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20. August 2010, 21:33 Uhr

Sozial muss es sein

Social Games auf Facebook und kostenlose Browserspiele sind der zurzeit am schnellsten wachsende Markt der Videospieleindustrie. Die Qualität der Games wird immer besser, und junge Firmen binden viele Millionen Spieler an sich. Die Großen der Gamesbranche reagieren - höchst unterschiedlich. Von Ralf Sander, Köln

Games, Gamescom, Computerspiele, Videogames, Social Games, Facebook, Farmville, Bigpoint, Disney, Sony, Playstation

Online-Spiele und Browsergames liegen voll im Trend© Ina Fassbender/Reuters

Millionen Facebook-Nutzer betätigen sich in "Farmville" als virtuelle Bauern oder schlagen in "Mafia Wars" als Gangster Schlachten mit ihren Freunden. Die Spiele des US-Unternehmens Zynga werden vor allem innerhalb der sozialen Netzwerke Facebook, Myspace und bei Yahoo gespielt - von rund 360 Millionen Nutzern pro Monat. Im Juli hat Google mehr als 100 Millionen Dollar in Zynga investiert.

Auch das Hamburger Unternehmen Bigpoint setzt Millionen Euro mit seinen 50 Onlinespielen um, ebenso erfolgreich ist das Karlsruher Unternehmen Gamesforge. Auf der Videospielmesse Gamescom präsentieren die Hanseaten ihr neues Spiel "Poisonville" so bombastisch, laut und aufdringlich, wie es sich in der Vergangenheit nur die etablierten Größen der Gamesbranche leisten konnten. Und das trotz eines auf den ersten Blick paradoxen Geschäftsmodells: Die Spiele sind allesamt kostenlos.

Viel Kleingeld ist auch ein Vermögen

Browserbasierte Free-to-play-Spiele machen es leicht, gemocht zu werden: Sie müssen nicht installiert werden. Sie sind einfach zu verstehen und nicht zu komplex. Man kann alleine oder miteinander spielen oder gegen seine Freunde antreten. Der Aufwand hält sich dabei in selbstgesteckten Grenzen: hier und da ein paar Aktionen in der Mittagspause oder beim Telefonieren sind ebenso möglich wie stundenlange Sessions. Und irgendwann mag man seinen digitalen Bauernhof oder seinen Elfenkrieger vielleicht so gern, dass man ihm gerne etwas Gutes tun möchte. Doch wer bestimmte Waffen und Gegenstände, die das Fortkommen im Spiel erleichtern, oder einfach hübschere Kleidung für seinen Spielcharakter haben möchte, muss zahlen. Cent- und niedrige Euro-Beträge. Nur ein geringer Teil der Spieler - im einstelligen Prozentbereich - gönnt sich diesen Luxus. Doch bei mehreren hundert Millionen Spieler, kommt einiges an Kleingeld zusammen. Wie reagiert die Branche auf die neuen Mitspieler, die nicht nur ihren eigenen Regeln machen, sondern den etablierten Gameskonzepten auch noch Zeit und Aufmerksamkeit der Kundschaft wegnehmen?

Sie spielt mit, aber auf unterschiedliche Weisen. Einige kaufen sich das Know-how dazu: Electronic Arts ("Fifa"-Reihe, "Crysis") hat Ende vergangenen Jahres die junge Social-Games-Firma Playfish gekauft, Disney investierte in das Startup Playdom sogar eine halbe Milliarde Dollar. "Für uns ist wichtig, auf jeder möglichen Plattform vertreten zu sein", sagt Norman Habakuck, PR-Manager von Ubisoft ("Assassin's Creed", "Anno"-Reihe). Wenn sich irgendwo ein neuer Spielplatz auftut, werden dafür Produkte entwickelt. Sei es für die Playstation 3, das iPhone oder eben den Webbrowser. Das tun alle großen Publisher, die nicht an eine eigene Hardware gebunden sind. Ubisoft bedient sich dabei aus dem eigenen Portfolio bekannter Spieleserien: "Wir haben bereits ein Browsergame namens 'Might and Magic Heroes: Kingdoms' gestartet. Außerdem befindet sich "Die Siedler Online" gerade in der Beta-Testphase", so Habakuck. Und auch ein Spiel für Facebook sei in Arbeit.

Gegenseitiger Einfluss

Die sozialen Netzwerke beeinflussen aber auch ganz traditionelle Konsolen- und PC-Spiele. Die Grenzen verschwimmen. Wer auf der Playstation 3 Erfolge feiert, kann die erworbenen Trophäen automatisch in seinem Profil auf Facebook posten. Die Community-Funktionen, die schon länger in fast allen Videospielen Einzug halten, werden immer ausgefeilter: Im kommenden Rennspiel "Need for Speed: Hot Pursuit" beispielsweise kann sich der Hobbyraser automatisch über die Bestzeiten seiner Kumpels informieren und sofort zur Revanche auffordern lassen. Eine Funktion, die auch viele Facebook-Spiele bieten.

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