TELEKOMMUNIKATION Steigt Hutchison bei der MobilCom ein?


Die Hongkonger Firma Hutchison Whampoa steht möglicherweise vor dem Einstieg bei der MobilCom. Der Streit zwischen dem Mobilfunkunternehmen und der France Telecom um die UMTS-Lizenzen gefährdet Tausende Arbeitsplätze.

Die Hongkonger Telekomgesellschaft Hutchison Whampoa steht einem Zeitungsbericht zufolge möglicherweise vor dem Einstieg bei dem am Neuen Markt notierten Mobilfunkunternehmen MobilCom. Der US-Investor Guy Wyser-Pratte habe Kontakt mit Hutchison aufgenommen, um einen möglichen Einstieg der Telekomholding bei Mobilcom auszuloten, berichtet »Die Welt« vorab aus ihrer Montagsausgabe unter Berufung auf Kreise.

Aufstockung der Anteile?

Wyser-Pratte ist mit rund einem Prozent an Mobilcom beteiligt und erwägt dem Bericht zufolge die Aufstockung seines Anteils. Sein Deutschland-Vertreter Marcus Elsässer habe gegenüber der Zeitung die Vermutung geäußert, dass der Mobilcom-Großaktionär France Telecom bereits mehr als 30 Prozent der Mobilcom-Aktien halten könnte. Dann müssten die Franzosen allen anderen Aktionären ein Übernahmeangebot machen. Wyser-Pratte verspricht sich dem Pressebericht zufolge von einem Angebot, das deutlich über dem jetzigen Aktienkurs liegt, offenbar hohe Gewinne. Bei Mobilcom war zunächst niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.

Streit um UMTS-Kosten

Mobilcom und France Telecom streiten derzeit über die Kosten für den Aufbau des UMTS-Mobilfunks in Deutschland. Während Mobilcom bis Ende 2003 rund 1,4 Milliarden Euro dafür ausgeben will, verlangt die mit 28,5 Prozent an dem Büdelsdorfer Konzern beteiligte France Telecom, die Ausgaben zu strecken, damit ihre Verschuldung nicht weiter anwächst. Die mehrheitlich an der France Telecom beteiligte französische Regierung übt angeblich Druck auf das Telekommunikationsunternehmen aus, um einen Ausstieg bei Mobilcom zu erreichen.

Verlust von rund 10,9 Milliarden

Nach den Worten von Mobilcom-Chef Gerhard Schmid soll die France Telecom bei einem möglichen Verkauf ihrer Anteile an dem Büdelsdorfer Mobilfunkunternehmen nicht von ihren Zahlungsverpflichtungen entbunden werden. Ein Rückzug würde den zweitgrößten Aktionär und UMTS-Partner mindestens 10,9 Milliarden Euro kosten, sagte Schmid der französischen Zeitung »Liberation« (Samstagsausgabe).

»Die France Telecom kann zwar theoretisch ihre Anteile verkaufen. Aber dies wird sie nicht von ihren Verpflichtungen entbinden, die mit der UMTS-Einführung zusammenhängen«, sagte Schmid im Interview mit der Tageszeitung. Die Kosten für einen Ausstieg bezifferte Schmid auf mindestens 10,9 Milliarden Euro. Die Summe setze sich zusammen aus Investitionen der France Telecom in MobilCom von 4,2 Milliarden Euro, einem im August fälligen Darlehen von 4,7 Milliarden Euro und einem zwei-Milliarden-Kredit der Zulieferer Nokia und Ericsson.

Die France Telecom sei die ganze Zeit über die UMTS-Investitionskosten informiert gewesen, sagte Schmid der Zeitung weiter. Dabei handele es sich nicht - wie die Franzosen jüngst behauptet hätten - um ein paar Millionen Euro. Im Business-Plan seien 15 Milliarden Euro veranschlagt - inklusive der Lizenz. »Die France Telecom hat sich schriftlich dazu verpflichtet, alles mit uns zu finanzieren. Dieser Vertrag ist in den Händen unserer Banken und unserer Zulieferer. Wir möchten ihn veröffentlichen, aber die France Telecom ist dagegen«, sagte Schmid. »Keine Bank hätte uns Geld geliehen, wenn wir nicht einen soliden Business-Plan über mehrere Jahre mit der Garantie der France Telecom vorgelegt hätten«, fügte er hinzu.

Reuters


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