Volkswagen Blitzstart auch ohne Abwrackprämie


Die deutschen Autobauer haben offenbar die Krise überstanden - das zeigen die beeindruckenden Quartalszahlen von Daimler und nun auch von Volkswagen. Die Wolfsburger vermeldeten wie die Stuttgarter einen Gewinnsprung.

Volkswagen hat auch ohne Abwrackprämie zum Jahresbeginn einen Blitzstart hingelegt und den Gewinn deutlich gesteigert. Das operative Ergebnis verdreifachte sich fast im ersten Quartal auf 848 Millionen Euro, nach Steuern stieg es um fast 95 Prozent auf 473 Millionen Euro. Europas größter Autobauer untermauerte mit seiner Zwischenbilanz am Mittwoch, dass die Branche das Schlimmste überstanden haben dürfte.

Analysten hatten Volkswagen nur gut 600 Millionen Euro Betriebsgewinn zugetraut und lagen mit ihren Schätzungen wie schon bei Daimler deutlich zu tief. Den Absatz seiner neun Automarken erhöhte der Wolfsburger Konzern in den ersten drei Monaten weltweit um ein Viertel. Der Umsatz schnellte um fast 20 Prozent auf 28,6 Milliarden Euro in die Höhe.

VW will sparen und Nummer eins werden

Hauptgrund für die Zuwächse dürften Kostensenkungen sowie der deutlich höhere Absatz sein. Außerdem war VW im Vorjahresquartal von der Branchenkrise erwischt worden und hatte Einbrüche bei Umsatz und Ergebnis verzeichnet. Nur durch den Verkauf des brasilianischen Lkw-Geschäfts hatte der Konzern im ersten Quartal 2009 einen Verlust verhindert.

Den Ausblick ließ VW im Gegensatz zu Daimler unverändert. Demnach sollen Auslieferungen, Umsatz und operativer Gewinn 2010 über Vorjahresniveau liegen. Belastungen durch schwankende Währungskurse und Zinssätze will der Konzern durch die Fortsetzung seines Sparkurses auffangen.

Volkswagen hat im Premiumsegment mit seiner Tochter Audi eine absatzstarke Marke im Feld. Der Wolfsburger Konzern hat sich zum Ziel gesetzt, den japanischen Autobauer Toyota bis 2018 als Weltmarktführer abzulösen. Derzeit ist VW hinter Toyota und dem US-Autobauer General Motors die Nummer drei.

Frühlingserwachen in der Autobranche

Auch der Stuttgarter Daimler-Konzern hatte nach einer Durststrecke im vergangenen Jahr im ersten Quartal überraschend einen operativen Milliardengewinn erzielt und seine Prognose in dieser Woche darauf kräftig angehoben. Das wurde ebenso als klares Zeichen für eine Erholung der Automobilindustrie gewertet und verlieh dem deutschen Aktienmarkt Rückenwind.

Da auch der nach VW zweitgrößte europäische Pkw-Hersteller Peugeot über gute Geschäfte zum Jahresstart berichtete, nimmt der Optimismus in der Autobranche weiter zu. Der italienische Autobauer Fiat traut sich nach einem deutlich geschrumpften Verlust im ersten Quartal für das Gesamtjahr 2010 nun zu, der Gewinnschwelle nahezukommen.

Experten gehen davon aus, dass Produzenten von Oberklasseautos wie Daimler, BMW und Audi in diesem Jahr besser dastehen werden als Massenhersteller wie VW, Peugeot oder Renault. Schließlich hatten diese mit ihren kleineren Fahrzeugen dank der Abwrackprämie im vergangenen Krisenjahr eine Sonderkonjunktur erleben dürfen. Hersteller von Luxusautos hatten dagegen kaum von den staatlichen Kaufhilfen profitiert.

Reuters/DPA DPA Reuters

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