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Neue Banken-Hilfen in Sicht: Finanzwelt fürchtet Lehman 2.0

In der Finanzwelt wächst die Angst vor einem neuen Fall Lehman. Allerorten wird der Ruf nach Milliardenspritzen für die Banken laut. Auslöser ist ein belgisches Geldhaus.

EU und Internationaler Währungsfonds (IWF) drängen auf rasche Geldspritzen für den europäischen Bankensektor. Die Probleme der Branche erforderten sofortige Aufmerksamkeit, sagte IWF-Europa-Direktor Antonio Borges, am Mittwoch am Rande eines Besuchs in Brüssel der Nachrichtenagentur Reuters. Die Institute bräuchten mehr Kapital, um das Vertrauen in die Branche wiederherzustellen. Borges nannte immerhin eine Größenordnung von 100 Milliarden bis 200 Milliarden Euro. "Das ist nach unserer Auffassung sehr, sehr wenig verglichen mit der Größe der europäischen Kapitalmärkte und verglichen mit der Ausstattung des neuen EFSF", sagte er.

Auch die EU-Finanzminister fassen wieder koordinierte Hilfsaktionen für angeschlagene Banken ins Auge. "Die Überzeugung nimmt zu, dass wir in Europa einen konzertierten, koordinierten Ansatz brauchen", #link;http://www.ft.com/intl/indepth/euro-in-crisis;sagte EU-Währungskommissar Olli Rehn der Financial Times#. Die Minister sähen die Dringlichkeit zur Stärkung der Finanzinstitute angesichts der Schuldenkrise. "Die Kapitalausstattung der europäischen Banken muss verbessert werden", sagte Rehn. "Das sollte ein wesentlicher Teil der umfassenden EU-Strategie sein, um Vertrauen wieder herzustellen und die Krise zu überwinden."

Die EU-Finanzminister waren bei ihrem Treffen in Luxemburg laut "Financial Times" auch der Meinung, dass sie bisher nicht genug getan hätten, um die Finanzmärkte zu überzeugen, dass die europäischen Banken der Schuldenkrise standhalten können. Genau diesen Vorwurf hatten ihnen US-Präsident Barack Obama und sein Finanzminister Timothy Geithner gemacht, wofür sie zum Teil scharf kritisiert wurden.

Aussicht auf Staatshilfen erfreuen die Börse

Auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hatte am Dienstag vor einer Bankenkrise in Europa gewarnt. Die große Sorge sei, dass die "beunruhigenden Entwicklungen an den Finanzmärkten in einer Bankenkrise eskalieren" könnten. Die Minister hätten daher intensiv über die Lage im Bankensektor diskutiert. Es sei vereinbart worden, dass alle Finanzminister beim kommenden Treffen über die Verfassung ihrer Banken und ihre Schritte zur Abwendung einer Krise berichten sollen. Bundeskanzlerin Angela Merkel pflichtete Schäuble am Mittwoch bei. Dabei geht die Regierung nicht davon aus, dass deutsche Geldhäuser Hilfe brauchen. Sie seien relativ gut aufgestellt, sagte der Sprecher des Bundesfinanzministeriums, Martin Kotthaus. Mit dem eigentlich Ende 2010 ausgelaufenen Bankenrettungsfonds Soffin könnten im Extremfall zudem schnell Instrumente zur Bankenstützung bereitgestellt werden, mit denen die Regierung bereits umgehen könne.

An der Börse führten die Aussagen zu Kursgewinnen - besonders bei den Banken, die nun auf frisches Geld vom Staat hoffen dürften. "Spekulationen um eine abgestimmte Aktion der Eurozone zur (Re-)Kapitalisierung der Banken machen die Runde und sorgen für Entspannung", sagte ein Börsianer. Der Dax stieg um mehr als zwei Prozent, die Aktien der Deutschen Bank, die bislang gar keine staatliche Hilfe nötig hatte, legten gar um 6,5 Prozent zu.

Dexia - Europas Krisenbank Nummer 1

Auslöser der neuen Debatte um staatliche Unterstützung ist dasfranzösisch-belgische Institut Dexia. Sie gilt als erste europäische Bank, die Opfer der aktuellen Schulden- und Finanzkrise werden könnte. Schon 2008 hatte Dexia staatliche Hilfe nötig und hat heuer große Liquiditätsprobleme.

Die belgische Regierung hatte am späten Dienstagabend angekündigt, dass das Institut eine sogenannte Bad Bank bekommen solle. In einer solchen Abwicklungsanstalt könnten die Altlasten des Geldhauses ausgelagert werden. Die Bank als solche dürfte zerschlagen werden. Am Dienstag war der Kurs um teilweise 40 Prozent abgestürzt. Frankreich tat am Mittwoch alles, um nervöse Anleger zu beruhigen. "Wir werden unsere Banken niemals fallen lassen", betonte der Generalsekretär der Regierungspartei UMP, Jean-François Copé.

ben/DPA/Reuters / DPA / Reuters