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LUFTFAHRT: Lufthansa überlegt Gründung von Billig-Fluglinie

Als Abwehrmaßnahme gegen die stärker werdenden Niedrigpreis-Anbieter wie Ryanair schließt Lufthansa die Gründung einer eigenen Billig-Fluglinie nicht mehr aus.

»Wir halten uns das offen. Aber wenn wir es machen, dann richtig und nicht mit nur fünf Flugzeugen«, sagte der unter anderem für das Marketing zuständige Bereichsvorstand Ralf Teckentrup in München. Die Lufthansa könnte »morgen« mit einem solchen Angebot starten. Zudem zog der Vorstand in Zweifel, dass der Billig-Konkurrent Ryanair wirklich wie angekündigt von 2003 an auf innerdeutschen Strecken fliegen wird. Auch den Anlehnungsversuchen der schweizerischen Crossair erteilte Teckentrup eine vorläufige Absage.

Unvollständige Werbeangaben

Lufthansa und Ryanair streiten seit Monaten auch vor Gericht über Aussagen und Werbebotschaften des jeweils anderen, seit die irische Fluggesellschaft vom Regionalflughafen Hahn aus, rund 100 Kilometer nordwestlich von Frankfurt, Flüge nach London und zu anderen Zielen in Großbritannien anbietet. »Da gibt es kleine Gesellschaften, die dürfen sich jede Schweinerei erlauben, die es gibt«, sagte Teckentrup vor Journalisten mit Verweis auf die Lock-Angebote von Ryanair, die entgegen deutschen Gesetzen weder Steuern noch Gebühren enthielten. Die Lufthansa ist dagegen in ihrer Kommunikation an ein enges Korsett von Regeln gebunden.

Streit nur zu Werbezwecken

Die Rechtsstreitigkeiten von Ryanair-Chef Michael O?Leary sind Teil von dessen Strategie, Bekanntheit zu gewinnen, sagte Teckentrup. »Wenn wir ihn verklagen, gewinnen wir - aber alle schreiben wieder darüber.«

Hausgemachte Konkurrenz?

Billigflieger haben derzeit in Europa einen Marktanteil von fünf Prozent. Angesichts von Wachstumsraten um 25 Prozent ist es nur eine Frage der Zeit, wann sie auf zehn Prozent kommen, sagte der Lufthansa-Vorstand. Eine »Schmerzgrenze«, bei der die deutsche Fluggesellschaft in dem Segment selbst aktiv werden muss, gibt es aber nicht. Jedoch ist zu bedenken, dass eine Konkurrenz im eigenen Haus auch der Lufthansa selbst Marktanteile wegnehmen würde, ergänzte der Bereichsvorstand.

Skepsis bei Crossair-Plänen

Skeptisch beurteilte Teckentrup auch die Pläne des Swissair-Nachfolger Crossair, selbst von Zürich aus 26 interkontinentale Verbindungen anzubieten. »Das ist eher eine Kampfansage als ein Gesprächsangebot«, sagte er zu den nach seiner Auffassung überdimensionierten Plänen. Zu Äußerungen der Crossair-Führung, bis Ende März über den Anschluss an eine internationale Allianz entscheiden zu wollen, stellte Teckentrup klar: »Die Allianzen entscheiden, wen sie aufnehmen, und nicht umgekehrt.«

Business Class-Gäste fehlen

Den Tiefpunkt im Geschäft haben die Fluggesellschaften nach den Anschlägen in den USA nach Teckentrups Ansicht überwunden. »Die Talsohle ist sicher durchschritten«, sagte er. »Es könnte schlimmer sein.« Wann die Linien wieder ihr Niveau vom August 2001 erreichen, ist mit Blick auf den Buchungseingang für die ersten drei Monate 2002 jedoch völlig offen. Die Krise ging diesmal um das Drei- bis Fünffache tiefer als während des Golfkriegs 1991. Dabei ging vor allem der Anteil der Passagiere in der lukrativen Business Class überproportional zurück, so dass die Lufthansa selbst mit dem gleichen Sitzladefaktor weniger profitabel war als vor Jahresfrist.

München als zweites Drehkreuz

An den Ausbauplänen für den Flughafen in München als zweitem Drehkreuz will die Lufthansa jedoch festhalten, bekräftigte der Vorstand. Dort wurden 2001 etwa 12,2 Millionen Lufthansa-Passagiere abgefertigt - sechs Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Der Verkehr dort ging im innerdeutschen Vergleich nur unterdurchschnittlich stark zurück. Der Zusammenbruch der Swissair wird die Bedeutung Münchens noch festigen. So will die Lufthansa im März die im Herbst eingestellten Direktverbindungen nach New York wieder aufnehmen, im Sommerflugplan sollen weitere Langstrecken dazukommen, unter anderem nach Schanghai und Tokio.

Verluste in 2001

Für das Gesamtjahr 2001 rechnet Lufthansa damit, einen Nettoverlust auszuweisen, erwartet für 2002 aber einen leichten Gewinn. »Das Jahr 2001 wird ohne Zweifel mit einem negativen Ergebnis enden«, so Lufthansa-Personalvorstand Stefan Lauer. »Obwohl wir einen Verlust machen, sind wir nicht so stark betroffen wie andere Fluglinien, insbesondere die US-Gesellschaften«, sagte Lauer weiter. Im November hatte die Lufthansa mitgeteilt, im Gesamtjahr 2001 einen operativen Verlust vermeiden zu können, sollten die Maßnahmen zur Kostenreduzierung greifen. Für das laufende Geschäftsjahr geht das Unternehmen nicht von einem hohen Gewinn aus.