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TANKSTELLEN: Der Umbau beginnt

Nach der Genehmigung durch das Bundeskartellamt übernimmt BP am 01.02. die Mehrheit an der E.ON-Tochter Veba Oel und damit das Sagen bei der Tankstellenkette Aral.

Auf dem deutschen Tankstellenmarkt ist der Startschuss für die bevorstehende Neuordnung gefallen. Nach der Genehmigung durch das Bundeskartellamt übernimmt der britische Mineralölkonzern BP über eine Kapitalerhöhung zum 1. Februar die Mehrheit an der E.ON-Tochter Veba Oel und erhält damit das Sagen bei der Tankstellenkette Aral. Das kündigten beide Unternehmen am Mittwoch an. E.ON und BP einigten sich ferner auf den Verkauf der Förder- und Explorationsaktivitäten von Veba Oel an Petro Canada zum Preis von 2,4 Milliarden Euro (4,7 Mrd DM).

Keine Auflagen-Lockerung

Mit dem Vollzug der Übernahme ist eine mögliche Lockerung der Auflagen des Kartellamtes für die Tankstellenfusion DEA/Shell hinfällig geworden. Die Bonner Wettbewerbshüter hatten im Dezember die Zusammenschlüsse BP/Aral und Shell/DEA unter strikten Auflagen genehmigt. So müssen die Konzerne unter anderem ihre Marktanteile reduzieren und rund 1.500 Tankstellen verkaufen. Hierdurch würden sie auf Marktanteile von unter 50 Prozent fallen.

Geldregen für E.ON

Für E.ON bringt der Verkauf der Förderaktivitäten von Veba Oel an Petro Canada einen unerwarteten Geldsegen: Von der Verkaufssumme wird der Konzern 500 Millionen Euro zusätzlich erhalten. Der gesamte Verkaufserlös für Veba Oel erhöht sich auf 3,3 Milliarden Euro, hieß es. Im vergangenen Sommer hatten E.ON und BP für 49 Prozent-Paket an Veba Oel einen Kaufpreis von 2,8 Milliarden Euro vereinbart. Von BP kann E.ON ab dem 1. April die Übernahme dieses Anteils verlangen.

Keine Nachverhandlungen

Keinen Einfluss auf den Verkauf von Veba Oel hat das Verbot des Kartellamtes für den geplanten Einstieg von E.ON beim Essener Ruhrgas-Konzern. Nach der Untersagung wurde in der Branche spekuliert, dass E.ON und BP möglicherweise nachverhandeln müssen. Der Verkauf von Veba Oel ist nämlich Teil eines komplizierten Tauschgeschäftes, über das E.ON den Einstieg bei der Ruhrgas schaffen wollte.

Gezerre um Ruhrgas geht weiter

Im Gegenzug zur Abgabe von Veba Oel sollte E.ON die BP-Tochter Gelsenberg erhalten, die 25,5 Prozent an Ruhrgas hält. Mit der Übernahme von weiteren Anteilspakten wollte Europas zweitgrößter Energiekonzern bei den Essenern auf eine Mehrheitsposition kommen. Das Kartellamt untersagte diesen Plan und E.ON kündigte an, eine Ministererlaubnis zu beantragen. Hierüber wird voraussichtlich im Frühsommer entschieden.

BP baut damit Mineralölbereich weiter aus

BP-Vorstandschef Lord Browne nannte den Erwerb von Veba Oel ein »erstklassiges Geschäft«. Die Akquisition wird von 2003 an wesentlich zu den Gewinnen im Bereich Mineralölverarbeitung und - vertrieb ('downstream') beitragen. »Ob wir es nun bar finanzieren oder teilweise durch den Verkauf der Ruhrgas-Beteiligung, es wird der BP den größten Anteil an Europas wichtigstem Treibstoffmarkt bringen«, erklärte Browne. Falls der Bundeswirtschaftsminister die Ruhrgas-Transaktion genehmigt, wird BP ihre Beteiligung an E.ON abgeben.