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MEDIEN: Fernsehsender fürchten sich vor John Malone

Seit einigen Monaten sorgt ein Amerikaner für Unruhe: der »Leo Kirch in XXL« zeigt deutschen Sendern mit dem Kauf der Telekom-Kabelnetzte, was Medienmacht ist.

Bislang waren die Verhältnisse in der deutschen Fernsehlandschaft klar. Ganz vorne Bertelsmann und das Imperium des Münchner Medienmoguls Leo Kirch - und dann kam eine Weile nichts. Doch seit einigen Monaten sorgt ein neuer Name in der Medienbranche für Unbehagen: John Malone. Seitdem der Chef des US-Konzerns Liberty Media von der Deutschen Telekom für knapp 11 Milliarden DM den größten Anteil der deutschen Kabelnetze gekauft hat, fürchten die Fernsehsender eine neue Dimension der Medienmacht in Deutschland - eine Art Leo Kirch in XXL.

Kartellamt könnte ihn stoppen

Vor allem im Zusammenspiel mit dem anglo-australischen Medienzaren Rupert Murdoch könnte Malone ganz neue Seiten aufschlagen. Nur das Kartellamt kann dem Milliardär aus Denver bis Ende Februar noch einen Strich durch die Rechnung machen. Die Entscheidung der Wettbewerbshüter dürfte zu den wichtigsten medienpolitischen Fragen des kommenden Jahres gehören.

Wirklich mehr Konkurrenz?

Von dem Einstieg des US-Konzerns hatten sich die Wettbewerbshüter ursprünglich mehr Konkurrenz auf dem Telekommunikationsmarkt erhofft. Durch die gleichzeitige Nutzung der Fernsehkabel für Fernsehen, Internet und Telekommunikation sollte die Telekom einen ernsthaften Mitspieler bekommen. Die Zustimmung des Kartellamts galt deshalb bis vor wenigen Wochen als Formalie. Bei einem Besuch in Berlin traf sich John Malone als mächtiger Medienmogul von morgen bereits mit Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und erfreute Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) mit der Nachricht, dass Liberty Media seine Deutschland-Zentrale in München ansiedeln wird.

Monopol droht

Doch fast zeitgleich wurde bekannt, dass Liberty nicht nur räumlich nahe an Kirch heran rückt: Die Amerikaner planen auch den Einstieg bei Kirchs verlustreichem Bezahlsender Premiere und wollen dazu den 22-prozentigen Anteil von Murdoch übernehmen. Damit hätte Liberty Media nicht nur einen Großteil des Kabelnetzes in der Hand, sondern könnte auch den Inhalt dazu liefern. Das würde dem Kartellamt aber vermutlich zu weit gehen.

Kirch ist machtlos

Die Premiere-Pläne Libertys haben Kirch kalt erwischt. Gegen das Machtbündnis von Murdoch und Malone dürfte der 75-jährige Kirch allerdings schlechte Karten haben. Mit seinem Schuldenberg in Milliardenhöhe bietet Kirch den Global-Playern der Medienszene reichlich Angriffsfläche: Selbst über die feindliche Übernahme der gesamten KirchGruppe durch Murdochs-Konzern News Corp war in den vergangenen Wochen spekuliert worden.

Für aggressive Strategie bekannt

Für Liberty ist die Beteiligung an Premiere nach Einschätzung der Fernsehsender nur der erste Schritt. »Liberty Media fährt eine aggressive Strategie bei den Inhalten und plant, weitere Anteile an Programmanbietern zu erwerben«, kritisierte RTL-Geschäftsführer Gerhard Zeiler in einem Gastbeitrag für die »Financial Times Deutschland«.

Technischer Alleingang

Mit den deutschen Fernsehsendern hat es sich Liberty bereits lange vor dem geplanten Start Ende 2002 verscherzt. Nachdem sie sich in zähen Verhandlungen endlich auf den technischen Standard MHP (Multimedia Home Plattform) für die Empfangsgeräte des digitalen Fernsehens geeinigt hatten, funkte Liberty Media ihnen mit einer lapidaren Ankündigung dazwischen: Die Decoder, die Liberty Media Ende kommenden Jahres an seine rund zehn Millionen Kabelhaushalte verschenken will, werden den MHP Standard nicht unterstützen. Dieser technische Alleingang ist für das Kartellamt ein weiterer Grund zur Sorge.

Prüfungsfrist verlängert

Um dem Unternehmen Zeit zu geben, die Bedenken aus dem Weg zu räumen, verlängerte das Kartellamt die Prüfungsfrist auf Wunsch von Liberty um acht Wochen auf Ende Februar. Branchenkenner gehen allerdings nicht mehr von einer Zustimmung aus. Auch die politische Überstimmung des Kartellamts gilt inzwischen wegen des forschen Auftretens Malones als unwahrscheinlich. Falls das Kartellamt Liberty die Übernahme der Telekom-Netze Ende Februar untersagen sollte, müsste die Telekom allerdings möglichst schnell einen anderen Käufer für die Kabelnetze finden. Denn den Kaufpreis von knapp elf Milliarden DM hat sie schon fest zum Schuldenabbau einkalkuliert.

Daniela Wiegmann