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Podcast

"Die Stunde Null": Schutzmasken statt Hemden: Wie ein bayerischer Modehersteller seine Produktion komplett umstellt

Der niederbayerische Hemdenhersteller Eterna produziert nun Atemschutzmasken - Zehntausende pro Tag. Eterna-Chef Henning Gerbaulet berichtet im Podcast "Die Stunde Null", wie das praktisch funktioniert.

Den kompletten Podcast können Sie bei Audio Now, Spotify, iTunes oder Deezer hören.

Seit 150 Jahren stellt Eterna aus Passau Hemden her. Doch Kleidung ist in der Corona-Krise nicht gefragt. Die Läden sind sowieso geschlossen. Daher hat der Traditionshersteller nun umgesteuert: Statt Hemden und Blusen werden jetzt Atemschutzmasken produziert. Um einen Beitrag gegen die Verbreitung des Virus zu leisten. Und um zumindest einen Teil des Einnahmeausfalls auszugleichen und die Firma erfolgreich durch die Krise zu steuern.

Eterna Hemden

Die Läden von Hemdenhersteller Eterna sind momentan geschlossen

Picture Alliance

Möglich ist das auch, weil Eterna nicht wie üblich in Fernost produzieren lässt, sondern eine eigene Produktion in Osteuropa hat. Die Näherinnen im slowakischen Eterna-Werk stellen nun im Akkord die dringend benötigten Stoffmasken her, wie Eterna-Chef Henning Gerbaulet im Podcast "Die Stunde Null" berichtet. "Natürlich gibt es bei uns im Moment ganz viele Maschinen, die stillstehen, weil man sie zur Produktion eines Hemdes braucht und nicht einer Maske", sagt Gerbaulet im Gespräch mit Capital-Chefredakteur Horst von Buttlar. "Aber am Ende geht es um Hochleistungsnähmaschinen, die wir hier in Einsatz gebracht haben." Das Ganze laufe nicht automatisiert ab, sondern mit großem Arbeitseinsatz der Näherinnen. "Wir brauchen Nähfertigkeit, wir brauchen Arbeitskräfte, und die haben wir", sagt Gerbaulet. 

100.000 Masken pro Tag

Der erste Auftrag kam von der slowakischen Regierung, seitdem steht die Maskenproduktion bei Eterna nicht mehr still. Die Masken sind in Deutschland und ganz Europa gefragt. "Leider ist der Output noch immer viel zu gering für die Nachfrage, die wir haben, aber wir versuchen es, so schnell, wie es geht, hochzufahren", sagt der Eterna-Chef. Aktuell stellt Eterna allein in der Slowakei etwa 35.000 Stück pro Tag her. Nun sollen auch die anderen Werke der Firma in Osteuropa umgestellt werden, sodass um die 100.000 Stoffmasken pro Tag genäht werden können.

Eine Zertifizierung der Masken sei in der Kürze der Zeit noch nicht zu machen gewesen, sagt Gerbaulet. Verarbeitet werden aber neben einfachen Baumwollstoffen auch hochwertigere FFP2- und FFP3-Materialien. Die Resonanz von Kunden, aber auch der Belegschaft auf die Umstellung sei sehr positiv. "Wir haben dadurch in der Produktion keine Kurzarbeit und keine Leute nach Hause schicken müssen." Das helfe auch im Hinblick auf ein Wiederhochfahren der Hemden- und Blusen-Produktion, wenn sich die Lage normalisiere. Sonst habe man nach der Krise zwar noch Maschinen, aber keine Mitarbeiter mehr, die diese bedienen.

bak

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