Laufbänder, Roboter löten Chips auf blaue Platinen, Menschenhände stecken winzige Kabel in winzige Buchsen. Draußen docken die ersten Lkws an. 1500 Fernseher werden jeden Tag von Kronach aus in die Welt verschickt. Edle Fernseher: Jedes Modell kostet rund 1000 Euro mehr als bei der Konkurrenz.

Im Showroom des Hauses sitzt Rainer Hecker auf einem grauen Sofa und schwärmt. Von Teamgeist. Vom Anpacken. Von Innovationen. Seit fast einem Vierteljahrhundert ackert er für Loewe, seit 1990 als Vorstandschef. Eben hat ihm sein Marketingchef die neuen Monatsverkaufszahlen in die Hand gedrückt. "Wir wachsen wieder schneller als der Markt!" Er kann es selbst kaum fassen. Vor gut einem Jahr zuckte die Firma nur noch, die Banken wollten sie am liebsten beerdigen wie die anderen Legenden des Wirtschaftswunders: Grundig, Dual, Saba, Nordmende, Schneider.

Dass Loewe dem Tod

von der Schippe sprang, ist der reinen Vernunft zu verdanken. Es beweist, wie stark der Produktionsstandort Deutschland sein kann, wenn Manager ihre Renditegier, Mitarbeiter ihr Anspruchsdenken, Betriebsräte ihre Sturheit und Gewerkschaften ihre Ideologie der Räson unterordnen.

Loewes Talfahrt begann Ende 2002 - 71 Jahre nachdem die Firma den elektronischen Fernseher erfunden hatte. Das TV-Gerät der Zukunft sei flach, posaunte die Werbung. Doch die Plasma- und LCD-Bildschirme, die Loewe im Programm hatte, liefen nicht. Zu schlecht für den Preis, befanden die Luxuskunden. Binnen drei Jahren brach auf dem gesamten Markt Europas der Umsatz mit Premium-Fernsehern um fast 90 Prozent ein. "Das haben wir klar unterschätzt", gesteht Hecker. Mehr als 50 Millionen Euro Verlust verbuchte Loewe in zwei Jahren, das Eigenkapital schmolz bedenklich dahin.

Aufgeben? Nie!

Finanzinvestoren holen, die Unternehmen gern schnelle Genesung und dem Management persönlich satte Renditen in Aussicht stellen? Niemals! Hecker, damals gemeinsam mit Managerkollegen größter Einzelaktionär, hämmerte Zweiflern ein: "Wir müssen den Stier gemeinsam bei den Hörnern packen!" Er kämpfte in der Vorstandsetage, in der Kantine, auf den Fluren, im Betriebsratsbüro. "Irgendwie haben wir ihm geglaubt", sagt Ronny Reuther, 20, der an der Bestückung arbeitet und damals Lehrling war. "Er will es, er schafft es", redete sich Ronnys Vater Wolfgang ein. Der 48-Jährige aus der Endmontage hatte 1998 seinen Job am Bau geschmissen. Loewe, dachte er, da bist du sicher.

Es ist ein heißer Junitag. Eine merkwürdige Stimmung wabert durch die Werkshalle. Die Leute schwärmen vom Teamgeist der deutschen Kicker und von Jürgen Klinsmann, der nie aufgegeben hat; irgendwie wie sie selbst. Und sie erschrecken über eine andere Schlagzeile des Tages, über den Stellenabbau bei der Allianz, die 4,4 Milliarden Euro verdient und 7500 Mitarbeiter feuert.

Betriebsratschef Günter Oßwald erzählt von harten Zeiten. Immer wieder ging er damals zu Hecker, fragte, wie schlimm es sei. Blockadepolitik ist nicht sein Ding. "Hier in der Gegend werden so viele Arbeitsplätze abgebaut, dass uns klar war: Entweder wir schaffen es gemeinsam mit dem Management, oder wir schaffen es gar nicht."

Ohne die zähen Rituale der Mitbestimmung ersannen Vorstand und Betriebsrat gemeinsam einen kühnen Sanierungsplan, den sie wegen des Hörnerpackens "Taurus" nannten.

Stufe 1: Im Jahr 2004 stunden alle Angestellten, auch der Vorstand, dem Betrieb ein Monatsgehalt, Arbeiter ein halbes, damit wieder Geld in der Kasse ist. Der ausgeliehene Lohn wird mit 25 Prozent verzinst und zurückgezahlt, noch bevor Loewe wieder Dividenden ausschüttet (derzeit erwartet für Anfang 2007).

Stufe 2: 2005 und 2006 verzichtet die Belegschaft auf zehn Prozent ihres Gehalts, begnügt sich mit 1000 Euro Urlaubs- und 700 Euro Weihnachtsgeld. Außerdem müssen 300 der 1200 Mitarbeiter gehen und einer der vier Vorstände. Je 25 Prozent. 100 Stellen entfallen durch Vorruhestand oder Teilzeitregelungen, die anderen durch Kündigung mit Abfindung. "Das tat richtig weh", sagt Oßwald.

Ihm war klar: So viel Pragmatismus würde die Gewerkschaft niemals abnicken. Deshalb reiste er gemeinsam mit Vorstand Hecker die 300 Kilometer nach München zur IG Metall. Dort bearbeiteten sie Hand in Hand den bayerischen Gewerkschaftsboss Werner Neugebauer, um ihm vom unorthodoxen Kronacher Weg aus der Krise zu überzeugen. Mit Erfolg. "Hätte der Plan nicht funktioniert, hätte man mich wahrscheinlich gelyncht", lächelt Oßwald vorsichtig.

