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NEULICH IM NETZ: Tinte und Zitrus: die Höhle des Löwen (der T-Punkt)

Sachen gibt's, die gibt es gar nicht. Man muss nur ein Notebook von Compaq besitzen und das kaputt machen.

Sachen gibt's, die gibt es gar nicht. Man muss nur ein Notebook von Compaq besitzen und das kaputt machen.

Absturz erfolgt kurz nach Ende der Garantiezeit

Na ja. Kaputt machen muss man es eigentlich nicht. Warten, bis es den Geist aufgibt, genügt schon. Dieser Zeitpunkt ist bei vielen Geräten ungefähr 24 Stunden nach Ablauf der Garantiezeit gekommen. Keine Überraschung also, als sich die Festplatte des Notebooks schließlich verabschiedet. Weil ich wie üblich die Hälfte der Daten nicht sichere, verschwinden auf Nimmerwiedersehen auch ein paar Notizen und Skizzen für die möglicherweise besten Texte, die niemals geschrieben worden sein werden. Doch das ist graue Theorie. Praxis ist, was dann geschieht.

»Das Gerät« - zwei Worte wie mit der Zange angepackt

Compaq will nämlich nichts mehr wissen von seinen portablen Kästen, wenn die erst einmal krank sind. Sagt die Compaq-Hotline. Und klingt es nicht seltsam, in welchem Tonfall die Dame »das Gerät« sagt? Zwei Worte, angepackt wie mit der Greifzange. Hätte sie gekonnt wie möglicherweise gewollt, sie hätte »Müll« gesagt. Aber das ist nur eine Vermutung. Wahrscheinlicher, dass sie mir herzliches Beilleid wünschen wollte. Denn das Gerät muss zur Telekom.

Das Grauen mit dem Lederschlips

Zu den Wahnsinnigen in Magenta? Und auch noch in die Höhle des Löwen: den T-Punkt-Laden. Ich bekomme sofort schweißnasse Hände. Vor Jahren war ich letztmals dort. Ich hatte gehofft, nie mehr dort hin zu müssen. Damals ging es um einen einfachen ISDN-Anschluss und endete fast in der Klapsmühle. Ich sehe sofort wieder die Bilder vor mir: Ein junger Mann mit rotem Polohemd, Lederkrawatte und leerem Blick. Durch ihn hindurch erklärte ich ihm, was wie wo geschehen sollte. Er nickte freundlich, peilte einen Punkt im Nichts an, sagte »in zwei Wochen« und die Katastrophe nahm ihren Lauf. Und nun schon wieder!

Seitdem (1995) hat sich nicht viel geändert. Noch immer wartet man Stunden, bis man endlich »bedient« wird. Ich lege das Notebook auf den Tisch und sage, was Sache ist. Stille. Der Mitarbeiter fährt sich mit der Hand durch seinen rasiergewässerten Dreitagebart, wirbelt eine Wolke scharfen Zitrusdufts auf und erklärt, dass er gar nicht weiß, »wie« ein Compaq-Gerät zur Reparatur angenommen werden müsse. »Mit den Händen«, schreit es in mir. Er nestelt am Deckel des Notebooks herum. Reparaturannahme, das habe er »noch nie gemacht«. Das kann heiter werden.

Einer »hat das schon mal gemacht«

Ein Kollege müsse helfen. Da gäbe es sogar einen, der das »schon mal« gemacht habe. »Ich sag dann mal gerade Bescheid beim Kollegen, dass er sich gleich um Sie kümmert«, sagt der Herr mit dem Zitrusduft und verschwindet. »Der ist gerade noch in einem Kundengespräch«, ruft er quer über den Tresen. Ich versuche mir vorzustellen wie es ist, in einem Kundengespräch zu sein. Es gibt bestimmt bequemere Plätze. Und dann kommt er schon mit forschem Schritt, schaut kurz auf den Patienten, macht auf der Stelle kehrt und kehrt mit einem Formular zurück.

Canon holt alles ab

Doch kaum sumpft der erste Tintenklecks aufs Papier, ist schon wieder Schluss. Der Kollege des Dreitagebärtigen erstarrt zur Salzsäule. »Das geht so nicht«, presst er heraus, »da ist ja keine Verpackung dabei. Das können wir so nicht annehmen. Da muss eine Verpackung dabei sein. So können wir keine Garantie übernehmen, dass da nichts dran kommt an das Gerät.« Repariert werde das Notebook nämlich woanders. Bei der Telekom könne das niemand. Aber bei Canon – die, erklärt der Tintenklecksende, holen alle Geräte ab. Egal von welcher Firma. Hauptsache, es handelt sich dabei um Faxgeräte.

Thomas Hirschbiegel

H&A Medien

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