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Hintergrund zum Piëch-Rücktritt: Zwei beispiellose Wochen VW-Machtkampf

Über zwei Wochen lang tobte ein beispielloser Machtkampf an der VW-Spitze - nun verlässt Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch den Konzern. Das sind die wichtigsten Stationen des Machtpoker.

Der VW-Aufsichtsratsvorsitzende, Ferdinand Piech, und seine Frau Ursula legen ihre Aufsichtsratsmandate nieder

Der VW-Aufsichtsratsvorsitzende, Ferdinand Piech, und seine Frau Ursula legen ihre Aufsichtsratsmandate nieder

Der tagelange Machtkampf in der Konzernspitze bei Volkswagen hat Aufsichtsratsboss Ferdinand Piëch das Amt gekostet. Der 78 Jahre alte VW-Patriarch trat am Samstag mit sofortiger Wirkung von seinem Posten als Chefkontrolleur zurück, wie die Volkswagen AG am Abend in einer Pflichtmitteilung an die Finanzwelt mitteilte. Auch Piëchs Ehefrau Ursula gibt demnach ihr Mandat in dem Kontrollgremium ab. Mit Piëchs Rücktritt steht der Konzern vor einer Zeitenwende.

10. April: Piëch rückt überraschend von Vorstandschef Martin Winterkorn ab. Er sagt dem "Spiegel": "Ich bin auf Distanz zu Winterkorn." Betriebsratschef Bernd Osterloh und Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil - beide im Volkswagen-Aufsichtsrat - stärken Winterkorn daraufhin den Rücken.

12. April

: VW-Aufsichtsrat Wolfgang Porsche geht auf Abstand zu seinem Cousin Piëch: "Die Aussage von Herrn Dr. Piëch stellt seine Privatmeinung dar, welche mit der Familie [...] nicht abgestimmt ist." Die Familien Porsche und Piëch halten die Stimmmehrheit an VW.

16. April

: Der engste Kreis des Aufsichtsrats, das sechsköpfige Präsidium, kommt zu einem Sondertreffen in Salzburg zusammen. Mit von der Partie ist auch Vorstandschef Winterkorn.

17. April

: Das Aufsichtsrats-Präsidium erklärt, Winterkorn sei der "bestmögliche" Vorstandschef. Sein bis Ende 2016 laufender Vertrag solle verlängert werden. Nach dpa-Informationen hatte Piëch beim Sondertreffen alle übrigen fünf Mitglieder des Präsidiums gegen sich.

19. April

: Winterkorn sagt wegen eines grippalen Infekts einen Auftritt auf der Automesse in Shanghai ab. In Medien wird darüber spekuliert, dass nun Piëch um seinen Posten bangen muss. Dies wird im Konzern zurückgewiesen. Der niedersächsische Regierungschef Weil erklärt, er setze weiter sowohl auf Piëch als auch auf Winterkorn.

22. April

: Altkanzler Gerhard Schröder springt Piëch zur Seite. Schröder, der zu seiner Zeit als niedersächsischer Ministerpräsident selbst im VW-Aufsichtsrat saß, sagt der "Bild"-Zeitung, Piëch habe für den Konzern und dessen Beschäftigte "unermesslich viel getan".

23. April

: Nach übereinstimmenden Informationen des NDR, der "Welt" und der dpa hat Piëch versucht, Winterkorn vor der Hauptversammlung am 5. Mai absetzen zu lassen. Piëch dementiert dies und erklärt: "Wir haben uns letzte Woche ausgesprochen. Und uns auf eine Zusammenarbeit geeinigt. Ich betreibe die Ablösung von Martin Winterkorn nicht."

25. April

: Piëch hat den Machtkampf an der VW-Spitze verloren. In einer Pflichtmitteilung für die Börse teilt das Unternehmen überraschend mit, dass der 78-jährige Konzernpatriarch und seine Frau Ursula mit sofortiger Wirkung ihre Kontrollmandate aufgeben.

jen/DPA / DPA