HOME

ÜBERNAHME: Fusion HP/Compaq wackelt

Die Übernahme des PC-Herstellers Compaq durch den Computerkonzern Hewlett-Packard droht am Widerstand der Familien der HP-Firmengründer zu scheitern.

Die einflussreichen Nachkommen der Gründer William Hewlett und David Packard, die zusammen rund 18 Prozent der Aktien kontrollieren, lehnen das Geschäft geschlossen ab. Zuletzt entschied sich auch die Familienstiftung der Packard- Familie, der größte HP-Einzelaktionär, am Freitag gegen die Übernahme von Compaq. Die Ablehnung der Geschäfts durch die mächtigen Familien der Firmengründer könnte nach Ansicht von Analysten die Stimmung anderer Investoren entscheidend beeinflussen. »Das Geschäft ist gestorben«, sagte Doug Johanson von der Anlagefirma Vista Capital Partners der Agentur Bloomberg.

Überzeugungsarbeit leisten

HP und Compaq zeigten sich in einer gemeinsamen Erklärung enttäuscht über die Entscheidung der Packard-Stiftung und bekräftigten die Entschlossenheit, an der Transaktion festzuhalten. Die Fusion soll »Branchenführung und Gewinnwachstum bringen«. Sie wollen weiter versuchen, die breite Anleger-Basis von den Vorteilen eines Zusammengehens zu überzeugen. Die Unternehmen hatten für den Fall der Fusion Einsparungen von rund zwei Milliarden Dollar (2,24 Mrd Euro/4,39 Mrd DM) im Geschäftsjahr 2003 und den Abbau von 15.000 Stellen angekündigt.

Die Compaq-Aktien sackten am Freitag nachbörslich um 1,31 Dollar auf 10,01 Dollar ab, während der Kurs der Anteilsscheine von Hewlett- Packard um 1,63 Dollar auf 25,15 Dollar stieg.

Fiorinas Kopf auf dem Spiel

Die Compaq-Übernahme mit einem Wert von rund 25 Milliarden Dollar (55 Mrd DM/28 Mrd Euro) war unmittelbar nach ihrer Bekanntgabe Anfang September in die Kritik geraten. Wegen sinkender Aktienkurse war das Volumen des Geschäfts sogar bis auf 18 Milliarden Dollar geschrumpft, erholte sich jedoch inzwischen wieder auf 25,3 Milliarden Dollar. Nach Ansicht von Beobachtern hängt die Karriere von HP-Chefin Carleton Fiorina entscheidend davon ab, ob sie sich mit dem Geschäft durchsetzen kann.

Erben geschlossen dagegen

Der Vorstand der Packard-Stiftung hatte nach sorgfältiger Analyse vorläufig entschieden, dass es für die Stiftungsinteressen besser ist, falls Hewlett-Packard die vorgeschlagene Transaktion nicht fortsetzt, begründete die Vorsitzende Susan Packard Orr die Entscheidung. Die David and Lucile Packard Foundation kontrolliert 10,4 Prozent der HP-Aktien. Walter Hewlett und David Woodley Packard, die beiden ältesten Söhne der Firmengründer, hatten bereits im November ihre Opposition gegen den Zusammenschluss angekündigt. Sie haben insgesamt 7,5 Prozent der Anteile unter Kontrolle.

Management geschlossen dafür

Compaq war lange Zeit der weltgrößte PC-Hersteller und hatte 1998 mit dem Kauf von Digital Equipment und von Tandem Computer versucht, auch verstärkt ins Geschäft mit Großrechnern und in das Computer- Dienstleistungen vorzustoßen. In diesem Jahr verlor Compaq die Führungsposition bei PCs an Dell. Konzernchef Michael Capellas will den Zusammenschluss mit HP ebenso durchziehen wie Fiorina.

Themen in diesem Artikel