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Massive Zustellprobleme Chaos bei der Post: Warum Bürger wochenlang auf wichtige Briefe warten

Die Post hat massive Personalprobleme
Die Post hat massive Personalprobleme
© AndreyPopov / Getty Images
Die Deutsche Post hat große Probleme bei der Briefzustellung – von Berlin bis Konstanz. In manchen Regionen wird auf Notfallbetrieb umgestellt, in anderen kommt wochenlang gar nix an. Und: Die Post macht wenig Hoffnung auf Besserung.

Im Kreis Konstanz am Bodensee stöhnen die Bürger seit Monaten über massive Probleme bei der Post-Zustellung. Die Briefe kommen teils Tage oder Wochen verspätet an. Zeitschriften-Abonnenten erhalten ihre Ausgabe erst, wenn sie schon wieder veraltet ist. Rechnungen kommen nach der Zahlungsfrist an. Und ob die Wahlunterlagen der anstehenden Bürgermeisterwahlen rechtzeitig zugestellt werden, weiß auch keiner.

Da Beschwerden bei der Post und der Bundesnetzagentur keine Besserung brachten, haben einige Bürgermeister aus der Region nun einen Brandbrief an das Bundeswirtschaftsministerium geschrieben. "Nach einem halben Jahr erwarten wir Bürgermeister natürlich schon, dass man sich mal grundsätzlich und strukturell Gedanken macht, wie man das Problem in den Griff bekommt", sagt Holger Mayer, Bürgermeister der Gemeinde Hilzingen und einer der Verfasser des Schreibens, dem SWR.

Doch ob Robert Habeck – ohnehin gerade gut beschäftigt mit anderen Krisen – den Konstanzer Bürgermeistern auf die Schnelle helfen kann, erscheint eher fraglich. Denn das Post-Chaos ist mitnichten auf die Bodensee-Region beschränkt. Auch aus anderen Teilen Deutschlands hört man ganz ähnliche Beschwerden. In Berlin-Britz mussten Bewohner zuletzt zweieinhalb Wochen auf Post warten. In Wolfsburg blieben viele Briefkästen laut WAZ ebenfalls zwei Wochen komplett leer. Es gibt Beschwerden aus Nord und Süd, aus Großstädten und vom platten Land. 

Ein Briefproblem, kein Paketproblem

Die Bundesnetzagentur, an die man sich bei Brief-Problemen wenden kann, verzeichnete allein im dritten Quartal bundesweit 11.500 Post-Beschwerden. Das ist fast so viel wie gesamten Jahr 2021, als es 15.100 Beschwerden gab. Und noch etwas ist bemerkenswert: Im Unterschied zu früheren Zeiten, in denen oft vom Paketchaos die Rede war, betrifft das Problem derzeit ganz überwiegend die Briefzustellung. Von 25 Prüfungen, die die Netzagentur im September und Oktober in Fällen besonders krasser Liefer-Missstände einleitete, betrafen 24 die Briefzustellung und nur eine die von Paketen.

Als Grund für die Probleme nannte die Post schon vor Wochen einen coronabedingt hohen Krankenstand in den Sommermonaten sowie generelle Personalprobleme. Die Lage habe sich aber wieder stabilisiert, hieß es noch Anfang Oktober. Es scheint nur ein kurzer Anflug von Stabilität gewesen zu sein. 

Post beklagt Personalprobleme

Auf Anfrage des stern erklärte ein Post-Sprecher am Donnerstag: "Leider müssen wir Probleme, vor allem in der Briefzustellung, in manchen Regionen Deutschlands einräumen. Grund sind in erster Linie deutlich höhere Personalausfälle aufgrund von Coronainfektionen. Diese höheren Personalausfälle können aufgrund der sehr angespannten Situation auf dem Arbeitsmarkt nur begrenzt durch die Einstellung zusätzlicher Arbeitskräfte kompensiert werden."

Die Personalprobleme sind laut Post sogar so groß, dass an einigen Standorten ein sogenanntes "Corona-Notfallkonzept" angewendet wird. Dieses sieht vor, dass die Haushalte planmäßig nur jeden zweiten Werktag Briefe erhalten. "Das Konzept führt zwar zu längeren Brieflaufzeiten, verhindert aber Zustellausfälle über längere Zeiträume", erklärt die Post. "Eine werktägliche Zustellung an alle Haushalte kann dann wieder durchgeführt werden, wenn hierfür ausreichendes Personal vorhanden ist." 

Unzertrennlich: Hund und Briefträger sind ziemlich beste Freunde

Wann das sein soll, vermag die Post selbst nicht zu sagen. Dies sei "im Wesentlichen vom Infektionsgeschehen und von der Personalrekrutierung am Arbeitsmarkt abhängig". Da die Probleme nun schon seit Monaten bestehen, während Infektionswellen an- und abschwellen, liegt der Verdacht nahe, dass die Post im Kerngeschäft Briefzustellung mittlerweile grundsätzlich zu schwach aufgestellt ist. Dabei schreibt der Gesetzgeber vor, dass mindestens 80 Prozent der abgeschickten Briefe am nächsten Werktag zugestellt werden müssen und 95 Prozent bis zum übernächsten.

Doch neues Personal zu gewinnen, ist für die Post selbst bei gutem Willen gar nicht so einfach. "Wie alle anderen Unternehmen in Deutschland kämpft auch die Deutsche Post DHL mit der überaus angespannten Lage am Arbeitsmarkt, die das Gewinnen von notwendigen Arbeits- und Aushilfskräften herausfordernd macht", erklärt ein Post-Sprecher.

Helfen soll die Rekrutierungskampagne "Werde eine:r von uns", auf der zugehörigen Job-Website kann man sich unter anderem als Postbotin oder Paketzusteller bewerben. Gesucht wird alles von Minijobbern bis hin zu unbefristeten Vollzeitmitarbeitern. Um in der anstehenden Weihnachtszeit nicht völlig zu kollabieren, will die Post zudem wie schon in vergangenen Jahren 10.000 Aushilfskräfte einstellen, allerdings nur befristet.

Quellen: Deutsche Post / DPA / SWR / RBB / Berliner ZeitungWAZ / Bundesnetzagentur / Post-Jobseite

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