Zumal der Plan vorsah, auf der einen Seite radikal zu sparen, auf der anderen kräftig zu investieren. Loewe musste Werbung schalten, um die Käufer wieder zu locken. Edle Schleiflack-Displays für die Händler fertigen lassen, um die eigenen Fernseher vom Rest abzuheben. Opulente Messeauftritte finanzieren, um sich wieder im Markt zu positionieren. "Für so was haben die Kohle", murrten manche Mitarbeiter mit Blick auf ihren Gehaltszettel. Das ist der richtige Weg, schärfte ihnen der Betriebsrat ein.

Vor allem brauchte Loewe neue, attraktive Modelle - made in Germany. Allein 2004 und 2005 kamen 20 neue Geräte in den Handel. Das Unternehmen kauft die Bildschirme und andere Bauteile in den asiatischen Massenfabriken etwa von Sharp oder Samsung. Doch die Elektronik, die Bild, Ton und Bedienung steuert und für die vielen Testsiege von Loewe-TVs verantwortlich ist, stammt ausnahmslos aus den heimischen Entwicklungslabors. "Bei allem Globalisierungsdruck", sagt Hecker, "Premium-Qualität lässt sich am Standort Deutschland nach wie vor gewinnbringend fertigen."

Technik und Design

müssen stimmen. Loewe muss schick sein, sich in die Interlübke-Wohnlandschaften der Kundschaft einfügen. Das Gegenteil also von Massenware aus Fernost. Der Markt ist hungrig, gerade jetzt, da die Menschen ihre alten Flimmerkisten durch Flachbildschirme ersetzen und die Branche einen Boom erlebt. Röhrenfernseher produziert das Werk seit Mai nicht mehr. "Ein halbes Jahr Entwicklungszeit, mehr bleibt uns heute nicht mehr", sagt Edmund Englich, 44, Loewe-Chefdesigner. Mit seinen 130 Kollegen und der Stuttgarter Kreativschmiede Phoenix Design tüftelt er an neuen Produktlinien: "Wir wollen uns nicht ganz oben ansiedeln, aber verglichen mit dem Automarkt irgendwo zwischen Audi und Porsche."

Um frisches Geld für Innovationen aufzutreiben, jettete Vorstandschef Hecker im November 2004 nach Japan zum Elektronikkonzern Sharp, mit dem er seit 2000 kooperiert. Lange hatte er an seinen Powerpoint-Charts gefeilt, um Sharp-Chef Katsuhiko Machida für sich zu gewinnen. Machida lauschte, kräuselte die Stirn, entspannte sich - und lud ihn abends in Osakas feinstes Restaurant zum Dinner ein. Viel Sake floss, immer wieder stießen sie miteinander an, zollten sich Respekt, buhlten um Vertrauen.

Einen Monat später meldete Machida nach Kronach: "Wir steigen ein." Heute hält Sharp knapp 29 Prozent an der Loewe AG, das Management 15,1 Prozent, der Rest ist Streubesitz.

Es war wie Weihnachten vor Heiligabend: Sharp versprach sogar, eigene Fernseher für 50 Millionen Euro pro Jahr in Kronach fertigen zu lassen. Doch Pustekuchen: 2005 waren es nur 20 Millionen Euro, dieses Jahr werden es bestenfalls 6 Millionen sein. "Wir konnten die Lücke zum Glück mit eigenen Geräten mehr als füllen", sagt Hecker.

Es ist halb drei, die Frühschicht geht zu Ende. "Na, auch wieder da?", ruft eine Frau einer anderen zu. Rund 50 neue Jobs hat Loewe seit seiner Wiedergeburt geschaffen und viele Gefeuerte zurückgeholt. Taurus wirkt: Die Auftragsbücher sind voll, der Umsatz stieg 2005 - vor allem dank des Weihnachtsgeschäfts - um fast 20 Prozent auf 319 Millionen Euro, und vor Steuern und Zinsen blieb sogar ein kleiner Gewinn hängen. "Auch die Fußball-WM lief prima für unser Geschäft", sagt Hecker.

Kronachs Bürgermeister Manfred Raum, 65, ist dankbar für jeden der 18000 Einwohner, der von der Straße ist. Attraktive Arbeitgeber sind rar in der mittelalterlichen Stadt. Reihenweise flüchten Firmen und Investoren ins acht Kilometer entfernte Subventionsparadies Thüringen. Aufbau Ost heißt für Raum Abbau West. "Eine Insolvenz Loewes hätte die Stadt nicht verkraftet." 1000 Mitarbeiter ernährt das Unternehmen und weitere 1000 Beschäftigte bei Zulieferern und Dienstleistern in der Umgebung. Was sollte die 120 Abiturienten, die Kronach jährlich hervorbringt, noch halten, wenn Loewe schließen würde?

Loewes Rückkehr ist ein Modell für Deutschland, davon ist Hecker überzeugt. Wenige Tage zuvor hatte sich BDI-Chef Jürgen Thumann auf dem Verbandstag medienwirksam aufgeplustert und sich "erschüttert" gezeigt über den Kleinmut der Großen Koalition. Hecker mag keine Propaganda. Die Tarifverträge, sagt er, böten Firmen eine Menge Spielraum, um schlagkräftiger zu werden. "Unternehmen müssten kämpfen und sich durchbeißen, Bündnisse für Arbeit auf regionaler Ebene schließen." Kronach will er jedenfalls nicht verlassen. "Wir haben hier ein Superteam. Das werde ich freiwillig nicht aufgeben."

Das will wohl niemand mehr bei Loewe. "Ich glaube, wir würden sogar noch mal zehn Prozent runtergehen beim Lohn, wenn uns das nach vorn bringt", sagt Wolfgang Reuther. Und kehrt zurück zur Endmontage, wo jede Menge Flachbildschirme auf ihn warten.

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kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(