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Topnews: US-Milliardär klagt DaimlerChrysler

US-Aktionär Kerkorian reicht Milliardenklage gegen DaimlerChrysler ein und wirft Konzernvorsitzenden Jürgen Schrempp vor, die Chrysler-Aktionäre belogen zu haben: es war »keine Fusion unter Gleichen«.

Der US-Milliardär und Investor Kirk Kerkorian hat am Montag bei einem Bezirksgericht im US-Bundesstaat Delaware Klage gegen den deutsch-amerikanischen Autobauer DaimlerChrysler eingereicht. Kerkorian wirft darin DaimlerChrysler vor, »durch Irreführung die Zustimmung der Chrysler-Aktionäre zur Fusion erlangt zu haben« und verlangt stellt Schadensersatzansprüche in Höhe von neun Milliarden Dollar Schadensersatz. DaimlerChrysler hat die Klage unterdessen als unbegründet bezeichnet.

Durch die Vorstellung der Fusion als »Zusammenschluss unter Gleichen« habe DaimlerChrysler »wissentlich« Aktionäre sowie andere Parteien getäuscht, heißt es in der Klage des 83-jährigen Kerkorian. Kerkorian ist mit einem Anteil von rund vier Prozent über seine Investmentfirma Tracinda der drittgrößte Anteilseigner von DaimlerChrysler. Vor der Fusion der beiden Konzerne war Kerkorian mit einem Anteil von 13,5 Prozent der größte Aktionär des US-Unternehmens Chrysler.

Kerkorian ließ verlauten, er hätte dem Zusammenschluss nicht zugestimmt, wenn er gewusst hätte, dass Daimler nur vorhatte Chrysler zu übernehmen, es auf Unternehmensbereichs-Status zu reduzieren und das Management zu entlassen. Daimler-Chef Jürgen Schrempp habe gewusst, dass das Chrysler-Mangement und die Chrysler-Aktionäre der Fusion nicht zugestimmt hätten, hätte er gesagt, dass ein ausländisches Unternehmen die komplette Übernahme einer der drei großen US-Autohersteller plane, hieß es in der Anklageschrift, die neben dem Unternehmen auch Schrempp, Finanzvorstand Manfred Gentz und Aufsichtsrats-Chef Hilmar Kopper nennt.

DaimlerChrysler bezeichnete die Klage als unbegründet. Das Unternehmen habe keine Kopie der Anklageschrift erhalten, teilte der Autobauer mit. »Auf der Grundlage des Statements von Tracinda erscheinen die Behauptungen vollständig unbegründet zu sein«, hieß es in einer kurzen Mitteilung. Branchenkenner rechnen nicht damit, dass die Klage große Aussicht auf Erfolg habe, sie käme aber zu einem ungünstigen Zeitpunkt.

DaimlerChrysler ist in jüngster Zeit in die Kritik geraten, nachdem der Konzern sich von der Spitze der angeschlagenen US-Tochter Chrysler getrennt hatte und Dieter Zetsche als neuen Chrysler-Chef ernannt hatte. Zudem hatte DaimlerChrysler die Verringerung der Produktion in den Werken von Chrysler angekündigt. Gleichzeitig erwägt das Unternehmen auch einen möglichen Stellenabbau bei Chrysler. Im dritten Quartal hatte Chrysler 579 Millionen Euro Verlust erzielt. Für das vierte Quartal geht der Konzern von einem schlechter als erwarteten Ergebnis aus. Die US-Autogewerkschaft UAW teilte am Montag mit, sie sei nicht bereit über den Chrysler- Tarifvertrag aus dem Jahr 1999, der noch bis 2003 Gültigkeit hat, zu verhandeln.