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20. Juni 2010, 18:07 Uhr

Verzögerter Torjubel? Digital ist schuld

Der Nachbar jubelt, doch auf dem eigenen Fernseher hat Poldolski noch nicht einmal geschossen? Dann heißt es: 1:0 für den Analogempfang. Die neue digitale TV-Technik sorgt für scharfe Bilder - und hinkt bei Live-Übertragungen häufig hinterher.

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Der Analogempfang schlägt bei der WM den Digital-Empfang. Als Fahnenstange ist eine Satellitenschlüssel allerdings durchaus geeignet© Stefan Sauer/DPA

Zuerst der Torjubel, dann der Torschuss - viele Fernsehzuschauer erfahren zurzeit, dass live nicht gleich live ist. Als sich unlängst die Nachbarn bereits über den ersten deutschen WM- Treffer freuten, hechtete ein Haus weiter Poldi noch über den Bildschirm. Bis alle TV-Gucker in Deutschland das deutsche Führungstor in Durban mitbekommen hatten, waren zum Teil lange Sekunden vergangen. Die lautstarke Begeisterung aus der Eckkneipe verhagelte manchem Fan im Wohnzimmer die Spannung beim Fußballgenuss.

Das Nachsehen haben jene, die sich mit Digitalempfänger, HD-Gerät oder Internet-Fernsehen an die Spitze der Entwicklung gesetzt haben. Wer analog WM schaut, kann zuerst jubeln. Im Gegensatz zum herkömmlichen Analogempfang, kommt mit der Digitaltechnik das Bild aus Südafrika mit Verzögerung am heimischen Fernseher an, wie Sprecher von Fernsehanstalten und Kabelnetz-Betreibern bestätigten.

Signal legt 36.000 Kilometer in Sekundenbruchteil zurück

Seitdem es Satelliten-TV gibt, gehört der verzögerte Empfang von Fernsehbildern zum Alltag. Das Signal muss in 36.000 Kilometer aufsteigen und wieder herunter, benötigt dafür nur einen Sekundenbruchteil länger als die Übertragung über Antenne.

Allerdings ist das analoge Antennen-Fernsehen weitgehend Geschichte. Antennen gibt es zwar noch immer, aber vor allem für den terrestrischen Digital-Empfang (DVB-T). "Wegen vieler Faktoren und Varianten ist es schwierig, genau vorherzusagen, welcher Weg beim Zuschauer am schnellsten ankommt", erklärte ein ZDF-Sprecher. Zwischen dem schnellsten und dem längsten Übertragungsweg liegt manchmal bis zu einer halben Minute.

So haben die gestochen scharfen Bilder aus Südafrika ihren Preis. Für die digitalen Verbreitungswege Kabel (DVB-C), Terrestrik (DVB-T), Satellit (DVB-S bzw. DVB-S2) sowie über das Internet-Fernsehen IPTV müssen die Programme in einem aufwendigen und zeitintensiven Rechenprozess "codiert" werden, wie es in einem ZDF-Leitfaden heißt. Je nach Norm kann dieser Prozess bis zu fünf Sekunden dauern - erst dann wird das Signal vom Sender ausgestrahlt. Zuhause beim Zuschauer müssen die Programme wieder von den digitalen Empfangsgeräten "decodiert" werden. Auch dieser Prozess nimmt Zeit in Anspruch und hängt vom Decoder ab.

Analoges Kabel ist am schnellsten

Doch auch mit der Einspeisung in das Kabelnetz können weitere wertvolle Sekunden hinzukommen - ein Ärgernis, wenn es etwa Elfmeterschießen gibt. "Das summiert sich auf der ganzen Strecke", wie ein Sprecher von Kabel Deutschland bestätigt.

Nach einer "Rangliste der Schnelligkeit" steht das analoge Kabel an der Spitze, gefolgt vom digitalen Kabel (DVB-C) und dem digitalen Satelliten-Empfang in herkömmlicher SD-Qualität, gefolgt vom digitalen Antennen-Fernsehen (DVB-T) und dem digitalen Satelliten für die hochauflösenden Bilder in HD-Norm. Bei Internet-TV oder Handy kann sich der Empfang sogar um mehr als 30 Sekunden verspäten. Eine Lösung für das Problem gibt es immer - trotz hochaufgerüsteter Digitaltechnik auf Analogempfang umstellen.

Lesen Sie dazu auch bei unserem Partner in der Schweiz, 20 Minuten Online: Alle News zur WM in Südafrika

Esteban Engel, DPA
 
 
KOMMENTARE (5 von 5)
 
Stirb_Susi (22.06.2010, 09:26 Uhr)
Was eine Meldung
2006 konnte man mit Sat Empfänger immer das Tor ehr bewundern als mit DVB-T - ist aber auch bei jedem anderen Programm so
24/7/365
Kann man aber auch schön mit zensieren mit so einer Technik ;-) Little China ist halt überall.

nerventanz (21.06.2010, 11:14 Uhr)
Maßnahmen
Bei manchen Fernsehern kann man 100/200Hz-Modus ausschalten. Das soll die Verzögerung angeblich mindern.

Was bei mir klappt ist, den "Gaming"-Mode anzuschalten. Da ist schonmal etwa 0,3 Sekunden eingespart.

Aber das meiste ist ja die Dekodierphase von Digitalfernsehen. Einfach die alte Röhre ausm Keller holen und man ist erster, der jubbelt. :)
jabadahat (20.06.2010, 21:32 Uhr)
2006...
...wars genau so, so what?
eric111 (20.06.2010, 20:02 Uhr)
digital?
@tomtom2010: das kommt darauf an, wann du dich in den stream eingeloggt hast.

Aber dass es in Deutschland noch analog-TV gibt wundert mich!
tomtom2010 (20.06.2010, 18:16 Uhr)
Digital? Ungenauer Blödsinn
2 nur 3 mtr. auseinander stehende Laptops mit identischen DVB-T Sticks hatten eine Verzögerung von beinah 40 Sekunden. Analog allein ist es nicht!
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