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Gegen Verpackungsmüll: Auch Penny schafft die Plastiktüte ab

Lebensmittel-Discounter Penny reiht sich in die Riege der Händler ein, die Plastiktüten aus ihren Märkten verbannen. Die Aktion soll Verpackungsmüll reduzieren. Umweltverbände loben den Schritt grundsätzlich, warnen aber davor, die Abschaffung als Allheilmittel zu sehen.

Penny Plastiktüte

Ein Bild, das künftig Seltenheitswert haben dürfte: Ein Mann trägt nach einem Einkauf zwei Penny-Plastiktüten heim. Immer mehr Händler verbannen die Kunststoffbeutel.

Jahrzehntelang gehörte sie für viele Supermarktkunden zu einem Einkauf genau so dazu wie Brot, Milch und Eier: die Plastiktüte. Nun schaffen immer mehr Händler die Kunststoffbeutel ab und setzen auf Mehrwegtaschen. Nächster im Bunde ist . Der Lebensmittel-Discounter will zeitgleich den Absatz der hauseigenen Mehrweg-Tragetasche ankurbeln und belohnt Kunden, die diese zum Einkaufen mitbringen. Wer seine Waren in die Tasche aus Recyclingmaterial packt, muss zehn Cent weniger bezahlen - es gibt sie für 99 Cent in den Märkten zu kaufen. Zudem spendet die Kette weitere zehn Cent für einen guten Zweck.

Einweg-Plastiktüten gibt es in den mehr als 2100 Filialen in demnächst gar nicht mehr. "Bisher haben wir pro Jahr 62 Millionen Plastiktüten verkauft", sagte Penny-Marketingchef Stefan Magel am Donnerstag einer Mitteilung zufolge in Berlin. Die zehn Cent Rabatt gibt es den Angaben zufolge bei jedem Einkauf. Auf Tabakwaren, "Verlagserzeugnisse" wie Bücher sowie Geschenk- und Guthabenkarten gibt es keinen Nachlass.

Penny folgt auf Rewe, Real, Lidl und Kik

Auch die Supermarktketten Rewe und Real, der Lidl und der Textil-Discounter KiK haben bereits den Verzicht auf Plastiktüten beschlossen und setzen stattdessen auf Papier, Kartons und Mehrweg-Taschen aus Plastik oder Stoff. Viele andere Einzelhändler verlangen für die umweltschädlichen Tragetaschen inzwischen Geld, um den Verbrauch zu reduzieren. Penny gehört zur Rewe-Gruppe und hat bereits Anfang Dezember den Ankauf von Plastiktüten gestoppt, bald dürfte der Vorrat überall aufgebraucht sein.

Im Video: Eine Firma in den Niederlanden hat eine Möglichkeit entwickelt, aus den alten Plastikbeuteln noch etwas Nützliches zu machen:  

Fragen und Antworten zur Abschaffung der Plastiktüte

Viel Lob, aber auch erhobene Zeigefinger: Grundsätzlich loben Umweltverbände die Initivativen des Handels zur Abschaffung der Plastiktüte. Allerdings wird auch davor gewarnt, den Schritt als Allheilmittel zu sehen. Vor allem, weil es im Supermarkt auch ohne die Tüten noch genug Plastikmüll gibt.

Warum sind Plastiktüten aus der Mode?

Die EU hat das Ziel ausgerufen, den Verbrauch zu senken. Vor fast einem Jahr schlossen Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) und der Handel eine freiwillige Vereinbarung, der zufolge Tüten nicht mehr umsonst sein sollen. Das wollte übertreffen und kündigte an, Plastik-Tragetaschen komplett aus den Märkten zu verbannen. Andere zogen nach - Tüten-Verzicht verspricht öffentliche Aufmerksamkeit und Lob von Umweltschützern.

Wie stark ist der Verbrauch schon zurückgegangen?

"Eine erste Analyse dazu wird im April vorliegen", teilt das Umweltministerium mit. Bei der freiwilligen Vereinbarung sind nach Angaben des Handelsverbands Deutschland () 350 Unternehmen dabei, die 41 Prozent des Einzelhandels abdecken. Ziel sind allerdings 80 Prozent. Der HDE verweist zudem auf eine Studie der Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung (GVM) für 2015, demnach der Tütenverbrauch pro Kopf und Jahr auf 68 Stück gesunken sei. Der EU-Durchschnitt liegt bei knapp 200 Stück.

Hat Deutschland überhaupt ein Plastiktüten-Problem?

Jedenfalls kein gewaltiges, das hat auch Umweltministerin Hendricks gesagt. In Deutschland gelangen kaum Tüten in Flüsse und ins Meer.
Außerdem lag der Pro-Kopf-Verbrauch hier schon vor der Selbstverpflichtung unter der EU-Zielvorgabe für 2019. Die Richtlinie aus Brüssel gibt vor, dass bis Ende 2019 jährlich maximal 90, bis Ende 2025 maximal 40 Stück pro Kopf verbraucht werden sollen.

Sind andere Taschen wirklich besser für die Umwelt?

Nicht unbedingt. "Es ist nichts gewonnen, wenn wir Plastiktüten nur durch Einweg-Papiertüten ersetzen", sagt Thomas Fischer von der Deutschen Umwelthilfe. Zwar blieben sie nicht so lang in der Umwelt wie Plastiktüten, aber beim Ressourcen- und Energieverbrauch schnitten sie noch schlechter ab. Ein Baumwollbeutel ist dem Naturschutzbund Nabu zufolge nur dann umweltfreundlicher als eine Kunststofftüte, wenn man ihn mehr als 100 Mal so oft benutzt.
Bio-Plastiktüten haben demnach keinen ökologischen Vorteil.

Sind die Umweltverbände zufrieden mit Handel und Politik?

Sie loben grundsätzlich die Initiativen gegen Plastiktüten. Aber: "Im Lebensmitteleinzelhandel gibt es großen Handlungsbedarf bei frischen Produkten wie Obst und Gemüse, bei Getränken in Einweg-Plastikflaschen und im boomenden To-Go-Geschäft", sagt Katharina Istel vom Nabu. Thomas Fischer von der Umwelthilfe fordert, dass der Handel Mehrweg-Taschen besser sichtbar platzieren sollte - und erinnert daran, dass Deutschland Europameister beim Verpackungsmüll ist. Von der Politik fordern die Umweltschützer eine Abgabe auf Plastiktüten statt freiwillige Vereinbarungen. 

rös/DPA/AFP

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