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Reaktor-Störfälle: Vattenfall entlässt Atomchef

Die Zwischenfälle in den beiden Vattenfall-Atomkraftwerken Krümmel und Brunsbüttel fordern ihr erstes Opfer: So hat der Energieversorger nun seinen Chef der Atomsparte entlassen. Die zuständige Behörde will sich von der Entlassung aber nicht beeinflussen lassen.

Nach den Pannen in den Kernkraftwerken Krümmel und Brunsbüttel hat der Energiekonzern Vattenfall Europe personelle Konsequenzen gezogen. Der Chef der Atom-Sparte, Bruno Thomauske, wurde von seiner Funktion entbunden, teilte der Konzern "in enger Abstimmung mit der schwedischen Muttergesellschaft" mit. Zudem sagte Konzernsprecher Johannes Altmeppen.

Ferner soll unabhängig von den Untersuchungen der Behörden eine Gruppe hochrangiger Vertreter aus Technik und Wissenschaft die Vorgänge analysieren. "Die Empfehlungen der Gruppe werden wir lückenlos umsetzen", versprach der Konzern. Für die Arbeit der Experten wird das Unternehmen fünf Millionen Euro bereitstellen.

Weiter hieß es: "Wir wollen damit verloren gegangenes Vertrauen zurückzugewinnen. Wir werden alles tun, um die Fehler und Versäumnisse für die Zukunft auszuschließen." Thomauskes Aufgaben wird bis auf weiteres der Kraftwerksvorstand Reinhardt Hassa übernehmen. Sprecher Altmeppen wird kommissarisch durch den Leiter des Konzernbereichs Politik und Gesellschaft, Rainer Knauber, ersetzt.

Entlassung beeinflusst nicht die Aufklärung

Die Entlassung von Thomauske beeinflusst nach Einschätzung der Kieler Atomaufsicht nicht die Aufklärung der Vorgänge im AKW Krümmel. "Vattenfall muss technisches und menschliches Versagen in seinen Kernkraftwerken ausschließen", sagte die in Schleswig-Holstein für die Atomaufsicht zuständige Sozialministerin Gitta Trauernicht. "Dafür ist das Unternehmen den Beweis noch schuldig, die Kritik der Atomaufsicht ist nicht ausgeräumt."

Thomauske Entlassung sei eine unternehmerische Entscheidung, der strukturelle Veränderungen folgen müssten, so die Ministerin. "Für uns als Reaktorsicherheitsbehörde stehen grundsätzlich die Zuverlässigkeit, Fachkunde und der technische Zustand für den Betrieb von Kernkraftwerken auf dem Prüfstand." Sie verlange größtmögliche Sicherheit von Vattenfall. Das bedeute, dass alle Mitarbeiter des Unternehmens über Zuverlässigkeit und Fachkunde verfügen müssen.

Außerdem forderte Trauernicht, dass die Unternehmensleitung für einen störungsfreien Betrieb sorgt und der Reaktor nach Stand von Wissenschaft und Technik gegen technisches Versagen und Schäden gesichert ist. "Das Kernkraftwerk Krümmel bleibt vom Netz, solange diese Voraussetzungen nicht erfüllt sind", kündigte Trauernicht an.

Experten des für Reaktorsicherheit in Schleswig-Holstein sowie des Bundesumweltministeriums verhören jetzt vier Kraftwerksbedienstete. Die Befragung solle vor allem klären, wie sich alles genau abgespielt habe. So soll nach Angaben der Kieler Behörde zum einen die Frage beantwortet werden, warum es Kommunikationsprobleme zwischen den Bediensteten gab. Befragt würden unter anderen der Schichtführer und der Reaktorfahrer, zwischen denen es laut Betreiber Vattenfall zu einem Missverständnis gekommen war. Zum anderen sei zu klären, wie viele Leute zum Zeitpunkt des Zwischenfalls warum in der Warte gewesen seien, sagte Ministeriumssprecher Oliver Breuer.´

Was machen zwei Dutzend Leute im Leitstand?

"Bislang sind wir davon ausgegangen, dass im Leitstand etwa zwei Dutzend Mitarbeiter anwesend waren", sagte Breuer. Üblich sind deutlich weniger. Im gesamten sechsstöckigen Gebäude haben sich laut Breuer 37 Mitarbeiter aufgehalten. Zum Ort der Befragung sowie zum genauen Zeitpunkt wollten die Kieler Behörde und das BMU unter Hinweis auf den Schutz des Bedienungspersonals vor der Öffentlichkeit keine näheren Angaben machen.

DPA/AP/Reuters / AP / DPA / Reuters