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Pakistan: Opfer von Fabrikbrand verklagen KiK

Bei einem Feuer in einer Textilfabrik im pakistanischen Karachi starben 2012 mehr als 250 Menschen. Die Hinterbliebenen haben nun gegen den Textildiscounter KiK eine Schadenersatzklage eingereicht.

Angehörige trauern um die getöteten Textilarbeiter

Angehörige trauern um die getöteten Textilarbeiter

Die Opfer eines verheerenden #link;http://www.stern.de/1893433.html;Brandes in einer pakistanischen Textilfabrik# haben beim Landgericht Dortmund Schadenersatzklage gegen den Textildiscounter KiK eingereicht. Das teilte die Sprecherin einer Menschenrechtsorganisation am Freitag in Berlin mit. Durch das Feuer in der Fabrik, die für KiK produzierte, waren im September 2012 in der Großstadt Karachi mehr als 250 Menschen ums Leben gekommen.

Drei Hinterbliebene und ein gesundheitlich beeinträchtigter früherer Arbeiter der Fabrik fordern von dem Unternehmen aus Bönen bei Dortmund jeweils 30 000 Euro. Sollte das Gericht die Klage annehmen, wäre dies nach Auskunft des Deutschen Instituts für #link;http://www.ecchr.de/arbeitsbedingungen-in-suedasien.html;Menschenrechte' das erste zivilrechtliche Verfahren dieser Art in Deutschland. Damit könnte der Fall auch Signalwirkung für andere Firmen haben, die ihre Produkte in Billiglohnländern herstellen lassen. Die Kläger werden in dem Verfahren von der Hilfsorganisation Medico International und dem Europäischen Zentrum für Verfassungs- und Menschenrechte unterstützt.

Signal für Hersteller in Billiglohnländern

Der Fall könnte möglicherweise Signalwirkung auch für andere Firmen haben, die ihre Produkte in Billiglohnländern herstellen lassen. Die Kläger werden in dem Verfahren von der Hilfsorganisation Medico International und dem Europäischen Zentrum für Verfassungs- und Menschenrechte unterstützt.

Eine KiK-Sprecherin erklärte auf Anfrage, das Unternehmen habe schon eine Million US-Dollar bereitgestellt und sei zu weiteren Hilfszahlungen bereit. Man fühle zwar eine "moralische Verantwortung", weil in der Fabrik zum Zeitpunkt des Unglücks Kleidung für KiK produziert worden sei. "Eine ursächliche Mitverantwortung für die Brandkatastrophe wird hingegen zurückgewiesen", hieß es in einer Stellungnahme.

Katastrophale Brandschutzvorkehrungen

Eine Gruppe von Überlebenden und Hinterbliebenen hatte ein Angebot des Unternehmens aus Bönen bei Dortmund im vergangenen Jahr als nicht ausreichend abgelehnt. In der Klageschrift heißt es nun, KiK sei für die "katastrophalen Brandschutzvorkehrungen" in dem Fabrikgebäude mit verantwortlich. Unter anderem hätte Vertretern von KiK, die das Gebäude besucht hätten, auffallen müssen, dass dort Notausgänge fehlten und zahlreiche Fenster mit Eisen vergittert gewesen seien.

Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) hatte unter dem Eindruck mehrerer Brandkatastrophen in asiatischen Textilfabriken 2014 ein "Textilbündnis" für Mindeststandards bei ausländischen Lieferanten deutscher Textilhersteller ins Leben gerufen. Diesem Bündnis haben sich die meisten großen Hersteller bislang nicht angeschlossen.

lie/DPA / DPA