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Umsatzvorfreude: Einzelhandel im Kürbis-Rausch

Der Gruselspaß Halloween sorgt nicht nur dafür, dass immer mehr Schaufenster und Straßen in orange erstrahlen. Auch die Kassen von Spiel- und Süßwarenherstellern lässt er kräftig klingeln.

Kürbisfratzen, Fledermaus-Kostüme und Hackebeile warten seit Wochen auf ihren großen Auftritt. Wer dieser Tage einen Einkaufsbummel macht, kommt an schaurigen Accessoires vorbei. Am Vorabend und in der Nacht zum 1. November ist Halloween Anlass für zahlreiche Grusel-Partys in Discos, Kneipen und Privatwohnungen. "Der Halloween-Kult nimmt von Jahr zu Jahr zu", erklärt Andreas Steinle vom Trendbüro Hamburg. "In unserer individualistischen Welt führt solch ein Fest die Menschen zusammen."

Kräftige Umsatzsteigerungen

Was im 5.000 Jahre alten keltischen Fest Samhain zur Feier des Winter- und Jahresanfangs einen Ursprung hat, bringt heute kräftige Umsatzsteigerungen für den Einzelhandel. Insbesondere die Spielwarenbranche freut sich über zusätzliche Umsätze. "Inzwischen hat die Gruselshow besonders bei jungen Leuten Kult-Status", sagte der Sprecher des Deutschen Verbands der Spielwaren-Industrie, Dieter Tschorn, der dpa. Der Gesamtmarkt für Halloween- Artikel sei schwer einzuschätzen. Für das Jahr 2002 beziffere der Verband das Volumen auf etwa 100 Millionen Euro. "Für 2003 dürfte sich diese Zahl um rund 20 bis 40 Prozent nach oben bewegen", sagte Tschorn.

Trend durch alle Branchen

Eine genauere Schätzung sei nicht möglich, da man abwarten müsse, welche Branchen sich den Trend noch zu Nutze machten. In neuester Zeit seien beispielsweise die Süßwaren- und die Alkohol-Branche auf den Halloween-Zug aufgesprungen. Den entscheidenden Anteil aber hätten die Hersteller, die Dekorationen aus Stroh, Terrakotta und Wachs vertreiben. "Es gibt in diesem Jahr keine Branche, die nicht auf das Thema eingeht", weiß Steinle.

Seit etwa zehn Jahren verbreite sich das Halloween-Fieber in Deutschland. Doch die Tradition des Festes habe sich verändert. "Man hat es als eigenes Fest reklamiert", erklärt der Trendforscher. "Durch die Globalisierung werden überall auf der Welt kulturelle Phänomene wie dieses übernommen. Sie schwappen einfach über die Grenzen ihres Ursprungs hinaus."

Karneval ohne Köln

Früher wollte man mit Opfern, Feuer und Maskeraden Geister, Hexen und Dämonen vertreiben. Heute sei Halloween die moderne Form des Karnevals geworden, sagt Steinle. Hier könne endlich jeder in eine Rolle schlüpfen, ohne direkt aus einer Faschingsstadt wie Köln oder Mainz kommen zu müssen. "Es macht doch fast allen Menschen Spaß, in Rollen zu schlüpfen", erklärt Steinle, "und viele haben auch Spaß an Gruseligem und Mystischem. Das ist auf jeden Fall seit Harry Potter so." Selbst der Bettel-Brauch "Trick or Treat" hat in Deutschland Einzug gefunden. "Die Kinder haben gemerkt, da kann man was holen."

Süßwarenhandel profitiert

Das hat sich auch der Süßwarenhandel zu Nutze gemacht. "Am Anfang spekulierten wir auf die Erwachsenen", sagt Alfons Strohmaier, ein Sprecher des Süßwarenhandelsverbandes. "Das Ritual 'Süßes oder Saures' bezieht sich jedoch mehr auf die Kinder, und das lässt sich wunderbar in Süßigkeiten umsetzen." Dieses Jahr wolle der Nachbar nicht wieder mit leeren Händen dastehen, wenn die Kinder an der Türe klingelten. Man wolle die Kinder nicht enttäuschen. "Der Großvater schenkt seinem Enkel eben einen Nikolaus und seinem Nachbarkind eine Monsterkugel."