Preise In Großbritannien blüht der Zigarettenschmuggel

In Großbritannien werden Raucher zur Kasse gebeten wie sonst wohl kaum in einem anderen europäischen Land. Eine Schachtel kostet dort knapp sieben Euro - der Schmuggel blüht.

Die letzte Preiserhöhung liegt erst wenige Wochen zurück, so dass für eine Schachtel mit 20 Zigaretten derzeit umgerechnet knapp sieben Euro berappt werden müssen. Doch das hält offenbar kaum einen qualmenden Inselbewohner von der Sucht ab - stattdessen blüht der Schmuggel.

Auch hier: Hohe Steuern

Die jüngste Erhöhung der Tabaksteuer durch Schatzkanzler Gordon Brown fiel mit acht Pence pro Packung zwar moderat aus und deckt nur die Inflation ab. Doch insgesamt beträgt der Steueranteil beim Kauf einer Schachtel Glimmstängel im Vereinigten Königreich mittlerweile fast 80 Prozent.

Ausweg für Verbraucher: Schmuggel

Die Wirtschaft stöhnt: "Die Erhöhung lädt nur weiter zum Schmuggeln ein und lässt die Tabakläden in eine ungewisse und düstere Zukunft blicken", sagt Audrey Wales von der britischen Tabak-Allianz, der 21.000 unabhängige Ladenbesitzer angehören.

Ausflug über den Kanal

Viele Briten fahren als Tagesausflügler seit Jahren über den Ärmelkanal, um sich angesichts der horrenden heimischen Preise auf dem Kontinent unter anderem mit Zigaretten zu versorgen. Nach Schätzungen der britischen Tabakwarenhersteller werden 21 Prozent des auf der Insel konsumierten Tabaks ins Land geschmuggelt. Immer wieder gibt es Geschichten über findige Privatschmuggler, die beispielsweise Tausende Zigaretten im Kinderwagen nach Hause schaukeln wollten. Die Staatskasse muss so auf Einnahmen in Milliardenhöhe verzichten.

Gesundheitssystem profitiert

Die Einnahmen aus der Tabaksteuer kommen nicht zuletzt dem krisengeschüttelten staatlichen Gesundheitssystem (NHS) zu Gute. Deshalb reagierten Gesundheitsaktivisten erbost auf die ihnen viel zu geringe jüngste Preiserhöhung für Zigaretten. "Der Schatzkanzler hat die Gelegenheit verpasst, mehr Geld in das NHS zu schießen und Hilfsangebote für diejenigen besser zu fördern, die mit dem Rauchen aufhören wollen", sagt Amanda Sandfield von der Aktion Rauchen und Gesundheit (Ash). So sieht es auch die Britische Mediziner- Vereinigung BMA, nach deren Angaben jedes Jahr 120.000 Landsleute an den Folgen des Rauchens sterben.


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