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Promi-Kampagne: Milchbad für den guten Zweck

Colin Firth mit Kaffee begossen, Alanis Morissette unter Weizen begraben, Antonio Banderas mit Mais beworfen: Sie - und viele andere Stars - haben sich für die Kampagne "Make Trade Fair" ganz neu mit Ernteprodukten auseinander gesetzt.

Von Karin Spitra

Als Möchtegern-Luder Ariane Sommer einst in eine Wanne mit Mousse au Chocolat stieg, war das der nette Versuch, sich selbst in die Schlagzeilen zu bringen. Wenn sich allerdings Stars wie Michael Stipe oder Jamelia mit diversen Ernteprodukten überschütten lassen, dann steckt mehr dahinter. In diesem Fall hat Oxfam International - ein Zusammenschluss von zwölf nationalen Hilfsorganisationen - die Promis gebeten, sich in den Dienst ihrer Kampagne für einen fairen Welthandel - "Make Trade Fair" - zu stellen. Die Fotokampagne richtet sich gegen das Agrardumping der reichen Länder, das besonders die Volkswirtschaften der ärmsten Länder trifft. Ein fairer Handel hingegen sollte die Bauern vor solch unfairer Konkurrenz schützen und ihnen ermöglichen, ihre Produkte zu angemessenen Preisen zu vermarkten.

Nach den so genannten Millenniumszielen der Vereinten Nationen, soll bis 2015 die Zahl der hungernden Menschen weltweit von momentan über 840 Millionen halbiert werden. Derzeit sterben jede Minute elf Kinder unter fünf Jahren an den Folgen von Unterernährung, insgesamt etwa 24.000 Menschen am Tag. "Im Kampf gegen Hunger und Armut in der Welt gibt es keine einfachen, schnellen Lösungen", sagt Jörn Kalinski von Oxfam Deutschland. "Natürlich müssen auch die Regierungen der betroffenen Länder - zum Beispiel in Afrika - selber Anstrengungen unternehmen, um verantwortungsvoll zu wirtschaften. Nur ohne einen weit reichenden Schuldenerlass und gerechtere Welthandelsregeln wird sich die Situation kaum wesentlich ändern", fährt Kalinski fort. Derzeit gibt beispielsweise Sambia rund 156 Millionen US-Dollar mehr für den Schuldendienst aus, als es für Bildung zahlen kann. "Dabei platzen Schulklassen in Sambia aus allen Nähten, und etwa 9000 Lehrer sind landesweit arbeitslos."

Das unschöne Gesicht der Globalisierung

"Aber genauso wichtig sind der Abbau von Agrarsubventionen, ein verbesserter Marktzugang für Produkte aus armen Ländern und ein gerechter Welthandel, der auch die Bedürfnuisse der armen Länder berücksichtigt." So leiden gerade drei der besonders von dem Tsunami getroffenen Länder - Indonesien, Sri Lanka und die Malediven - durch unfaire europäische Handelsgesetze. Diese Länder exportieren Kleider und Schuhe in die EU, werden aber mit hohen Einfuhrzöllen belegt.

Dank der üppigen Subventionen und "Staatshilfen" werden Landwirtschaftsgüter in der EU und den USA überproduziert - und der Überschuss landet dann zu Dumpingpreisen auf den Weltmärkten - und den Märkten der Entwicklungsländer. Diese durch die Subventionen konkurrenzlos günstigen Produkte verdrängen dort teurere heimische Produkte und treiben die Kleinbauern in den Ruin. So werden die Märkte der armen Länder zerstört und ganze Volkswirtschaften geraten in die Abhängigkeit von der Entwicklungshilfe eben jener Länder, ohne die sie gar nicht erst in ihre schlimme Lage gekommen wären. Außerdem steht es auch mit der Entwicklungshilfe nicht zum besten: Zwar haben sich die Geberländer verpflichtet, 0,7 Prozent ihres Bruttoinlandsproduktes für Entwicklungshilfe zur Verfügung zu stellen, aber die USA kommen nur auf eine Quote von 0,14 Prozent, Deutschland immerhin noch auf 0,28 Prozent.

Carolina Valarezo von der Bananenkooperative Urocal aus Ecuador sagte, während die Bananenbauern für eine 18-Kilogramm-Kiste konventionell gehandelter Bananen derzeit nur noch zwischen einem und 1,50 US-Dollar erhalten, bringt die gleiche Kiste im fairen Handel 9,50 US-Dollar. Dies verbessert nicht nur die Lage der Landbevölkerung, sondern ermöglicht auch den Anbau gesünderer Produkte, da auf den Einsatz von Kunstdünger und chemischer Pestizide verzichtet wird. Deutschland trägt mit dem Kauf von fair bezahlten Produkten wie Bananen oder Kaffee bereits heute dazu bei, dass 800.000 Menschen weltweit angemessene Löhne erhielten, hieß es aus dem Entwicklungshilfeministerium von Heidemarie Wieczorek-Zeul.