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Neue E-Zigarette Iqos: Wie der weltgrößte Tabakkonzern Raucher locken will

Die Zahl der Raucher geht zurück - und Tabakkonzerne müssen sich etwas einfallen lassen, um ihre Umsätze zu retten. Immer höhere Preise sind kaum hilfreich. Philip Morris setzt auf neue E-Zigaretten samt Flagship-Stores. Ist das die Lösung?

Tabakkonzerne: Raucher locken mit neuen Ideen

Tabakkonzerne entwickeln neue Strategien, um noch neue Kunden zu locken.

Die Tabakkonzerne, die noch vor einigen Jahren in Europa und vor allem in Deutschland satte Gewinne erwirtschaften konnten, müssen sich von großen Erwartungen verabschieden. Rauchen ist out, der Konsum geht zurück. 2015 wurden in Deutschland rund 81 Milliarden Zigaretten verkauft, 2002 waren es noch 145 Milliarden.

Vor allem wächst keine Zielgruppe nach: Die Zahl der Jugendlichen, die spätestens bis zum 18. Lebensjahr zu Rauchern werden, sinkt. Bei nicht einmal zehn Prozent liegt die Quote noch. Zum Vergleich: 2001 rauchten noch mehr als 28 Prozent der Jugendlichen. Für die Firmen ist es höchste Zeit, sich neue Geschäftsmodelle zu überlegen, um hierzulande Kunden zu locken.

Philip Morris setzt daher nicht auf die üblichen Glimmstängel, ausgetüftelte Filter oder Sorten mit noch weniger Zusätzen. Das Tabakprodukt Iqos ist die Hoffnung des Konzerns. Seit Juni verkauft das Unternehmen eine Art E-Zigarette, allerdings mit einer neuartigen Technik. In dem Gerät werden Tabacksticks auf rund 300 Grad erhitzt und nicht verbrannt. "So entsteht Dampf, der nach Tabak schmeckt", sagt ein Unternehmenssprecher. Die Idee ist simpel: Kunden sollen weiterhin mit Tabakprodukten bei Laune gehalten werden, ohne wirklich zu rauchen. Der Iqos besteht aus einem Halter für die Sticks, einem Ladegerät, einem Reiniger und kostet 65 Euro. Die Sticks sind ähnlich teuer wie Zigaretten: Sechs Euro werden für 20 Stück fällig.

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Tabakkonzern setzt auf Flagship-Stores

Zwölf Jahre und rund drei Milliarden US-Dollar hat der Konzern in die Entwicklung gesteckt. Da muss das Produkt lohnenswert sein. Die Geräte und Sticks gibt es nicht an irgendwelchen Kiosken, sie werden bislang in einigen wenigen Flagship-Stores in Berlin, München - und nun auch bald in Frankfurt und Wiesbaden angeboten. Bis es ein deutschlandweites Verkaufskonzept gibt, können Kunden, die sich in einem der Shops registriert haben, auch online bestellen.

Zwar ist der Markt für E-Zigaretten schon recht gefüllt, doch Philip Morris setzt voll auf die neuen Dampfstäbchen. 2014 sagte Andre Calantzopoulos, Chef von Philip Morris, dass der Konzern 30 Milliarden Stück verkaufen könne, berichtet die "Wirtschaftswoche". Sollte die Prognose eintreffen, würde der Gewinn um 700 Millionen Dollar steigen und der Konzern würde ähnlich gute Gewinne einfahren wie mit Zigaretten und Co.


Tatsächlich konnte sich Iqos auf dem Testmarkt schnell festsetzen. Rund fünf Prozent Marktanteil eroberte das Stäbchen-System in Tokio. In anderen Ländern verkauft Philip Morris E-Zigaretten, beispielsweise Solaris in Spanien oder Nicocigs in England, berichtet die "Lebensmittelzeitung".

Keine Werbung für Zigaretten

Und in Deutschland? Durch klare Werberegelungen tut sich das Produkt schwer. Philip Morris darf zwar nicht die große Werbetrommel für das Stängchen rühren, hofft aber auf einen positiven Effekt durch zufriedene Käufer. Laut dem Konzern ist der Iqos weniger gesundheitsschädlich, da der Dampf 90 Prozent weniger krebserregende Stoffe enthalte. Werbung für ihn ist trotzdem verboten - und süchtig macht der Tabakdampf auch weiterhin. 

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