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Tourismus: Dollarschwäche führt zu Reise-Boom in die USA

Fernreisen sind "in": Wegen des niedrigen Dollarkurses kommt es gerade zu zu einem Boom im USA-Tourismus. Aber auch Mexiko, die Karibik oder Lateinamerika profitieren von der Reiselust kaufkräftiger Euro-Urlauber.

Der niedrige Dollarkurs führt zu einem Boom im USA-Tourismus. Veranstalter berichten auf der weltgrößten Reisemesse ITB in Berlin von 20 bis 50 Prozent Zuwachs. Hotelunterkünfte und Nebenkosten sind bis zu 25 Prozent billiger geworden. «2004 wird das Jahr der Fernreisen», prognostiziert der Präsident des Deutschen Reisebüro- und Reiseveranstalter Verbandes, Klaus Laepple. Auch die jüngsten Terroranschläge werden nach Meinung der Veranstalter an diesem Trend nichts ändern.

Shopping in den USA wieder lohnend

"Wir können dieses Jahr jubeln", sagt die Sprecherin von Dertour, Anke Dannler, dem deutschen Marktführer bei den US-Reisen. Derzeit lägen die Buchungen für Winter- wie Sommersaison 20 Prozent über dem Vorjahresniveau. "Alle Dollar-abhängigen Gebiete boomen." Dazu zählten auch Mexiko, die Karibik oder Lateinamerika. Die USA seien das Wunschziel vieler deutscher Urlauber, mit dem starken Euro werde Amerika nun attraktiver. "Es lohnt sich wieder, in den USA auf Shopping zu gehen."

Alle Anbieter erwarten mehr Umsatz

Auch die Nummer zwei der deutschen Veranstalter für US-Reisen, FTI aus München, verbucht überdurchschnittliche Zuwächse für die USA. "Wir rechnen mit 30 Prozent mehr Umsatz und 50 Prozent mehr Gästen bis zum Ende der Saison", sagt Sprecherin Angela Winter. "Es gibt viele eingeschworene USA-Fans, die jetzt zurückkommen." Allein FTI, einst als Spezialist für Sprachreisen gegründet, beschäftigt derzeit in den USA 50 Mitarbeiter, die die Urlaubsangebote vor Ort konzipieren. 20 Prozent ihres Umsatzes erzielt FTI mit dem US-Geschäft.

Besonders interessant: Caravan-Touren

Auf der ITB zeigten viele Besucher großes Interesse vor allem an Caravan-Touren durch die USA. Aber auch das Einkaufen etwa in New York steht nach einer Analyse des amerikanischen Reiseverbandes TIA in der Gunst der Deutschen ganz oben: Rund 80 Prozent gaben bei einer Befragung an, den USA-Besuch auch zum Einkaufen nutzen zu wollen. Auch Naturparks und Städtebesichtigungen sind gefragt. FTI verbucht zum Beispiel die größten Zuwächse für New York, San Francisco und Florida.

Ärgernis Sicherheitsvorkehrungen

Ärgerlich für USA-Touristen könnten allerdings die aufwändigen Sicherheitsvorkehrungen sein. DRV-Präsident Laepple sieht dies allerdings anders: "Vielmehr werden die USA auch deswegen als sehr sicheres Reiseziel empfunden." Bundesbürger könnten in der Regel mit dem roten EU-Reisepass problemlos in die USA einreisen. Ausnahmen bestehen etwa bei Austausch-Studenten, die ein Visum benötigen.

Trotzdem noch weit von Boomjahr 1999 entfernt

Vom Jahr 1999, als in den USA rund zwei Millionen Besucher aus Deutschland gezählt worden waren, ist das Geschäft aber noch weit entfernt. 2002 wurde ein langjähriger Tiefstand von 1,2 Millionen deutsche Besucher registriert, wie der US-Reiseverband TIA mitteilte. Trotzdem scheint die Trendwende nun eingeleitet. TIA-Sprecher Mike Pina rechnet für 2004 immerhin mit einem Zuwachs bei der Gesamtbesucherzahl um sieben Prozent.

Nur Flugpreise bleiben stabil

Für die USA ist Deutschland nach Großbritannien und Japan das drittwichtigste Herkunftsland im Tourismus. Knapp drei Milliarden US-Dollar gaben die deutschen Besucher 2002 in den USA aus. Mit dem niedrigeren Dollar-Kurs profitieren deutsche Touristen vor allem beim Hotel und bei den Nebenkosten. Die Flugpreise dagegen, sagt Dertour-Sprecherin Dannler, seien stabil. Schließlich hätten die Fluglinien ihre Kapazitäten für Transatlantikflüge nach den Anschlägen vom 11. September 2001 massiv reduziert.

Rochus Görgen / DPA