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Altersvorsorge: Die Riester-Rente ist tot - was kommt jetzt?

Die Riester-Rente sollte eigentlich die staatliche Rente durch private Vorsorge aufbessern. Doch sie ist zu bürokratisch, zu teuer und wirft zu wenig Rendite ab. Eine Reform muss her. Ausgerechnet die Versicherungswirtschaft hat da Ideen.

Riester-Rente

Die Riester-Rente sollte eigentlich die Rentenlücke schließen - doch nun muss nachgebessert werden

Getty Images

Fürs Alter sparen ist gar nicht so einfach: Sparbuch und Co. werfen nichts mehr ab, bei Lebensversicherungen warnen Experten schon seit Wochen vor einem Crash und an Aktien trauen sich die wenigsten Deutschen heran. Bleibt die , eine private Altersvorsorge, die mit staatlichen Anreizen das Sparen fürs Alter attraktiv machen sollte. Und im Grunde dafür gedacht war, das sinkende Rentenniveau abzufedern. Doch auch die Riester-Rente überzeugt kaum noch Menschen. 2017 kamen lediglich 23.000 neue Verträge hinzu. Zum Vergleich: 2010 lag diese Zahl noch bei über einer Million Neuverträgen.

Das Problem: Die Riester-Rente ist bürokratisch aufgepumpt, die Zulagen sind kompliziert geregelt und die wenigsten Sparer verstehen, was sie da gerade unterschreiben. Dazu kommt, dass die Rendite von teuren Gebühren sowie Vertriebs-, Abschluss- und Verwaltungskosten aufgefressen wird. Die Riester-Rente in ihrer jetzigen Form scheint kaum zu überzeugen. Aber gar nicht zu sparen, ist ja auch keine Alternative.

Riester-Rente braucht Reform

Das hat auch die erkannt und hat im Koalitionsvertrag eine Novellierung der Riester-Verträge verankert. Und das scheucht nun offenbar auch die Versicherungsbranche auf, die mit den Riester-Verträgen an der Angst vor der Altersarmut mitverdient hat.

Nun will ausgerechnet der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) noch "auf jeden Fall vor der Sommerpause" ein neues Angebot für Riester-Sparer vorlegen, berichtet die "Süddeutsche Zeitung". Das Ziel: Die soll einfacher werden. Und auch billiger.

Versicherer stehen unter Druck

Dieser Schritt der Branche scheint zunächst überraschend. Ein Produkt entwickeln, das weniger Ertrag für die Versicherungen einbringt? Hintergrund des Vorstoßes ist der Druck, der von Verbraucherschützern und nun auch der Politik kommt. Hessen tritt im Bundesrat für die sogenannte "Deutschlandrente" ein. Das staatlich organisierte Standardprodukt soll simpel sein und die Erträge der Sparer erhöhen. Allerdings würde diese Variante die Versicherungswirtschaft außen vor lassen. Denn die "Deutschlandrente" würde für alle gelten, die nicht bereits in eine private Altersvorsorge einzahlen. Das Finanzprodukt könne sich der Sparer aus einer staatlich lizensierten Liste aussuchen - und auch zwischen diesen Angeboten wechseln können. Wer sich nicht entscheiden kann oder will, dem wird die "Deutschlandrente" automatisch zugewiesen. Organisiert werden soll das System vom Staat, der allerdings keinen Zugriff auf die Gelder haben soll. Die Idee der hessischen Minister: Mit einer günstigen "Deutschlandrente" würde das Geschäft mit den privaten Vorsorgeprodukten angekurbelt. "Eine der elementaren Aufgaben von Politik in Land und Bund muss sein, möglichst zügig die Rente zukunftsfest zu machen. Wir sind überzeugt davon, dass die Deutschland-Rente dazu einen wichtigen Beitrag leisten kann. Sie ist einfach, günstig, renditestark und sicher: das Standardprodukt für jedermann", sagten die hessischen Staatsminister Tarek Al-Wazir, Stefan Grüttner und Thomas Schäfer. "In der 'Deutschlandrente' stecken eine Reihe von Ideen über die Weiterentwicklung der Riester-Rente, über die wir in aller Offenheit reden sollten", sagte der SPD-Bundestagsabgeordnete Ralf Kapschack dem "Handelsblatt".

Kann der Staat Finanzen?

Doch es gibt Kritik, denn die Hessen wollen auch Produkte zulassen, die wenig bis gar keine Garantien - dafür aber satte Rendite - anbieten. Und: Experten sehen die Kompetenzen für ein Finanzprodukt nicht beim Staat. Dabei gibt es genau dafür in Europa bereits Beispiele.

Die Schweden haben eine kapitalgedeckte Altersvorsorge als Ergänzung zur staatlichen Rente installiert. Dafür wandern 2,5 Prozent des Lohns aller Arbeitnehmer in einen von rund 800 Fonds. Wer sich unsicher ist oder nicht entscheiden kann, zahlt in den staatlichen Fonds ein. Das mag zunächst sehr unlukrativ klingen, doch die Performance dieses Fonds überzeugt: Rund 6,5 Prozent jährlich erzielte er in den vergangenen Jahren. Dabei beliefen sich die Kosten auf bis zu 0,15 Prozent - ein wahres Schnäppchen. Diese günstige Gebühr ist nur möglich, weil das System verpflichtend ist. Statt Versicherungskonzerne mit hohen Gebühren zu versorgen, arbeitet der Staat zum Selbstkostenbetrag.

Riester-Rente: Für Familien und Geringverdiener

Den Versicherern schmecken solche Modell traditionell nicht. "Die Pensionsfonds in diesen Ländern weisen tatsächlich Vorteile auf, allerdings nur auf den ersten Blick. Sie fußen nämlich auf nationalen Besonderheiten, die sich nicht ohne weiteres auf Deutschland übertragen lassen. Solche Modelle würden die Altersvorsorge in Deutschland daher nicht verbessern", heißt es dazu vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. Und einige der Kritikpunkte sind durchaus richtig. So trage der Sparer das Kapitalmarktrisiko. Außerdem könnten die Mittel zweckentfremdet werden, wie es in den Krisenjahren in Irland und Spanien passiert sei. Darüber hinaus gebe es keine staatliche Förderung für Familien oder Geringverdiener.

Dass in Deutschland die durchschnittliche Rendite von 3,3 Prozent p.a von den Gebühren der Anbieter verringert wird, sagt der Verband natürlich nicht. Allerdings die Verbraucherzentralen. Sie untersuchten 18 Rentenmodelle mit dem Ergebnis: In den meisten Fällen waren die Effektivkosten höher als der Wert, der sich aus den Annahmen des Alterssicherungsberichts der Bundesregierung ergibt. Allerdings sei eine Riester-Rente für Geringverdiener und Familien immer noch eine gute Idee, so die Hamburger Verbraucherzentrale. Mit einer Einschränkung:"Ein Riester-Vertrag ist eine gute Altersvorsorge – solange man ihn nicht bei einer Versicherung abschließt."