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Schüler als Gründer: Clever & Start

Tausende Schüler betreiben nebenbei ein eigenes Unternehmen - und beweisen so, dass Pauken und Gründen durchaus zusammengehen.

Ringsum Glaswände, Blick auf Schwarzwald und Vogesen: Oliver Schneeberger sitzt im »Kagan«, dem schicksten Klub in Freiburg. Hoch über den Dächern der Stadt, im 17. Stock, genießt der Jungunternehmer den Sonnenuntergang und einen frisch gepressten Orangensaft. »Bis wann hast du die Powerpoint-Präsentation fertig?«, fragt er am Handy eine Mitarbeiterin. Sie reden ein bisschen übers Geschäft, dann sagt er: »Ich muss heut' noch Geschichte lernen, wir haben morgen 'ne Klausur.«

Oliver Schneeberger, den alle Oli nennen, ist 18 Jahre alt. Und er ist einer der jüngsten Unternehmer Deutschlands. Vormittags geht er in die zwölfte Klasse des privaten Angell-Gymnasiums in Freiburg, nachmittags leitet er seine Firma allpc. Ob er ein guter Schüler ist? Oli zuckt mit den Achseln. In Englisch habe er meist eine Eins, in Mathe sei er relativ schlecht, so drei bis vier. Im vergangenen Schuljahr habe er ziemlich oft gefehlt, aber der Rektor habe Verständnis signalisiert. »Es gab einfach zu viel Arbeit in der Firma.«

Die »Firma« ist schon sein zweites Unternehmen. Vor fünf Jahren hat Schneeberger Microware-Computers gegründet. »Ich hab meinen Vater damals so lange genervt, bis er mit mir aufs Gewerbeamt ging.« Papa Schneeberger regelte die Formalitäten, der damals 13-Jährige kümmerte sich ums Unternehmen. Oli kaufte PCs, Notebooks und Zubehör beim Großhändler ein und verkaufte sie mit sechs bis sieben Prozent Aufschlag an Bekannte weiter. »Damit war ich günstiger als Vobis und die anderen Händler«, erzählt er. Im ersten Jahr verkaufte Oli 20 Computer plus Zubehör. Im zweiten Jahr inserierte er im Stadtteilblättchen, später mietete er Werbebanner auf Internetseiten von GMX und Web.de. Das Geschäft brummte. Im vergangenen Jahr machte Oli mehr als 250.000 Euro Umsatz. Um die Aufträge pünktlich erledigen zu können, beschäftigte der Schüler zuletzt 16 Mitarbeiter.

Nach der Schule ist er Chef


Doch seit August ist Schluss damit. Burn-out eines 18-Jährigen. »Ich habe das einfach nicht mehr gepackt«, sagt Oli, »ich hatte keine Freizeit mehr.« Ein normaler Tag sah so aus: morgens Schule, um eins nach Hause, fünf Minuten Mittagessen, danach ins Büro und bis drei Uhr nachts Aufträge abarbeiten. »Luxus war für mich, wenn ich Donnerstagabend mal «Alarm für Cobra 11» auf RTL schauen konnte.« Nach vier Stunden Schlaf musste er wieder in die Schule. »Wir waren komplett überlastet.«

In den Sommerferien, am Strand von Florida, bilanzierte Oli sein Leben und entschied sich, die Firma zu verkaufen. Jetzt wollte er sich ganz auf die Schule konzentrieren. Klappte aber nicht. »Nach vier Wochen langweilte ich mich furchtbar. Das Zu-Hause-Rumhängen strengte mich mehr an als das Schuften zuvor.« Seit einigen Wochen bastelt Oli nun an einer neuen Firmenidee namens innocence-interactive.de, mit der er sich auf Online-Marketing spezialisieren will. Offizieller Start des Unternehmens: 15. Dezember.

