Das Automobil-Design ist eigentlich eine Männer-Domäne, doch der neue BMW Z4 wurde innen wie außen von zwei Frauen entworfen. Nadya Arnaout und Juliane Blasi sprechen im Interview über Erotik und Emotionen im Automobildesign, Profi-Blicke und die Unterschiede zum alten Z4.

Mehr Luxus, mehr Komfort und ein ausfahrbares Fahrzeugdach: Mit dem neuen Z4 will BMW den SLK aufs Korn nehmen© Hersteller/press-inform
Nadya Arnaout: Bei BMW ist das immer mit einem internen Wettbewerb der Designer verbunden. Beim Z4 gab es da einen ziemlichen Ansturm, diesen Wagen möchte natürlich jeder gern gestalten. Letztendlich entscheidet der Vorstand, welche Entwürfe genommen werden. Die Designer bleiben dabei aber vorerst anonym – der Vorstand weiß bei der Abstimmung nicht, welcher Entwurf von welchem Designer eingereicht wurde.
Juliane Blasi: Als mein Entwurf in eine immer engere Wahl kam und schließlich nur noch zwei Designs übrig blieben, konnte ich mir ja schon ausrechnen: Vielleicht klappt es wirklich! Als es dann so weit war, war das schon ein tolles Gefühl.
Juliane Blasi: Ich habe nicht das Bild von einem bestimmten Produkt oder einer Sache im Kopf gehabt, sondern mehr das Gefühl – das Gefühl von einem athletisch geformten, muskulösen Körper. Das kann man nicht direkt bildlich übertragen – es war nur klar, dass Auto braucht menschliche Emotionen.
Juliane Blasi: Das habe ich eigentlich neutral gelassen. Ich hatte jedenfalls kein Kalenderbild vor mir. Es geht mehr um die Flächen und die scharfen Kanten, die im Wechsel auftreten. Daraus entstehen harte Schatten, aber auch ganz weiche Übergänge. Da ergeben sich Parallelem zu einem muskulösen menschlichen Körper. Bei der Motorhaube zum Beispiel – sie wirkt sehr breit, zwei Hauptlinien ziehen sich straff darauf entlang, das ganze geht in die weichen Kotflügel über.
Nadya Arnaout: Auch im Innenraum habe ich mich vom menschlichen Körper inspirieren lassen, vor allem vom weiblichen. Ein Roadster ist ja sehr mit Emotionen verbunden, das wollte ich mit fließenden Formen im Innenraum festhalten.
Juliane Blasi: Da gibt es auf jeden Fall eine erotische Komponente. Wenn man das Tonmodell entwickelt, hat man ja direkt an den Flächen des Autos zu tun – da streicht man schon mit der Hand drüber. Es gibt auch spezielle Folien, die wie lackiert wirken und die man über das Modell legt. Das hat auf jeden Fall etwas Sinnliches.
Juliane Blasi: Nicht unbedingt – Sie müssen sich nur mal sehr emotionale Fahrzeuge der Automobilgeschichte anschauen, die von Männern designt wurden. Der BMW Z3 zum Beispiel, der Jaguar E-Type, auch Aston Martin – das sind alles sehr emotionale Fahrzeuge. Auch der Porsche 911 ist doch eine echte Design-Ikone.
Juliane Blasi: Bei den Kunden kann ich mir schon vorstellen, dass Frauen und Männer unterschiedliche Ansprüche stellen. Bei Designern kann man das eigentlich gar nicht sagen – es gibt schließlich noch sehr wenige Designerinnen in der Automobilindustrie.
Juliane Blasi: Ich fände es toll, wenn viel mehr Frauen im Exterieur-Design tätig wären. Das ist ja schon so eine Männer-Domäne. Ich kann gut mit Frauen zusammen arbeiten und würde das gern öfter machen. Ich hoffe, wir haben eine Art Grundstein dafür gelegt, dass es in Zukunft mehr Designerinnen gibt.
Zur Person Nadya Arnaout (36) hat unter anderem an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach und in den USA studiert. Sie arbeitete vier Jahre als Produkt-Designerin bei der BMW-Tochterfirma BMW Group DesignworksUSA und wechselte dann in den Bereich Automotive Design. Sie entwarf das Interieur des neuen BMW Z4.
Juliane Blasi (31) hat an der Fachhochschule Pforzheim Automobildesign studiert und 2003 ihr Diplom gemacht. Seitdem ist sie als Designerin bei BMW beschäftigt, beim Z4 für das Exterieur.