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Züge fahren wieder: Weselsky plant vorerst keine weiteren Streiks

Der Lokführerstreik ist vorbei. Das Ende des seit Monaten stockenden Tarifkonflikts zwischen der Bahn und der Gewerkschaft GDL ist aber weiter nicht in Sicht. Trotzdem ist kein neuer Streik geplant.

GDL-Chef Weselsky spricht vor dem Leipziger Hauptbahnhof mit streikenden Lokführern und Gewerkschaftsmitgliedern

GDL-Chef Weselsky spricht vor dem Leipziger Hauptbahnhof mit streikenden Lokführern und Gewerkschaftsmitgliedern

Nach einer Woche ist der bisher längste Streik der Lokführergewerkschaft GDL bei der Deutschen Bahn am Sonntagmorgen um neun Uhr zu Ende gegangen. Anschließend wird es nach Angaben des Unternehmens aber noch eine Weile dauern, bis der bundesweite Zugverkehr wieder normal rollt. Am Sonntag bleibt daher noch vor allem im Fernverkehr ein Ersatzfahrplan in Kraft.

"Im Laufe des Sonntagnachmittags soll bereits ein Großteil der Züge wieder regulär fahren", betonte die Bahn in ihrem Verkehrskonzept. Mancherorts sei allerdings auch am Montag noch vereinzelt mit Zugausfällen und Verzögerungen zu rechnen.

GDL-Chef Claus Weselsky betonte in der "Saarbrücker Zeitung", die mittlerweile achte Arbeitsniederlegung im laufenden Tarifkonflikt sei ein "absoluter Erfolg" gewesen. Die Passagiere hätten viel Verständnis für die Positionen der Gewerkschaft aufgebracht. Bahnchef Rüdiger Grube wollte dem Vernehmen nach hinter den Kulissen nach neuen Lösungsmöglichkeiten in dem Streit suchen.

Vorläufig keine neuen Streiks

Vorläufig plant die GDL keine weiteren Bahnstreiks. "Das Land und die Bahnkunden haben jetzt eine Pause verdient - und die Bahn eine Nachdenkpause zum Reagieren", sagte GDL-Chef Claus Weselsky der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Er wollte die Dauer der "Pause" nicht eingrenzen, versicherte aber, dass es momentan keine Pläne für einen neuen Ausstand gebe.

Spitzenpolitiker aus CDU und SPD sowie Wirtschaftsverbände hatten den Streik scharf kritisiert. SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann warf Weselsky in der "Neuen Passauer Presse" vor, das Streikrecht aus "persönlichen Machtinteressen" zu missbrauchen. Sein Unionskollege Volker Kauder warnte im SWR2 wie zuvor bereits Wirtschaftsverbände vor Folgen für den Standort Deutschland.

Der Ausstand hatte im Güterverkehr am Montag und im Personenverkehr am Dienstag begonnen. Vor allem in Ostdeutschland, wo die Lokführergewerkschaft GDL stärker organisiert ist, rollten nur etwa 15 Prozent der Züge. Im Westen waren es bis zu zwei Drittel. In Ballungszentren war zudem der S-Bahn-Verkehr betroffen. Die GDL will in dem seit Monaten stockenden Tarifkonflikt für alle Berufsgruppen des Zugpersonals eigene Tarifverträge erstreiten.

Nun will die EVG den Personenverkehr lahmlegen

Bahnfahrer können trotzdem nicht aufatmen: Denn auch die viel größere Gewerkschaft EVG erwägt, den Personenverkehr lahmzulegen. Ihr Vorsitzender Alexander Kirchner sagte der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung", es gebe noch zwei Verhandlungstermine im Mai, dann müsse ein Abschluss erreicht sein. "Wenn wir nicht vorankommen, schließen wir Streik nicht aus. Aber wir streiken nicht, nur weil andere streiken."

Um Arbeitskämpfe bei der Bahn in Zukunft zu vermeiden, plädiert der ehemalige Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer dafür, alle 20.000 Lokführer zu verbeamten. "Der exzessive Streik der GDL ist eine ungewollte Folge der Bahnreform", sagte der Vorsitzende des Wirtschaftsausschusses im Bundestag der "Bild am Sonntag". "Wenn keine Vernunft einkehrt, müssen Lokführer wieder verbeamtet werden. Wir dürfen unser Land nicht lahmlegen lassen."

Lokführer mit Beamtenstatus, derzeit rund 5000, fallen nicht unter den Tarifvertrag und dürfen nicht streiken. Sie wurden noch vor der Privatisierung der Bahn 1994 eingestellt.

jen/DPA / DPA