Tom Gäbel ist eines der größten deutschen Talente der Jazz- und Swingszene. Und er liebt Strategiespiele. Im stern.de-Interview spricht er über Musik in Spielen, Splatter-Filme und über seine aktuellen Projekte.

Tom Gäbel spielt leidenschaftlich gerne Strategiespiele© Tom Gäbel
Mein Bruder Colin beschäftigt sich beruflich mit Videospielen. Im Vergleich zu ihm bin ich eher ein gemäßigter Spieler. Aber ich spiele sehr gerne.
Sehr unterschiedlich, auf langen Busfahrten mit meiner Band wird eine Menge gedaddelt, ansonsten fehlt mir leider oft die Zeit fürs Zocken.
Die Plattform ist mir egal. Mein Bruder besitzt alle erdenklichen Gerätschaften - ich verliere da schon fast den Überblick. (lacht) Wenn mir das Spiel gefällt, mache ich einfach mit.
Am meisten Spaß machen mir Aufbaustrategiespiele, weil man hier richtig kreativ sein muss und was ganz Großes erschaffen kann. Partyspiele wie beispielsweise "Singstar" finde ich auch super. Übrigens schneide ich da immer überraschend schlecht ab!
Momentan bin ich ganz heiß auf ein brandneues Playstation2-Spiel, bei dem man als Gitarrist die größten Rockklassiker erklingen lassen - und leider auch stümperhaft versauen - kann. (lacht)
Zeit für mich alleine hab ich genug, wenn ich übe. Beim Spielen bin ich gerne in Gesellschaft - allerdings nicht in virtueller. Ein Online-Game hab ich noch nie probiert.
Effektvolle Grafiken können mich nicht allzu lang begeistern. Wie in der Musik muß erst einmal der Inhalt stimmen, die visuelle Verpackung ist für mich zweitrangig. Eine interessante neue Grundidee lockt mich daher viel schneller vor den Schirm als die x-te Variante des Ego-Shooter-Spielprinzips. Mit Freude werde ich mich mein Leben lang an "Tetris" erinnern: ein Spiel, das aus normalen Menschen tobende Wutmaschinen machen kann! (lacht)
Eine schlechter Soundtrack kann einem das komplette Spiel vergällen. Glücklicherweise aber legen die Hersteller immer mehr Wert auf eine gute musikalische Untermalung. Es ist halt wie beim Film: Richtig gruselig wird's erst, wenn die hohen Geigen kommen...
Mit meinem Bruder hab ich jahrelange Diskussionserfahrung. Ihm bereitet es riesig viel Spaß, Zombies die Köpfe abzuschießen. (lacht)
Meiner Meinung nach gibt unglaublich viel geschmackloses Zeug, allerdings halte ich die in Abständen stets wiederkehrende Empörung in der Öffentlichkeit für stark übertrieben. Ich erinnere mich noch an die Zeit, als brutale Splatter-Filme in der Diskussion standen. Danach kräht heute kein Hahn mehr. Mit den Ego-Shootern wird es letztlich auch so laufen, denke ich.
Ich hätte gerne die Musik für "Tycoon City: New York" gemacht, leider hat das aus Zeitgründen nicht funktioniert. Dieses Spiel würde perfekt zu meiner Musik passen.
Als Komponist würde mich übrigens auch ein Ego-Shooter reizen, man kann sich da nämlich ähnlich einem Filmkomponisten austoben. Dabei denke ich beispielsweise an genau die erwähnten, hohen Geigen - kurz bevor der Zombie um die Ecke biegt!
Meine Deutschland-Tournee nimmt im Moment sehr viel Zeit in Anspruch, außerdem ruft schon das zweite Album. Ich zocke in der nächsten Zeit also lieber erst einmal ein bisschen weniger Computer- und Videospiele - auch wenn es schwer fällt...
Tom Gäbel Schon früh entdeckte der Swing-Musiker Tom Gäbel seine Leidenschaft für die Musik – und sein Talent, Instrumente zu erlernen. Autodidaktisch eignete er sich das Schlagzeug- und Posaunespielen an. Zudem genoss er eine 12-jährige Geigenausbildung. Am Konservatorium von Amsterdam schloss er sein Musikstudium mit Diplom (cum laude) ab. Bekannt wurde der 31-Jährige durch seine Fernsehauftritte bei TV Total (Silvester Gala und Jazz Night). Derzeit tourt Tom Gäbel durch Deutschland.