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TARIFKONFLIKT: Gesamtmetall bleibt trotz Streikdrohung hart

Trotz der Streikdrohungen der IG Metall will der Arbeitgeberverband Gesamtmetall kein neues Angebot für die Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie vorlegen.

Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall will trotz der Streikdrohungen der IG Metall kein neues Angebot für die 3,6 Millionen Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie präsentieren. »Wir haben unsere Schmerzgrenze überschritten und uns mit diesem Angebot komplett ausgezogen«, sagte Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser der »Bild«-Zeitung. »Mit der Vier vor dem Komma würde uns die Haut abgezogen.«

Der Gesamtmetall-Präsident warnte allerdings auch vor einem Arbeitskampf. Schon jetzt kämpften viele Betriebe mühsam um ihre Wettbewerbsfähigkeit. In dieser Situation sei ein Streik »ein zusätzlicher Schlag auf den Kopf«.

Schützenhilfe erhielt Kannegiesser vom Wirtschaftsweisen Bert Rürup, der vor den Konjunkturrisiken eines hohen Abschlusses warnte. Das bisherige Angebot der Arbeitgeber sei für diese Branche mit ihren vielen mittelständischen Unternehmen »eigentlich schon zu viel«, sagte Rürup der »Berliner Zeitung«. Die vorausgegangene Chemie-Vereinbarung von 3,3 Prozent mehr Lohn sei kein Maßstab für andere Branchen. Ein Abschluss auf diesem Niveau sei für den Aufschwung und die Beschäftigung »mit Sicherheit nicht gut«.

Die Metall-Arbeitgeber hatten bei den am Freitag in Baden- Württemberg gescheiterten Verhandlungen zuletzt eine Pauschale für zwei Monate von insgesamt 190 Euro und 3,3 Prozent höhere Einkommen ab dem 1. Mai für die folgende Laufzeit von 13 Monaten geboten. Die IG Metall will dagegen mit ihrer ursprünglichen Forderung von 6,5 Prozent in einen möglichen Arbeitskampf gehen. »Alle anderen Kompromisslinien, die wir bislang angedeutet haben, stehen nicht mehr.«

Am Montag wollen alle übrigen IG Metall-Bezirke das Scheitern der Verhandlungen erklären. Für den Südwesten fasste die Große Tarifkommission der Gewerkschaft diesen Beschluss bereits am Freitag. Das letzte Wort hat der Vorstand der größten deutschen Industriegewerkschaft, der am Dienstag darüber berät, wo es zur Urabstimmung über einen Streik kommen soll.

Der Vizepräsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Hans-Olaf Henkel, kritisierte unterdessen auch das eigene Lager: Die Arbeitgeber der Chemie- und Metallindustrie verfolgten eine »verfehlte Tarifstrategie«, zitierte »Der Spiegel« Henkel am Samstag. Die Folgen eines Arbeitskampfes für die Konjunktur könnten Henkel zufolge schlimmer sein als 1995 nach dem bislang letzten Metaller-Streik. Damals habe ein überzogener Lohnabschluss »den Aufschwung gebremst«. Diesmal drohe der Ausgang der Tarifrunde den Aufschwung »schon im Entstehen zu verhindern«.

Der Wirtschaftsweise Horst Siebert nannte schon den Chemie- Tarifabschluss »gesamtwirtschaftlich nicht beschäftigungsaufbauend«. Jeder Abschluss über der 3-Prozent-Marke sei »von Übel«, sagte der Chef des Kieler Instituts für Weltwirtschaft der »Welt am Sonntag«. Auch der Tarifexperte des Münchner ifo-Instituts, Martin Werding, sprach von einer negativen Wirkung für die Konjunktur, falls die Metaller mit einer Vier vor dem Komma abschlössen.

Allerdings hält Siebert einen Arbeitskampf für unwahrscheinlich. Der Tageszeitung »Die Welt« sagte er, einen Streik wolle derzeit niemand, zumal er politisch schlecht in den Bundestagswahlkampf passe. Auch Bundeswirtschaftsminister Werner Müller ist optimistisch, dass ein Streik noch zu verhindern ist. »Noch sind die Streiktage nicht ausgebrochen«, sagte Müller am Freitagabend in der ARD-Sendung »Bericht aus Berlin«. Dafür müssten sich die Tarifparteien nochmals zusammensetzen.

IG-Metall-Vize Jürgen Peters befürchtet dagegen durch einen Streik in der Metallindustrie keinen Schaden für den beginnenden Aufschwung. »Ich sehe nicht, wie ein Streik den Konjunkturaufschwung gefährden sollte«, sagte Peters in einem Interview des in Bremen erscheinenden »Kurier am Sonntag«. Wenn es gelinge, auf diese Weise einen »akzeptablen Abschluss zu erzielen, bei dem die Arbeitnehmer wieder mehr Geld und somit auch mehr Kaufkraft erreichen«, stabilisiere dies die Wirtschaft und kurbele die Konjunktur an.