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Weihnachtsgeschäft: Prinzip Hoffnung

Gar nicht zufrieden ist der Handel mit dem bisherigen Weihnachtsgeschäft. Nach geglückter Einigung im Steuerstreit hofft die Branche nun auf eine Konsumbelebung.

Die Weihnachtszeit ist für die 2,5 Millionen Beschäftigten im deutschen Einzelhandel Stress pur.Wenn aber der größte Wunsch der Händler in Erfüllung geht, könnte es noch hektischer für sie werden. Nach der Einigung zur Steuerreform wird auf eine Konsumbelebung gehofft, die das kriselnde Weihnachtsgeschäft noch retten könnte.

"Der Handel hat großen Durst"

"Die Verbraucher können sich jetzt darauf verlassen, dass sie im nächsten Jahr spürbar weniger Steuern bezahlen werden", gibt sich der Geschäftsführer des Branchenverbandes HDE, Hubertus Pellengahr, optimistisch. Die Verunsicherung der Konsumenten werde abnehmen. Der Einzelhandel hätte sich zwar eine frühere Einigung zwischen Bundestag und Bundesrat und eine umfangreichere Steuerentlastung gewünscht. Für Impulse im Weihnachtsgeschäft 2003 sei es aber noch nicht zu spät. "Der Handel hat großen Durst. Da ist ein halb volles Glas besser als gar nichts."

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Neuer Pleitenrekord erwartet

Die Nerven liegen blank. Für die Branche wird ein Umsatzrückgang von einem Prozent in diesem Jahr erwartet. Diese Durchschnittszahl klingt nicht hoch. Nach einer jahrelangen Durststrecke geht jedoch immer mehr Unternehmen die Puste aus. Die Pleitewelle steuert auf eine Rekordmarke zu. In diesem Jahr werden nach Einschätzung der Neusser Wirtschaftsauskunftei Creditreform bundesweit rund 4500 Einzelhändler Insolvenz anmelden. Das wären 17 Prozent mehr als im Vorjahr. Hinzu kämen aber noch zahllose stille Geschäftsaufgaben.

Rabattschlacht schon zur Weihnachtszeit

Rotstiftpreise, Prozentzeichen und Rabattmarken halten Einzug ins Weihnachtsgeschäft. Der Winterschlussverkauf findet in diesem Jahr bereits vor dem Jahresende statt, könnte man meinen. Einige Händler brauchen dringend Bares in der Kasse. Andere wollen die Spielräume für Rabattaktionen auch zur umsatzstarken Weihnachtszeit nutzen. Bonuspunkte und Prozent-Coupons werden vor allem von den großen Handelskonzernen zur Kundenbindung genutzt. Kleine Einzelhändler versuchen mit Serviceangeboten, Kunden bei der Stange zu halten.

Discounter als Krisengewinnler

Die großen Gewinner der Branchenkrise sind die Discounter, die in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit besonders starken Zulauf verzeichnen. Im Lebensmittel-Einzelhandel werden die Discounter möglicherweise bereits in diesem Jahr einen Marktanteil von 40 Prozent erreichen. Mit ihrer Aktionsware bringen sie auch Fachhändler unter Druck. So werben Aldi & Co häufig mit Produkten, die zum Standardsortiment der Bau- und Gartenmärkte gehören. Die ohnehin schon unter der Baukrise leidenden Baumärkte konterten mit "Hammerpreisen" und Rabatten.

Im vielstimmigen Branchenchor wird nicht einhellig ein Klagelied gesungen. Primus METRO gewinnt im Inland Marktanteile hinzu und expandiert kräftig im Ausland. Besonders preisaggressiv werben die Töchter MediaMarkt ("Ich bin doch nicht blöd") und Saturn ("Geiz ist geil"). Die Genossenschaftsgruppe REWE erwartet einen Rekordumsatz. Die Tochter Penny ist beim Discounter-Boom dabei und die Supermärkte (Rewe, Minimal, HL) wachsen Dank neuer Konzepte. Außerdem bauten die Kölner ihr Auslandsgeschäft 2003 mit einem Zukauf in der Schweiz aus.

Leichter Aufschwung 2004 erwartet

Das Motto "Sekt statt Selters" dürfte aber frühestens im nächsten Jahr für einen größeren Kreis im Handel gelten. Die verlängerten Ladenöffnungszeiten am Samstag von 16.00 auf 20.00 Uhr haben unter dem Strich kaum zu Mehrumsätzen geführt. Der Branchenverband geht 2004 von einem Umsatzwachstum von 0,5 bis 1 Prozent aus. "Einen gewaltigen Schub darf man nicht erwarten", meint HDE-Geschäftsführer Pellengahr. Nach zwei Jahren mit deutlichen Umsatzrückgängen würde aber bereits eine leichte Belebung für ein tiefes Durchatmen in der Branche sorgen.

Volker Danisch / DPA