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Reimann übernimmt Master Blenders: Senseo-Kaffee für 7,5 Milliarden Euro

Die Unternehmerfamilie Reimann lässt sich von ihrem Expansionskurs nicht abbringen. Mit der Übernahme des niederländischen Senseo-Herstellers Master Blenders baut sie ein neues Kaffee-Imperium auf.

Die deutsche Milliardärsfamilie Reimann will den niederländischen Kaffeeröster und Senseo-Hersteller Master Blenders für rund 7,5 Milliarden Euro kaufen. Die Familien-Holding Joh. A. Benckiser (JAB) ist bereits im Kaffee- und Teegeschäft aktiv und strebt noch weitere Übernahmen an. Den Aktionären von Master Blenders solle 12,50 Euro je Aktie geboten werden, teilte das Unternehmen am Freitag in Amsterdam mit. Mit der Höhe des Angebotspreises je Aktie zahle die Investorengruppe den Anteilseignern einen Aufschlag von 36 Prozent auf den Aktienskurs der vergangenen drei Monate. Die Führung von Master Blenders unterstütze das Übernahmeangebot "uneingeschränkt" und empfehle den Aktionären "einhellig" dessen Annahme.

JAB und seine Partner wollen Master Blenders künftig "als Plattform sowohl für organisches Wachstum als auch für Übernahmen" in der Kaffee- und Teebranche nutzen, betonte JAB-Chef Bart Becht. Das Übernahemeangebot sehe vor, dass Master Blenders auch nach der Übernahme als eigenständiges Unternehmen weiterarbeiten werden, erklärte der Kaffee- und Teehersteller. Die Unternehmenszentrale bleibe in Amsterdam. Die Produktionsstätten in den Niederlanden blieben erhalten.

Gerüchte über eine bevorstehende Übernahme hatte es schon seit längerem gegeben. Ende März räumte dann Master Blenders, zu dem neben den Senseo-Kaffepads auch die Kaffee-Marke Douwe Egberts und der Tee-Anbieter Pickwick gehören, Gespräche ein. Allerdings war damals noch von einem möglichen Preis von 12,75 Euro je Anteil die Rede gewesen.

Kaffeekapseln als Wachstumssegment

Die Reimanns sind erst vor kurzem auf den Kaffee-Geschmack gekommen, 2012 erwarb die JAB-Dachgesellschaft die Kaffeehausketten Peet's Coffee und Caribou Coffee. D.E Master Blenders 1753, so der Unternehmensname, war im vergangenen Jahr vom früheren Mutterkonzern, dem US-Unternehmen Sara Lee, an die Börse gebracht worden. JAB kontrolliert bereits gut 15 Prozent der Aktien. Von der Kaufsumme sollen drei Milliarden Euro über Schulden finanziert werden, hieß es. Master Blenders erzielte 2012 einen Umsatz von 2,7 Milliarden Euro und beschäftigt rund 7500 Mitarbeiter.

Kaffeekapseln gelten als Wachstumssegment, allerdings ist der Wettbewerb groß. Als Marktführer in Europa gilt das Nespresso-System des Schweizer Nestlé-Konzerns. Senseo war gemeinsam mit dem Elektrogeräte-Hersteller Philips als günstigere Alternative entwickelt worden. Lebensmittelkonzerne sehen künftig auch Tee als neuen Wachstumsbringer und Trend-Getränk.

Die als verschwiegen geltende Familie Reimann hat ihren Reichtum mit dem Ludwigshafener Spezialchemiekonzern Benckiser und dessen Verkauf an die britische Reckitt Benckiser erworben. Sie hält noch einen Minderheitsanteil an dem Hersteller von Calgon-Entkalker, Kukident-Zahnprothesenreiniger und Durex-Kondomen. Reimann gehören auch die Schuhhersteller Bally und Jimmy Choo sowie der US-Parfüm- und Kosmetikkonzern Coty mit Marken wie Calvin Klein oder Lancaster. An der elf Milliarden Dollar schweren Übernahme des Kosmetikkonzerns Avon waren die Reimanns allerdings vergangenes Jahr gescheitert.

kgi/DPA/AFP/Reuters / DPA / Reuters