Mit dem Range Rover Evoque trauen sich die Briten was. Der Evoque ist ein SUV mit Fashion-Appeal. Kein Wunder: Victoria Beckham stimmte das Design mit ab. Dabei taugt der SUV auch für den Ritt durchs Gelände.
Hartgesottene Fans der Marke Land Rover fürchteten den Sündenfall. Nicht nur, dass der neue Range Rover Evoque schon vom Design her auf eine ungewohnte neue Lifestyle-Klientel zielt. Er sollte zudem der erste Range Rover werden, den es wahlweise auch ohne Allrad- und nur mit Frontantrieb gibt. Ex-Spice-Girl Victoria Beckham sollte sich um das Design kümmern. Nun hat Land Rover den Evoque zum ersten Mal auf einer Fahrveranstaltung in England präsentiert - und siehe da: Es ist trotz alledem ein waschechter Range Rover geworden.
Natürlich gibt es am Evoque, der ab Mitte September als 5-Türer und als 3-türige Coupé-Version bei den Händlern stehen wird, auch ein paar wunde Punkte. So ähnelt vor allem im Coupé das Heckfenster eher einer schmalen Schießscharte und bleibt auch beim 5-Türer noch zu klein. Oder: Der Durchstieg in die zweite Sitzreihe ist im Coupé nur was für Akrobaten: Der Vordersitz lässt sich nicht mit einer Schnelleinstellung sondern nur zeitraubend über die elektrische Sitzverstellung nach vorne und hinten fahren, bietet auch offen nur einen schmalen Durchstieg.
Auf den beiden Sitzen hinten herrscht drangvolle Enge. Die elektrisch öffnende Heckklappe schwingt nicht sonderlich weit nach oben und wer größer ist als 1,80 Meter holt sich am vorstehenden Schloss schnell eine Beule. Statt eines vollwertigen Ersatzrades ist unter dem Laderaumboden nur ein Reparaturkit zu finden. Und schließlich: Vorne wie hinten fehlen über den Fenstern simple Haltegriffe. Das war's dann aber auch schon mit der Kritik.
Wer vor dem ausgewachsenen Evoque steht, der muss eingestehen: Land Rover traut sich was. Die Konzeptstudie "LRX", die von den Engländern 2008 auf der Motorshow in Detroit zum ersten Mal gezeigt wurde, ist dreieinhalb Jahre später im Evoque nahezu 1:1 als Serienmodell umgesetzt. Die ausgeprägter Keilform, die aggressiv wirkende Front mit den schmalen Scheinwerfer-Schlitzen, die hohe Gürtellinie, das geschwungene Coupé-Dach, das hohe Heck - der Evoque fällt auf im Straßenbild. Mit 4355 mm ist er kaum länger als ein VW Golf und kürzer als ein VW Tiguan - dennoch wirkt er dank 1900 mm Breite und 1605 mm Höhe (als Coupé, der 5-Türer ist 30 mm höher) deutlich größer. Auf dem Heck prangt zwar der Schriftzug des Range Rovers. Aber unter der Karosserie steckt vor allem die Technik des Freelander II.
Zu dieser Technik gehört auch das Terrain Response System. Per Knopfdruck lassen sich bei den Allradversionen damit Fahrprogramme für unterschiedliche Traktionen einstellen. So kommt der Evoque selbst abseits asphaltierter Straßen noch erstaunlich weit - auch, wenn er an die Geländefähigkeiten eines Discovery oder Defender naturgemäß nicht heranreicht. Schotterpisten, steile Anstiege, Schlammpfade - der hochbeinige Evoque, der mehr Bodenfreiheit mitbringt als etwa der Freelander II, macht dort durchaus eine gute Figur.
Und durch überschwemmte Unterführungen kommt er auch dann noch gut durch, wenn ihm das Wasser bis über die Scheinwerfer reicht. Innen folgt der Evoque dem hohen Anspruch des Range Rover: Hochwertige Materialien wie gebürstetes Aluminium, Holz oder Leder sorgen ebenso für einen hochwertigen Qualitätseindruck wie deren Verarbeitungsqualität. Manche Bauteile - etwa das Einstellrad der Automatik - kommen von der Schwestermarke Jaguar. Die Anzeigeinstrumente vor dem Fahrer wirken zum Teil etwas übertrieben verspielt, so wie die an Swarovski-Steine erinnernden Markierungen für die Geschwindigkeiten - aber das ist Geschmackssache. Die Schalter sind gut zu erreichen, griffig und intuitiv zu bedienen. Selbst auf dem Lenkrad, das auf den ersten Blick überladen erscheint, zeigt sich schnell eine durchdachte Ordnung.