Schüler als Existenzgründer gibt es zu Tausenden in Deutschland, offizielle Zahlen fehlen. Doch allein im Internet sind unter www.schuelerfirmen.de 275 Schüler mit eigenen Unternehmen eingetragen, darunter Computerservices, Schulkioske, Bistros und Reisebüros. Die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung unterstützt rund 150 Schülerfirmen - mit Know-how und bis zu 6.000 Euro Startkapital.

Hinzu kommen all jene, die nicht sofort volles Risiko laufen wollen - sich aber auch nicht damit zufrieden geben, dass der Wirtschaftsunterricht an den Schulen oft noch immer bescheiden ist. Für sie gibt es die StartUp-Werkstatt, das größte Online-Planspiel für Schüler mit Gründergeist in Deutschland, in dem sich bereits knapp 10.000 16- bis 21-Jährige als Chefs erprobt haben. Bei einigen wird aus dem Spiel, zu dem sich interessierte Schüler jetzt wieder anmelden können, weit mehr.

"Erfolgserlebnisse vermitteln"
Das Team »Public Desire« von den Städtischen Kaufmännischen Schulen in Rheine etwa kam auf die Idee, einen Bierfässchenständer zu bauen, damit man die Fünf-Liter-Fässchen vom Getränkemarkt nicht immer an die Tischkante stellen oder schräg halten muss. »In der Schule haben wir immer wieder mal was über Wirtschaft gehört«, sagt Tobias Nottbeck, 19, »aber plötzlich war das alles ganz real, plötzlich mussten wir uns entscheiden, welche Gesellschafsform unsere Firma haben soll und wo wir produzieren wollen.« Die Schüler aus Rheine setzten sich bei der StartUp-Werkstatt gegen 660 andere Teams durch und kamen bundesweit auf Platz neun.

Jetzt wollen sie ihre Halterung auf den Markt bringen. Der Geschäftsführer der Detmolder Firma Allform, Thomas Waschkeit, ließ sich von der Schülerfirma bereits den Prototyp zeigen und überlegt, ob man den Bierfässchenständer in Serie herstellen kann. »Das Produkt ist super«, lobt Waschkeit, 35, die Idee, »aber hier in Deutschland wäre die Produktion zu teuer.« Tobias ist trotzdem stolz, dass ein echter Unternehmer mit ihnen verhandelt. »Plötzlich nehmen uns Leute ernst, das passiert einem als Schüler ja nicht so oft.«

Dass Erfolg selbstsicher macht, merkte auch Anna Hübler vom Evangelischen Ratsgymnasium in Erfurt. Sie ist erst 14, aber schon Geschäftsführerin des Schülerunternehmens ARTemis, das Bilder aus dem Kunstunterricht von Mitschülern aufkauft und sie an Anwaltskanzleien und Arztpraxen in Erfurt vermietet. Ein Gemälde kostet zwischen 0,90 und 2,40 Euro pro Monat. Selbst die Thüringer Staatskanzlei und das Künstlercafé »Nerly« in der Altstadt gehören zum Kundenkreis. Insgesamt 100 Bilder sind derzeit vermietet.

An diesem Nachmittag besucht Anna Hübler den Erfurter Architekten Bernhard Smits, 62, der eine Festschrift über das neue Schulgebäude zusammenstellt und dabei auf Fotos von ARTemis, die ebenfalls zum Angebot zählen, zurückgreifen will. Mit Anna kommen Laura Große und Anna Nebe, beide 13, ins Büro des Architekten. Die Fotos vom Schulgebäude haben sie in ihrem Notebook gespeichert. »Da kann man manche verwenden«, brummt Smits und weist die Jungunternehmerinnen darauf hin, dass er beim nächsten Termin ein »konkretes Angebot über die Anzahl der Fotos und den Preis« erwarte.

