STREIT France Telecom beendet Kooperation mit Mobilcom


France Telecom hat das mit MobilCom für den Aufbau des UMTS-Mobilfunks in Deutschland geschlossene Kooperationsabkommen gekündigt. Der Kurs der Mobilcom-Aktie stürzte daraufhin ab.

Nach monatelangen Auseinandersetzungen hat France Telecom dem deutschen Mobilfunkanbieter Mobilcom die Zusammenarbeit aufgekündigt. Der Kurs der Mobilcom-Aktie verlor am Dienstag mehr als 46 Prozent und wurde daraufhin an der Deutschen Börse bei 7,29 Euro ausgesetzt.

France Telecom wirft Mobilcom Vertragsverstöße vor

Der französische Telekommunikationsriese begründete den Schritt in Paris damit, dass Mobilcom und deren Firmenchef Gerhard Schmid gegen eine Reihe von Vereinbarungen zwischen den beiden Unternehmen verstoßen hätten. Mobilcom reagierte umgehend: »Die MobilCom AG sieht keine rechtliche und tatsächliche Basis« zu der Beendigung des Kooperationsvertrages.

Droht Mobilcom die Pleite?

France-Telecom-Finanzchef Jean-Louis Vinciguerra sagte in einer Telefonkonferenz mit Journalisten, sein Unternehmen werde Mobilcom weiter finanzieren, während die Gespräche mit den Kredit gebenden Banken des deutschen Telekommunikationsunternehmen fortgesetzt würden. Sollte jedoch nicht schnell eine Lösung gefunden werden, sei klar, dass Mobilcom Pleite gehen könnte. Vinciguerra erklärte zudem, mit der Entscheidung, die Vereinbarung mit Schmid zu kündigen, bestünde Schmids Verkaufsoption für seinen 40-Prozent-Anteil an Mobilcom an die France Telecom nicht mehr.

Mobilcom sieht keine Vertragsverstöße

Mobilcom erklärte in einer Ad-hoc-Mitteilung, aus Sicht des deutschen Unternehmens lägen keine Vertragsverstöße vor, die eine Beendigung des Kooperationsvertrages rechtfertigen würden. »Der Vertrag sieht eindeutige Regelungen für die Behandlung von potenziellen Vertragsverstößen vor. Die France Telecom hat bisher keine dieser Eskalationsstufen genutzt«, hieß es in der Erklärung weiter.

Kredite werden Ende Juli fällig

MobilCom begrüße die Fortsetzung der Gespräche der France Telecom mit den Kredit gebenden Banken zu einer langfristigen für die Bilanz der France Telecom verträglichen Lösung. Bei Mobilcom wird Ende Juli ein 4,7-Milliarden-Euro-Kredit fällig, für den nur mit Hilfe der France Telecom eine Anschlussfinanzierung gefunden werden kann. Die hoch verschuldeten Franzosen halten 28,5 Prozent an Mobilcom und wollen die Firma ganz übernehmen, allerdings nicht die Schulden in die eigene Bilanz einstellen. Schmid hat rund 40 Prozent der Anteile, seine Frau zehn Prozent. Er hatte vor mehreren Wochen einen Preis von 22 Euro pro Aktie als akzeptabel genannt.

Firmenchef Schmid unter Druck

Schmid wird seit Wochen von France Telecom unter Druck gesetzt. Vor zwei Wochen war er auf der Hauptversammlung mit den Stimmen der France Telecom nicht entlastet worden. Hintergrund des Streits ist nach Ansicht aller Beobachter das Tempo, mit dem der UMTS-Ausbau in Deutschland vorangetrieben werden soll. Schmid wollte Gas geben, die hoch verschuldete France Telecom als Finanzier der Pläne ist für eine ruhigere Gangart.


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