SCHUHE Wenn der Puma die drei Streifen schlägt

Mit der Fußball-WM lebt auch das rein deutsche Schuh-Duell Puma gegen Adidas wieder auf. Dabei ist Herzogenaurach das Trainingslager der Konkurrenten.

Wenn am letzten Mai-Tag in Seoul Frankreich gegen Senegal antritt, ist nicht nur der Startschuss zur Fußball-Weltmeisterschaft gefallen, sondern auch der zum »Krieg der Schuhe«. So nämlich hat der Chef des weltgrößten Sportartikelherstellers Nike einmal den harten Kampf um Marktanteile mit seinem ärgsten Konkurrenten Adidas umschrieben. Und dabei ganz außer Acht gelassen, dass der wahre Klassiker unter den Schuh-Duellen eine rein deutsche Angelegenheit ist: Genauer gesagt, eine rein Herzogenauracher Angelegenheit.

Puma entstand durch Abspaltung

Herzogenaurach, ein 22.000-Einwohner-Städtchen am Rande des mittelfränkischen Steigerwaldes. Hier nahm 1920 die Erfolgsgeschichte des Adi Dassler ihren Lauf, die auch die Abspaltung von Bruder Rudolf 1948 nicht stoppen konnte - nur dass sich dann eben mit Adidas und Puma zwei Konkurrenten den Sportschuh-Markt teilten. Mit dem Anpfiff der Fußball-WM in Korea und Japan erlebt dieser Zweikampf eine neue Auflage. Adidas hofft, durch die WM seinen Marktanteil in Asien weiter auszubauen. Allein seit der Gründung einer japanischen Tochter 1999 hat sich der Umsatz hier auf eine Milliarde Euro verdoppelt. »Insofern kommt der FIFA World Cup 2002 für uns genau zur richtigen Zeit«, gibt Adidas-Salomon-Sprecher Jan Runau unumwunden zu.

Underdog-Image kultiviert

Puma gibt sich bescheidener und kann als lachender Dritter - rein größenmäßig - das »Enfant terrible« der WM spielen. Schon die Auswahl der Teams, die die Raubkatze auf dem Dress tragen werden, dokumentiert den vermeintlichen Underdog-Charakter: Kamerun, Paraguay, Polen und Tunesien treten um Weltmeister-Ehren und zugleich für Ehre und Marktanteile von Puma an; Kamerun sorgte sogar mit einer modischen Neuheit für Aufsehen: Zwar verlangte die FIFA eine Modifizierung der beim diesjährigen Afrika-Cup erstmals getragenen ärmellosen Trikots, doch das Original hat schon jetzt Kultstatus. Noch wichtiger als die bunten Schuhe, mit denen Puma sein Paradiesvogel-Image unterstreicht, dürfte die mutige Namensgebung der WM-Kollektion sein: »Shudoh« - was auf Japanisch so viel wie »Der Weg, Fußballmeister zu werden« bedeutet.

Adidas bleibt gelassen

Doch von Konkurrenz will man bei Adidas nicht sprechen. Schließlich, so wird man nicht müde zu betonen: Der gesamte eher auf trendige Schuh- und Freizeitmode spezialisierte Puma-Konzern mache nicht einmal so viel Umsatz wie die Adidas-Mode-Linie »Originals«. Dafür mussten aber Adidas-Aktionäre in diesem Jahr schon Kursverluste bis zu neun Prozent hinnehmen, die Puma-Investoren hingegen konnten Gewinne bis zu 88 Prozent bejubeln. Auch die Börse - also nur ein Spiel.

Die Legende lebt

Doch die Legende Adidas lebt. Titelverteidiger Frankreich, Mitfavorit Argentinien und Gastgeber Japan schwören auf die drei Streifen - und neben sechs weiteren Teams auch Deutschland. Adidas ist seit 1954 Ausrüster der deutschen Mannschaft: Als es WM-Neuling Wolfgang Solz 1962 wagte, gegen Frankreich mit Puma-Stollen aufzulaufen, drohte Bundestrainer Sepp Herberger für den Wiederholungsfall gar mit dem Team-Ausschluss.

150 Fußabdrücke von Stars eingelagert

Frankreich geht da heute souveräner mit seinen Edelkickern um: Oben Adidas, unten frei - nur Zinedine Zidane steht vertraglich beim Herzogenauracher Goliath in der Pflicht, auch im neuen »Predator«-Fußballschuh aufzulaufen. Der wird es verschmerzen, genau wie David Beckham - im wörtlichen Sinne: Für seinen Millionen-Fuß, dessen Mittelfußknochen beim letzten Champions-League-Spiel angeknackst wurde, fertigen die Dassler-Nachkommen eine Maßversion mit Spezialschutz an kritischen Bereichen. Insgesamt 150 Fußabdrücke sind für solche Fälle in Mittelfranken eingelagert.

Jörg Völkerling


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