TARIFE Nach sieben Jahren Streik in der Metallindustrie


Die Urabstimmungen in Baden-Württemberg und Berlin/Brandenburg brachte weit mehr als die erforderliche Dreiviertelmehrheit. Die Gewerkschaft legt jetzt die Streikgebiete fest.

Nach sieben Jahren steht die deutsche Metall- und Elektroindustrie wieder vor einem regulären Streik. Das Ergebnis der Urabstimmung in Baden-Württemberg und Berlin-Brandenburg hat weit mehr als die erforderliche Dreiviertelmehrheit der Gewerkschaftsmitglieder dafür ergeben. Am (heutigen) Donnerstag will der Vorstand der IG Metall Zeitpunkt, Dauer und Betriebe für den Streik festlegen. Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall lehnte dessen ungeachtet am Mittwoch erneut ein nachgebessertes Tarifangebot ab.

Große Mehrheit stimmte dafür

Wie die Gewerkschaft mitteilte, stimmten in Baden-Württemberg 90,04 Prozent der organisierten Arbeitnehmer der Branche für einen Arbeitskampf. In dem anderen für einen Streik ausgewählten Gebiet Berlin und Brandenburg waren es auch mehr als 85 Prozent, nämlich 85,7 Prozent in Westberlin sowie 87,2 Prozent in Ostberlin und Brandenburg. Voraussetzung für einen Arbeitskampf ist die Zustimmung von 75 Prozent aller IG-Metall-Mitglieder, die in dem Betrieb anwesend waren und an der Abstimmung teilnehmen konnten.

Kein vorgezogener Beginn

Der Streik kann also wie geplant am kommenden Montag beginnen. Überlegungen in Baden-Württemberg, die Arbeitsniederlegungen bereits auf Freitag vorzuziehen, wurden wegen der an diesem Tag vorgesehenen Trauerfeier für die Opfer des Blutbads in einer Erfurter Schule wieder fallen gelassen. Bezirksleiter Berthold Huber bekundete in Stuttgart ausdrücklich »Respekt und Sympathie für die Menschen und ihr Schicksal« in Thüringen.

Autofirmen als erstes Ziel?

Weiter nannte er die hohen Beteiligung an der Urabstimmung ein politisches Signal. Er hoffe, dass die Arbeitgeber dieses Zeichen auch verstünden, »damit wir am Ende auch zu einem fairen Ergebnis kommen«. Die IG Metall will nach inoffiziellen Informationen in einer ersten Streikwelle in der kommenden Woche im Südwesten unter anderem die Produktion der Automobilhersteller für einen Tag teilweise lahm legen. Der Berliner IG-Metall-Bezirksleiter Hasso Düvel sagte: »Die Ostdeutschen haben die Faxen dicke. Sie wollen vom Arbeitgeber erfahren, wann die diskriminierenden Zustände und die Tarifunterschiede aufhören«, sagte er.

Beide Seiten kompromisslos

Die Arbeitgeber erklärten, die Tarifverhandlungen seien allein an der kompromisslosen Haltung der IG Metall gescheitert. Die Arbeitgeber hatten zuletzt Einkommenserhöhungen von 3,3 Prozent für 13 Monate sowie 190 Euro für März und April 2002 angeboten. Die IG Metall fordert im Gesamtvolumen 6,5 Prozent mehr Geld. Der Präsident von Gesamtmetall, Martin Kannegiesser, sagte in der ARD, alle Möglichkeiten für einen Kompromiss seien ausgeschöpft. Die Arbeitgeber würden sich den geplanten Streiks entgegenstellen. Aussperrungen lehnte Kannegiesser jedoch erneut als »veraltetes Mittel« ab. Lediglich einzelne Betriebe sollten vorübergehend schließen, wenn sie bestreikt würden.

Gewerkschaft verteidigt Lohnforderung

IG-Metall-Chef Klaus Zwickel nannte das Urabstimmungsergebnis ein eindeutiges Votum für den Arbeitskampf. Zu geringe Lohn- und Gehaltserhöhungen wären »Gift für Arbeit und soziale Gerechtigkeit«, sagte Zwickel auf der DGB-Maikundgebung in Berlin. Deutliche Lohn- und Gehaltserhöhungen kurbelten die Wirtschaft an und förderten Wachstum sowie Beschäftigung. Bei ihren Ansprachen zum Tag der Arbeit stellten sich auch die anderen Gewerkschaftschefs hinter die IG Metall. Der DGB-Vorsitzende Dieter Schulte nannte in Leipzig die Lohn- und Gehaltsforderungen der Gewerkschaften »angemessen und bezahlbar«.


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