Weniger euphorisch die Reaktion der Lehrer


Wirtschaftsunterricht hatte Anna Hübler bisher keinen, dennoch weiß sie inzwischen besser als mancher Abiturient, wie das Geschäftsleben funktioniert. Vor kurzem durfte sie ihre Firma bei einer Tagung der Wirtschaftsjunioren Erfurts vorstellen. »Anschließend wurden wir zum Ball eingeladen«, schwärmt sie, »das war toll! Wen man da so alles kennen lernt!«

Wer glaubt, Gründen und Pauken passen nicht zusammen, wird von Heike Kahl, 47, Geschäftsführerin der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung eines Besseren belehrt. »Unternehmungslustige Schüler zu fördern gehört leider nicht zum Alltag an Schulen, aber genau das brauchen wir.« Die Teenie-Unternehmer seien in der Schule ganz anders bei der Sache.

»Es geht darum, Schülern Erfolgserlebnisse zu vermitteln«, sagt Kahl. Und die haben sie zuhauf. Egal ob es die Teams sind, die bei der StartUp-Werkstatt teilnehmen und am Ende dem Bundespräsidenten die Hand schütteln. Oder ob es der Hamburger Jungunternehmer Sven Hildebrandt, 19, ist, der vor drei Jahren die Firma Capri-Lights gründete und Schuldiscos mit Lichtorgeln, Mischpulten und Verstärkern bestückte: »Da hab ich als 16-Jähriger mal an einem Abend 800 Mark verdient, das war ein absoluter Euphoriepunkt.« Inzwischen betreibt er auch noch eine Eventagentur.

Weniger euphorisch war die Reaktion seiner Lehrer. Die Rektorin bat ihn in ihr Büro und machte ihm klar, dass es unpassend sei, im Anzug in die Schule zu kommen. Schließlich »könnten sich Lehrer dadurch herabgesetzt fühlen«. Auch die Mitschüler beäugten Sven kritisch - er durfte schon mit 17 den Führerschein machen und rollte mit einem 316er BMW zum Unterricht. Sven gibt zu, wohl ein bisschen arrogant rübergekommen zu sein. Aber wieso darf sich ein Jungunternehmer nicht auch mal falsch verhalten? »Es gibt viele Dinge, die man erst lernt, wenn man sie falsch macht. Mit 16 zog ich Anzüge an, weil ich dachte, dass mein Alter ein Makel sei, den ich kompensieren müsste.«

"Selbstständig sein ist eine gute Erfahrung"
Oli Schneeberger will gar nicht erst auf »diese Arroganzschiene« kommen. Vorsichtshalber hat er eine PR-Managerin aus Frankfurt engagiert, die mit ihm Rhetorik trainiert und übt, sympathisch rüberzukommen. Unsympathisch wirke zum Beispiel, wenn man rumprotze, wie viel Geld man verdiene, sagt er. Andererseits: Ein 18-Jähriger, der nicht angeben soll - das ist wider die Natur. Deshalb zeigt Oli eben doch gern seinen ganzen Stolz: den silberfarbenen New-Beetle, mit dem er jeden Tag zur Schule fährt, 170 PS, Dolby-Surround-System und zwei Fernsehbildschirme, auf denen DVDs laufen. »Hab ich mir extra einbauen lassen. Der vordere Fernseher funktioniert aber nur bei angezogener Handbremse.« Sagt Unternehmer Oli und strahlt wie ein kleiner Junge.

Übernächstes Jahr macht er Abitur, danach will er in den USA an der Harvard Business School studieren. Für 2003 hat er sich dort bereits zur Summer School angemeldet. Sein Traum ist es, später mal als Manager bei einer großen US-Firma zu arbeiten, bei Microsoft, Hewlett-Packard oder Compaq.

Wie bitte? Deutschlands ehemals jüngster Unternehmer will nach dem Studium nicht im eigenen Unternehmen arbeiten? »Um Himmels willen nein«, sagt Oli, »das Risiko ist mir zu groß. Selbstständig sein ist eine gute Erfahrung. Später will ich aber angestellt sein, da kann ich deutlich besser schlafen.«

Markus Grill / print
kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(