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Schuldenkrise in Europa: Euro sackt auf den tiefsten Stand seit zwei Jahren

Die Furcht vor einer Eskalation der Krise hat die europäischen Märkte massiv unter Druck gesetzt. Der Dax sackte um über drei Prozent ab, auch der Eurokurs ging auf Talfahrt.

Spekulationen über den Verbleib Griechenlands in der Euro-Zone und Sorgen um die Finanzstabilität Spaniens haben am Montag die europäischen Aktienmärkte auf Talfahrt geschickt.

Der Dax sackte am Nachmittag bei anziehenden Umsätzen um 3,2 Prozent auf 6423 Punkte ab. Der deutsche Leitindex weitete dabei seine Verluste aus, nachdem die Börsenaufsicht in Spanien und Italien erneut ein Leerverkaufsverbot von Finanztiteln aussprach. Bei ähnlichen Verboten in der Vergangenheit waren Anleger dazu übergangen, stärker auf fallende Kurse deutscher Finanzwerte zu setzen, um das Verbot in den anderen Ländern zu umgehen.

Der EuroStoxx gab um 2,7 Prozent auf 2177 Zähler nach. Noch stärker erwischte es die Börsen in Madrid und Mailand, wo die Leitindizes um 3,1 und 3,9 Prozent absackten. Der spanische Ibex markierte mit 5905 Zählern den niedrigsten Stand seit neun Jahren. An den US-Börsen zeichnete sich ebenfalls ein schwacher Handelsstart ab.

"Es braut sich was zusammen"

Die Anleger warfen auch spanische und italienische Anleihen aus ihren Depots, was deren Renditen entsprechend in die Höhe trieb. Der Euro rutschte erstmals seit zwei Jahren wieder unter die Marke von 1,21 Dollar.

"Es braut sich was zusammen", fassten die Analysten der Metzler-Bank die Stimmung an den Börsen zusammen. "Die Nerven der Akteure dürften in den kommenden Tagen erneut auf eine harte Probe gestellt werden." Chefvolkswirt Folker Hellmeyer von der Bremer Landesbank erklärte: "Der K.O. der Eurozone ist zunehmend eine Frage des Zeitpunkts und weniger des 'Ob'." Seine Bank habe das Risiko des Scheiterns der Eurozone zuletzt auf 20 Prozent beziffert. "Nach den jüngsten Entwicklungen liegt dieses Risiko jenseits der 40-Prozent-Marke mit zunehmender Tendenz."

Bundeskanzlerin Angela Merkel ist einem Zeitungsbericht zufolge nicht bereit, Griechenland nochmals Finanzhilfen zu gewähren. Da Athen aber wohl weitere Darlehen von bis zu 50 Milliarden Euro benötige, werde ein Bankrott des südeuropäischen Landes immer wahrscheinlicher, berichtete die "Süddeutsche Zeitung".

In Spanien breitet sich die Krise immer weiter aus

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble wollte in einem Interview mit der "Bild"-Zeitung keine Prognose über einen Verbleib der Griechen in der Euro-Zone abgeben. Wirtschaftsminister Philipp Rösler gibt dem Land dagegen kaum noch Chancen dafür. Am Dienstag wird die Troika aus EZB, IWF und EU in Athen zur Prüfung der bisherigen Sparanstrengungen erwartet. Griechenland wartet derzeit nach Angaben aus dem deutschen Finanzministerium auf die Freigabe einer weiteren Tranche von gut 31 Milliarden Euro aus dem zweiten Hilfeprogramm.

In Spanien breitet sich die Finanzkrise unterdessen immer weiter aus. Nach Valencia muss nun offenbar bald auch Murcia als zweite spanische Provinz die Zentralregierung in Madrid um Finanzhilfen bitten, wie am Sonntag bekannt wurde. Laut Händlern wird spekuliert, dass Spanien doch noch unter den Rettungsschirm springen muss. Bisher will die Regierung in Madrid lediglich für ihre Banken Hilfsgelder der Euro-Partner annehmen.

fro/Reuters / Reuters