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Modemarke : Wie Primark das eigene Billig-Image aufpolieren will

Primark lockt mit besonders billigen Mode-Schnäppchen. Doch das Geschäftsmodell ist auch das Problem. Der Marke hängt das Image von Lohnausbeutung der Näherinnen und Wegwerfmentalität der Kunden an. Das soll sich ändern.

Primark will das Image aufpolieren

Primark steht wegen Billig-Mode in der Kritik

Billig, billiger, Primark: In den Filialen oder im Onlineshop der Modekette bekommen Kunden Klamotten zu besonders günstigen Preisen. Blusen für sieben Euro, Hosen für zehn Euro oder eine Kunstlederjacke für 14 Euro - die irische Modekette bieten Kleidung zum Kampfpreis.

Dafür steht das Unternehmen auch dauerhaft in der Kritik. Als die Filiale am Berliner Alexanderplatz eröffnete, sorgte eine Protestaktion für Aufsehen. Primark wird vorgeworfen, Hungerlöhne an die Näherinnen zu zahlen - so billige Mode würde durch Ausbeutung der Ärmsten entstehen. Ein weiterer Kritikpunkt ist die Botschaft, die durch Billig-Mode transportiert wird: Schmeiß es einfach weg, wenn es nicht mehr gefällt. Gegner von Primark werfen dem Unternehmen vor, vor allem junge Mädchen durch die Wergwerfmentalität negativ zu beeinflussen.

Primark will Billig-Image abschütteln

Nun will Primark offensichtlich dieses Schmuddelimage loswerden. John Bason, Finanzvorstand der Kette, geht im Gespräch mit der "F.A.S" in die Offensive. Sein Unternehmen unterstütze das Wegwerfen von Bekleidung in keinster Weise. "Es ist nicht in unserem Sinn, dass die Jugend achtlos mit Kleidung umgeht", sagte er der Zeitung. Nur weil ein Shirt nur 2,50 Euro gekostet habe, müsse es nicht nach ein paar Wochen in den Müll geschmissen werden. Auch günstige Mode können jahrelang halten, so der Finanzchef weiter. "Kinder müssen lernen, Dinge, egal wie teuer sie sind, wert zu schätzen und zu pflegen." Hier sieht er vor allem Eltern in der Pflicht. Sie müssten dem Nachwuchs Werte vermitteln. Das sei nicht Aufgabe seines Unternehmens. 

Dass nur finanzschwache Teenagerhorden bei Primark einkaufen würden, weist Bason zurück. Primark habe Kunden aller Altersklassen. Deutschland ist für Primark der drittwichtigste Markt. Und Bason sieht noch viel Luft nach oben. In den kommenden zwei Jahren sind sieben Neueröffnungen geplant. Bislang gibt es 22 Filialen. "Auch in Deutschland kann sich nicht jeder teure Marken leisten", erklärt Bason.

Primark: Billige Klamotten und Hungerlöhne?

Den Zusammenhang zwischen den günstigen Verkaufspreisen und Hungerlöhnen im Herstellungsland weist Bason zurück. "Der Preis im Laden sagt nichts darüber aus, wie gut es den Näherinnen in Asien geht", sagte Bason. Die günstigen Preise hätten andere Ursachen.

So verzichtet das Unternehmen weitestgehend auf Werbung. "Aufgrund eines geringen Gewinnaufschlags und der Arbeit mit großen Stückzahlen können wir qualitativ hochwertige Ware zu fairen Preisen anbieten. Außerdem haben wir niedrige Betriebskosten und verzichten auf teure Werbekampagnen", ließ das Unternehmen auf Nachfrage der "Welt" wissen. Tatsache ist, dass Näherinnen maximal ein Prozent des Verkaufspreises eines Kleidungsstücks verdienen. Rund 25 Prozent hingegen landen im Marketing- und Werbungsetat der Unternehmen, so die Stiftung Fairwear.

kg