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Milliardenhilfe gescheitert: US-Autobauer stehen am Abgrund

Nach dem Scheitern der Milliardenhilfe wird es für die drei US-Autohersteller eng: Chrysler und General Motors rechnen damit, Anfang des Jahres in Zahlungsschwierigkeiten zu geraten. GM soll sogar einen Antrag auf Gläubigerschutz geprüft haben. Auch für die GM-Tochter Opel wird die Lage schwieriger.

Das Hilfspaket für die angeschlagene US-Autoindustrie in Höhe von 14 Milliarden Dollar ist nach einem mehrstündigen Verhandlungsmarathon im Senat gescheitert. Die Senatoren lehnten das Hilfsprogramm wegen eines Streits über von den Republikanern geforderte Lohnsenkungen mit 52 zu 35 Stimmen ab.

Nachdem die Parteifreunde von George W. Bush das Gesetz ablehnten, scheint der scheidende Amtsinhaber im Weißen Haus die letzte Rettung zu sein. "Plan B ist der Präsident", sagte der Demokrat Carl Levin. Auch die demokratische Mehrheitsführerin im Kongress, Nancy Pelosi, verwies auf das Weiße Haus. Die Demokraten fordern, die Regierung solle den Autoherstellern kurzfristig Mittel aus dem 700-Milliarden-Dollar-Rettungspaket für die Finanzbranche zur Verfügung stellen. Die sei nun der "einzig gangbare Weg", mahnte Pelosi.

Bush hat die Verwendung von Mitteln bislang stets abgelehnt, sich aber für das Hilfspaket ausgesprochen. Auch sein Nachfolger Barack Obama hatte an die Senatoren appelliert, mit dem Hilfspaket einen verheerenden Domino-Effekt für die gesamte Wirtschaft zu verhindern. Direkt und indirekt hängen bis zu drei Millionen Arbeitsplätze von der US-Autoindustrie ab.

Zahlungschwierigkeiten ab 2009

Die Autohersteller Chrysler und General Motors (GM) stehen damit vor einem Scherbenhaufen. Der stellvertretende Chrysler Chairman Tom LaSorda und der Finanzchef der ehemaligen Daimler-Tochter, Ron Kolka, erklärten, das Unternehmen werde ab Jahresanfang in Zahlungsschwierigkeiten kommen. "Januar und das erste Quartal sind ein großes Problem für uns", sagte Kolka im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP. Die Opel-Mutter General Motors ist finanziell ähnlich klamm aufgestellt. GM hat nach einem Pressebericht bereits vor einigen Wochen einige der renommiertesten US-Insolvenzberater und -anwälte engagiert. Diese prüften, ob Gläubigerschutz beantragt werden solle, berichtete das "Wall Street Journal" unter Berufung auf Kreise. Allerdings sei Konzernchef Rick Wagoner bislang zurückhaltend gewesen. Er befürchte, dass ein Gläubigerschutz-Antrag mögliche Autokäufer abschrecke.

Von den drei großen Herstellern scheint nur Ford nicht vom unmittelbaren Zusammenbruch bedroht. Auf Milliarden aus Washington hoffen indes alle drei Autobauer aus Detroit. Zuletzt hatten sie sogar 25 Milliarden Dollar gefordert.

Der Grund für das Scheitern des Rettungspakets auf dem Kapitolshügel war eine Forderung der Republikaner nach raschen Lohnsenkungen bei den drei Automobilkonzernen. Die Gewerkschaft United Auto Workers (UAW) erklärte sich in den Verhandlungen zwar zu den Lohnsenkungen bereit, jedoch nicht wie gefordert bereits im kommenden Jahr, sondern frühestens ab 2011. Die Republikaner wollten die Löhne auf japanisches Niveau gesenkt wissen: GM zufolge betragen die Lohnkosten des Unternehmens in USA inklusive aller Pensionslasten und Zahlungen für die Gesundheitsversorgung pro Stunde 69 Dollar. Toyota gibt einen Wert von 48 Dollar pro Stunde an.

Der demokratische Mehrheitsführer im Senat, Harry Reid, äußerte sich enttäuscht über das Scheitern des Kompromissentwurfs, auf den sich Republikaner und Demokraten zuvor verständigt hatten. Reid sprach von einem "Verlust für das Land". Der republikanische Senator Bob Corker sagte, beide Seiten hätten kurz vor einer endgültigen Einigung gestanden. Die UAW habe sich jedoch geweigert, Lohnsenkungen zu einem festen Zeitpunkt 2009 zuzusagen. Auch das Weiße Haus zeigte sich enttäuscht über die Ablehnung des Rettungsplans.

Schlechte Aussichten für Opel

Die Rüsselsheimer GM-Tochter Opel reagierte enttäuscht auf die schlechten Nachrichten aus den USA. Die Situation für den Opel-Mutterkonzern General Motors werde damit schwieriger, sagte ein Sprecher am Freitag in Rüsselsheim. "Es ist eine Frage der Zeitschiene." GM hatte - wie US-Konkurrent Chrysler - erklärt, bis Jahresende dringend frisches Geld zu benötigen, sonst drohe das Aus.

Für Opel ändere sich die Situation zunächst nicht, sagte der Sprecher. Der Autobauer verfüge über ausreichend Liquidität. Der Sprecher verwies zudem auf die laufenden Verhandlungen mit den eigenen Arbeitnehmern über ein Sparpaket sowie mit der Bundesregierung über eine Milliarden-Bürgschaft. Die beantragte Staatsgarantie soll Opel im Fall einer Insolvenz des Mutterkonzerns davor bewahren, mit in den Strudel gerissen zu werden.

AP/Reuters / AP / Reuters